Prof. Belpomme will Biomarker für EHS gefunden haben (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 12.01.2016, 20:31 (vor 1406 Tagen)

Frau Buchs berichtet aus der Alpenfestung gegen Elektrosmog von einer neuen Studie, die zuverlässige Biomarker für EHS und MCS gefunden haben will.

Prof. Belpomme gibt an, 839 eingeschriebene Fälle gehabt zu haben, von denen 727 auswertbar waren: Bei 521 Personen (71,6 %) wurde EHS festgestellt, bei 52 (7,2 %) MCS und bei 154 (21,2 %) EHS und MCS. Zwei von drei Patienten mit EHS und/oder MCS waren weiblich; das Durchnittsalter ist 47 Jahre. Aha.

Anhand von einfachen Tests, die käuflich zu erwerben und klinisch anerkannt sein sollen, wurden angeblich Biomarker gefunden, die EHS/MCS zuverlässig und objektiv diagnostizieren:

Nitrotyrosin zu 28 % bei EHS/MCS erhöht
Protein S100B zu 15 % bei EHS/MCS erhöht
Autoantikörper gegen O-Myelin zu 23 % bei EHS/MCS nachgewiesen
Zunahme von Hsp27 und/oder Hsp70-Chaperon-Proteine zu 33 % bei EHS/MCS erhöht
24 h-Urin 6-Hydroxymelatonin Sulfat (6 Ohm) / Kreatinin-Verhältnis verringert (in allen untersuchten Fällen).

So weit das Wichtigste von Gigaherz, wobei ich die Aufregung von Frau Buchs nicht nachvollziehen kann. Denn niemand bei Gigaherz dürfte auch nur den blassesten Schimmer haben, was es mit diesen kryptischen "Biomarkern" auf sich hat. Und auch ich stehe in dieser Schlange der Ratlosen, allerdings skeptisch und keineswegs freudig erregt.

Kommentar: Die Studie wurde in der selben Zeitschrift publiziert, ja sogar in der selben Ausgabe wie die unglückliche EMF-Leitlinie 2015. Auch Olle Johansson und andere sind in dieser EHS-Sondernummer (Band 30, Heft 4 vom Dez 2015) vertreten. Ein wenig befremdlich ist: Wer in "Reviews on Environmental Health" publizieren möchte muss dafür zahlen. Dafür sind die Artikel dann frei für jedermann verfügbar. Doch eigenartigerweise war das PDF der EMF-Leitlinie anfangs kostenpflichtig, erst ein paar Tage später war es plötzlich gratis zu haben. Auch die Belpomme-Studie ist bei "Reviews on Environmental Health" kostenpflichtig (30 Euro, Stand: 12. Januar 2016), es gibt den Volltext jedoch gratis im www zu finden (emfanalysis.com), aller Voraussicht nach ist dieser alternative Download jedoch illegal. Bleibt zu hoffen, de Gruyter, Berlin, hat ein einsehen und gibt die Belpomme-Studie frei, auch wenn kein EHS damit etwas anfangen kann.

Die Studie umfasst 21 Seiten, ab Seite 15 quälen die Autoren den Leser mit einer endlosen Literaturliste, die mutmaßlich üppige Kompetenz signalisieren soll. Gelesen habe ich das Werk nicht und ich beabsichtige auch nicht es zu tun, denn a) Zielgruppe sind Mediziner, b) halte ich von den Entdeckungen eines Autors, dem Psiram eine Seite widmet erschreckend wenig und c) hat sich Prof. Belpomme bei mir endgültig disqualifiziert, als er 2011 ganz ungeniert auf dem Gigaherz-Kongress auftrat. Unklar ist, wieso der Franzose überhaupt noch nach Biomarkern für EHS forschte, wo er doch schon vor Jahren mit seinem "Encephaloscan" eine treffsichere Diagnosehilfe gefunden haben wollte.

