Havas' DECT-Replikationsstudie zurückgezogen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 29.05.2017, 17:13 (vor 907 Tagen)

Weil das IZgMF selten agiert, sondern in aller Regel auf Meldungen aus der Anti-Mobilfunk-Szene reagiert, sind wir anfällig, wenn die Anti-Mobilfunk-Szene eine Meldung geschlossen verschweigt. So geschehen anlässlich der Retraktion der Studie "Replication of heart rate variability provocation study with 2.4-GHz cordless phone confirms original findings" von Havas M und Marrongelle J., 2013. Die Ethik-Kommission der Trent-Universität (Havas' Uni) hatte 2014 die Arbeit gründlich geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, die Studie genüge nicht den ethischen Anforderungen, die die Universität an Humanstudien stellt. Die Studie wurde deshalb von der Trent-Universität zurückgezogen, Henry Lai, Herausgeber der betroffenen Fachzeitschrift, informierte 2014 die Öffentlichkeit mit einer Retraktionsnotiz. Und wenn "Dr. Ratto" nicht auf die Retraktion aufmerksam gemacht hätte, gäbe es dieses Posting jetzt nicht.

Der hiesigen Anti-Mobilfunk-Szene, allen voran die sogenannte Kompetenzinitiative, Diagnose-Funk und Gigaherz, war die Retraktion der Havas-Studie – wenig überraschend – keine Meldung wert. Diese Vereine sind ausnahmslos auf Alarm gebürstet, jegliche Form von Entwarnung wird dort gezielt unterdrückt. Franz Adlkofer und Diagnose-Funk berufen sich dazu einfach, als ob nichts gewesen wäre, auch noch 2017 (Beispiel) auf Havas' Herzraten-Erststudie (2010), deren Methode und Ausführung hier im Forum allerdings ebenso wenig Freunde fand, wie die später zurückgezogene Wiederholungsstudie. Die Praxis von Adlkofer und Diagnose-Funk ist deshalb unsauber, weil Havas Wiederholungsstudie die "bessere" der beiden Studien war (optimiertes Studiendesign). Ob allerdings mit der Retraktion der Wiederholungsstudie aus ethischen Gründen auch Zweifel an den Ergebnissen einhergehen dürfen, bleibt offen, die Retraktionsnotiz gibt dazu keine Auskunft.

Havas' Erststudie wurde 2011 im Gigaherz-Forum zur Replikation vorgeschlagen, lange bevor Havas selbst zur Replikation schritt. Aus der zeitlichen Distanz lässt sich heute sehr schön beobachten, wie hysterisch seinerzeit "Wuff" und "Hans-U. Jakob" auf den gar nicht dummen Vorschlag reagierten, den ein Pseudonym "caro" einbrachte, mit dem ich entgegen "Wuff"s schäumenden Mutmaßungen 0,000 zu tun habe.

Vorbildlich reagierte diese Website auf die Retraktion der Havas-Studie: Der Text wurde nachträglich um einen Hinweis auf die Retraktion ergänzt. Ansonsten spielte sich diese Retraktion nahezu ausnahmslos aufseiten der Wissenschaft ab. Dies zeigt eine gravierende Schwäche der "Informationsgesellschaft": Fachliche Laien wie Diagnose-Funk verbraten im Stundentakt irgendwelche Alarmmeldungen, kriegen Retraktionen jedoch entweder nicht mit oder verschweigen diese. Die Desinformation bekommt auf diese Weise Flügel und weil es viel mehr fachliche Laien als Experten gibt, gehen die wenigen vertrauenswürdigen Websites im Meer der Schundsites unter. Solange die Verbreiter von Desinformation nur mit großer Mühe zur Rechenschaft gezogen werden können, wird sich mMn an diesem Missstand nichts ändern. Wir werden es alle nicht mehr erleben aber ich bin mir sicher, nur mit Regulation und Bildung wird sich dieses Problem beheben lassen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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