BNetzA vs. Deutsche Bahn: Sicherheitsrisiko GSM-R (Technik)

Gast, Dienstag, 22.03.2016, 20:40 (vor 2043 Tagen)

Auszug aus Stuttgarter Zeitung vom 21. März 2016:

Die zunehmenden Risiken für Reisende durch das lückenhafte Zugfunk- und Notrufsystem im deutschen Schienenverkehr werden seit Jahren von Verantwortlichen wissentlich hingenommen. Diesen Verdacht untermauert ein Brandbrief der Bahn an die Bundesnetzagentur (BNA), der der Stuttgarter Zeitung vorliegt. In dem brisanten Schreiben warnten die Experten des Staatskonzerns die Regulierungsbehörde bereits vor fünf Jahren eindringlich, wegen weiter zunehmender Störungen des Notrufsystems drohten „erhebliche Gefahren für die Betriebssicherheit und damit für Leib und Leben der Fahrgäste“. Grund sei der massive Ausbau kommerzieller Mobilfunknetze, die den Zug- und Rettungsfunk beeinträchtigen. Das Vorhaben der Regulierer, weitere benachbarte Frequenzen zu vergeben, sei daher „nicht hinnehmbar“.

Bundesweit gibt es entlang der Bahnstrecken viele Hundert Funklöcher von insgesamt etwa 300 Kilometern Länge, wie Recherchen der StZ aufgedeckt haben. In diesen Bereichen können Lokführer bei Gefahren nicht schnell von den Leitstellen über den Notruf GSM-R [GSM-Rail, GSM-Bahnfunk; Anm. Spatenpauli] gewarnt werden. Die Störstellen nahmen seit 2007 stark zu. Zuvor hatte die Netzagentur die Zugfunk-Nachbarfrequenzen, die bis dahin nur militärisch genutzt wurden, an kommerzielle Mobilfunkanbieter vergeben.

Tags:
Stuttgart, Funkloch, Frequenzen, Bahnfunk

BNetzA vs. Deutsche Bahn: Sicherheitsrisiko GSM-R

Raylauncher @, Donnerstag, 24.03.2016, 22:53 (vor 2041 Tagen) @ Gast

Bundesweit gibt es entlang der Bahnstrecken viele Hundert Funklöcher von insgesamt etwa 300 Kilometern Länge, wie Recherchen der StZ aufgedeckt haben. In diesen Bereichen können Lokführer bei Gefahren nicht schnell von den Leitstellen über den Notruf GSM-R [GSM-Rail, GSM-Bahnfunk; Anm. Spatenpauli] gewarnt werden. Die Störstellen nahmen seit 2007 stark zu. Zuvor hatte die Netzagentur die Zugfunk-Nachbarfrequenzen, die bis dahin nur militärisch genutzt wurden, an kommerzielle Mobilfunkanbieter vergeben.

In dem Artikel wird die Schuld an den Netzlücken und Problemstellen im GSM-Netz der Bahn (GSM-R) weitgehend der Bundesnetzagentur und den Betreibern öffentlicher Mobilfunknetze zugeschoben. Dass die Bahn auch selbst zu dem Desaster beigetragen haben könnte, wird nicht in Erwägung gezogen.

1. Die durch die Bahn beklagte Situation, der durch andere Netze belegten benachbarten Frequenzbänder, ist schon immer Realität im öffentlichen Mobilfunk, ohne dass es dort zu unlösbaren Problemen käme.

2. Die massiven Schwierigkeiten des GSM-Bahnfunks rühren in erster Linie davon, dass man das Netz - offensichtlich aus Kostengründen - "auf Kante genäht hat". Die der Netzplanung zugrunde liegende Mindestversorgungsfeldstärke liegt zu nahe an der physikalisch bedingten Schwelle. Da genügen dann kleinste Rauschbeiträge, Zusatzdämpfungen, Fading ..., dass die Verbindung abreißt, bzw. gar nicht erst zustande kommt.

3. Die Empfänger der mobilen Funkgeräte in den Triebfahrzeugen sind relativ breitbandig ausgelegt und können auch GSM-P (öffentlicher Mobilfunk) empfangen. Gleichzeitig ist das Großsignalverhalten (Übersteuerungsfestigkeit) der Empfänger-Front-Ends nur mittelmäßig. Tritt nun die Situation "sehr schwache GSM-R-Nutzfeldstärke" und "relativ hohe Feldstärken durch GSM-P Sender" ein, können die in der Empfänger-Eingangsstufe dieser Geräte gebildeten Mischprodukte sich dem an der Grenze der Dekodierbarkeit liegenden Nutzsignal überlagern und dessen Empfang zusätzlich beeinträchtigen.