Berichten aus dem Internet zufolge soll Dominique Belpomme saftige Honorare dafür verlangen, einem EHS einen Standardvordruck auszuhändigen, in dem er seinen Patienten EHS attestiert. Umso überraschender ist deshalb mMn die Interessenerklärung in der Studie:

Conflicts of interest statement:
All the authors declare no financial conflict of interests.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Meldungen über Belpommes Honorarforderungen falsch - oder der Professor lügt.

Hintergrund
Dominique Belpomme: Spuren im IZgMF-Forum

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Psiram, EHS, MCS, Narrenhaus, Umweltkranke, Biomarker, Belpomme

Prof. Belpomme will Biomarker für EHS gefunden haben

H. Lamarr @, München, Dienstag, 12.01.2016, 21:08 (vor 1406 Tagen) @ H. Lamarr

Conflicts of interest statement:
All the authors declare no financial conflict of interests.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sind die Meldungen über Belpommes Honorarforderungen falsch - oder der Professor lügt.

Auszug aus Psiram:

In Frankreich wird die Methode von Belpomme[1][2] an der Clinique Alleray-Labrouste (Paris) und dem Pariser Radiologen Philippe Lebar[3] für 210 Euro (plus 100 Euro für Beratung) durchgeführt, die Kosten werden von den Kassen nicht übernommen. Belpomme ist auch bekannt dafür, medizinische Gutachten zu fertigen, die entsprechenden Patienten in wenigen Zeilen eine Elektrosensibilität attestieren. Nach für Psiram/Esowatch nicht nachprüfbaren Angaben aus dem Internet sollen sich die Kosten für eine derartige Bescheinigung auf 1.800 Euro belaufen. Belpomme erstellt seine "EHS"-Gutachten ausdrücklich auf Basis der hier thematisierten Encephaloscan-Untersuchung[4].

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Finanzierung der Belpomme-Studie

H. Lamarr @, München, Dienstag, 12.01.2016, 22:13 (vor 1406 Tagen) @ H. Lamarr

In der Studie machen die Autoren folgende Angaben zur Finanzierung:

This work was supported by a specific grant from the ARTAC provided by patient’s donations and non-profit grants from Foundation Lea Nature-France, Foundation Pour une Terre Humaine-France and Foundation Un Monde par Tous-France. The authors acknowledge Dr. Natalio Awaida from “Labo XV-Paris” for the high quality of the blood analysis, Tony Tweedale from R.I.S.K. (Rebutting Industry Science with Knowledge) (Brussels, Belgium) for his review and valuable comments on early draft. The authors thank also Ms Meris Michaels (an ARTAC member from Switzerland) for her specific financial support.

Meris Michaels lebt in Genf, sie betreibt die Anti-Mobilfunk-Blogs Towards Better Health (englisch) und Mieux Prévenir (französisch). Frau Michaels spricht zudem deutsch und ist nicht nur Mitglied von Artac, sondern auch von Ara (schweizerischer Anti-Mobilfunk-Verein). Mitglied von Gigaherz ist sie nicht, das deutet auf Stilbewußtsein hin. Ihren Bachelor of Arts erwarb Michaels 1965 bis 1969 in Ohio. Die hohe Verbundenheit der Schweizerin zum Thema EHS macht sich auch bei Ihrem YouTube-Kanal bemerkbar, unschön ist, dass dort in ihrem Profil unter Kanäle ein HF-Schutzchip aus den unteren Schubladen der pseudowissenschftlichen Esoterik auftaucht (M2 Test Lab Results: Up to 98% Cell Phone Radiation Reduction!). Bei Frau Michaels dreht sich zwar alles um EHS und Elektrosmog, dennoch habe ich kein Bekenntnis im www gefunden, in dem sie sich selbst als EHS beschreibt. Das Motiv für ihre Geldspende an Prof. Belpomme bleibt so im Dunklen.