Wenn die Bahn eine hohe Versorgungswahrscheinlichkeit und Zuverlässigkeit ihres Funksystems fordert, ist sie in erster Linie selbst dafür verantwortlich, die Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehört u.a. die Bereitstellung eines realistischen Mindestversorgungspegels mit entsprechenden Reserven und ggf. die Einführung ausreichend großsignalfester Endgeräte.

Raylauncher

Tags:
Notruf, Netzplanung, Sparen, Sicherheit

BNetzA vs. Deutsche Bahn: Sicherheitsrisiko GSM-R

Gast, Freitag, 25.03.2016, 18:07 (vor 2041 Tagen) @ Raylauncher

In dem Artikel wird die Schuld an den Netzlücken und Problemstellen im GSM-Netz der Bahn (GSM-R) weitgehend der Bundesnetzagentur und den Betreibern öffentlicher Mobilfunknetze zugeschoben. Dass die Bahn auch selbst zu dem Desaster beigetragen haben könnte, wird nicht in Erwägung gezogen.

Auszug aus heise online:

Das digitale Funknetz der Deutschen Bahn, mit dem Notrufe an Lokführer abgesetzt werden können, ist nicht lückenlos. Das hat das Unternehmen am Donnerstag bestätigt. Dennoch sieht die Bahn keine Sicherheitslücken auf den Strecken. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) habe bestätigt, dass kein Bahnunfall bekannt sei, der auf Mängel bei der Funkverbindung zurückzuführen wäre, sagten Bahnsprecher in Stuttgart und Berlin.
Diskussion nach Bad Aibling

Nach dem Zugunglück im bayerischen Bad Aibling wurde spekuliert, dass ein Notruf des Fahrdienstleiter möglicherweise die beiden Lokführer wegen eines Funklochs nicht erreicht hat. Das hat sich bislang nicht bestätigt. Die Ermittlungen zur Aufklärung der Unglücksursache wurden aber auf diesen Aspekt ausgeweitet.

Das digitale Funknetz GSM-R ist nach Angaben des Berliner Bahnsprechers entlang von rund 29.000 Kilometern des insgesamt 33.000 Kilometer langen Streckennetzes installiert. Bei mehr als 99 Prozent der GSM-R-Strecken funktioniere der Funkempfang. Gebe es eine Störung, benutzten Fahrtdienstleiter und Lokführer stattdessen den öffentlichen Mobilfunk. In den Langsamfahrstellen-Verzeichnissen der Bahn sei ausgewiesen, an welchen Stellen dies der Fall sei.

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Kommentator "Bahner" zu dem Artikel Lebensgefährliche Lücken? auf BR24:

Warum lassen wir medienwirksam immer Menschen zu Wort kommen, die offenkundig keinerlei Fachwissen haben? Stattdessen erfolgt - unterstützt mit entsprechender Wortwahl - m.E. gezielt eine verzerrte Darstellung des Sachverhaltes. Bei dieser Berichterstattung wird dem Laien der Eindruck vermittelt, das System Bahn sei per se unsicher - schamlos angesichts der Ereignisse von Bad Aibling und eine Frechheit.

Journalisten: informiert Euch richtig, bevor Ihr was schreibt und dadurch die Menschen verunsichert!

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Siemens und Huawei erneuern gemeinsam das GSM-R Netz in Norddeutschland

15.07.2015: Die Deutsche Bahn tauscht ihre GSM-R Technologie der ersten Generation aus und beauftragt das Konsortium Siemens Convergence Creators und Huawei mit der Systemumstellung in der Region Norddeutschland.

BNetzA vs. Deutsche Bahn: Sicherheitsrisiko GSM-R

Gast, Samstag, 09.04.2016, 17:43 (vor 2026 Tagen) @ Raylauncher

3. Die Empfänger der mobilen Funkgeräte in den Triebfahrzeugen sind relativ breitbandig ausgelegt und können auch GSM-P (öffentlicher Mobilfunk) empfangen. Gleichzeitig ist das Großsignalverhalten (Übersteuerungsfestigkeit) der Empfänger-Front-Ends nur mittelmäßig. Tritt nun die Situation "sehr schwache GSM-R-Nutzfeldstärke" und "relativ hohe Feldstärken durch GSM-P Sender" ein, können die in der Empfänger-Eingangsstufe dieser Geräte gebildeten Mischprodukte sich dem an der Grenze der Dekodierbarkeit liegenden Nutzsignal überlagern und dessen Empfang zusätzlich beeinträchtigen.

Auszug aus Frankfurter Rundschau vom 8. April 2016: Gefährliche Funklöcher auf Bahnstrecken

Dass Gäste der deutschen Bahn über Funklöcher klagen, mag man schon einmal gehört haben. Insgesamt 250 davon können jedoch richtig gefährlich werden - denn hier überlagert der Mobilfunk die interne Kommunikation der Züge.

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