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Finanzierung

Prof. Belpomme will Biomarker für EHS gefunden haben

Kuddel, Sonntag, 07.02.2016, 11:07 (vor 1380 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Sonntag, 07.02.2016, 14:03

Belpomme ist (emeritierter) Spezialist für Krebserkrankungen in Paris und Vorsitzender der ARTAC, eines privaten Vereins zur Untersuchung der Ursachen von Krebserkrankungen.

Herr Belpomme behauptetete auf dem "5th Paris Appeal Congress" am 18.Mai2015 in Brüssel, dass er über die Jahre 1213 Patienten untersucht habe, wobei bewiesen wäre, dass 93% davon tatsächlich elektrosensibel seien.
Wodurch der behauptete Beweis erfolgte, wird nicht gesagt.
(Quelle, Vorsicht, "MS-word Docx" format !)

Der Verein Artac hat eine Art Tochter-Verein gegründet, welcher sich ausschließlich EHS und MCS widmet, inklusive "Behandlungsmethoden" .

Unter "Etudes" (Studien) wird auf eine einzige Studie (PDF) von Dr. Belpomme verwiesen, in welcher er die von ihm entdeckten Biomarker bewirbt.

Die Finanzierung der Studie erfolgte offenbar durch die finanziellen Beiträge, welche die EHS für die ärtzlichen Konsultationen während der Studie zu leisten hatten, sowie durch Drittmittel , offenbar aus dem Umfeld der Alternativmedizin, die durch Dr. Belpommes "Forschung" indirekt profitiert.
Artac scheint an ganzes Ärtzeteam zu beschäftigen ...welches durch Belpomme's Studien profitiert. Mithin handelt es sich meines Erachtens nicht um eine "unabhängige" Studie.

Soweit ich verstanden habe, stellt Herr Dr. Belpomme anhand seiner Biomarker schlicht fest, daß diese bei selbsterklärten EHS bedenkliche Werte haben (die Herr Belpomme vermutlich auch von Krebspatienten kennt) und vergeleicht diese mit den Biomarkersn nachdem der EHS sich selbst für eine gewisse Zeit "de-exponierte", z.B. während eines Urlaubs.

Ob ein echter Zusammenhang zu den elektromagnetischen Feldern besteht, wurde von Dr. Belpomme nicht untersucht. Er geht auf diesen Punkt kaum ein, wodurch sich die Frage stellt, wie er behaupten kann (siehe eingangs erwähnte Konferenz), dass der Nachweis der Existenz von EHS erbracht sei.

Vermutlich zieht Dr. Belpomme hier einen bequemen (indirekten) Schluß, da er im letzen Absatz darauf hinzuweist, dass es ja eliche Studien gibt, welche biologische (athermische) Einflüsse unterhalb geltenter Grenzwerte bewiesen hätten.
Dabei hat es ihm die GSM-Studie eines Griechen sehr angetan, welcher Fruchtfliegen mit GSM exponierte.
Vermutlich, weil diese Studie (mit nur jeweil 10 Fruchfliegen pro Gruppe) bei besonderes geringer Expositionen einen schädlichen Effekt fand (3V/m).

K

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EHS, MCS, Professor, emeritiert, Belpomme, ECERI

Fruchtfliegen, unberechenbare

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.02.2016, 16:11 (vor 1380 Tagen) @ Kuddel

Dabei hat es ihm die GSM-Studie eines Griechen sehr angetan, welcher Fruchtfliegen mit GSM exponierte.
Vermutlich, weil diese Studie (mit nur jeweil 10 Fruchfliegen pro Gruppe) bei besonderes geringer Expositionen einen schädlichen Effekt fand (3V/m).

Aus dem EMF-Portal:

Panagopoulos DJ (der Grieche) 2010:
Die Ergebnisse zeigten, dass das Reproduktions-Vermögen nahezu linear mit ansteigenden Expositions-Dauern, sowohl bei GSM 900 MHz- als auch bei DCS 1800 MHz-Befeldung, abnahm, was darauf hindeutet, dass kurzzeitige Expositionen bei diesen Befeldungen kumulative Wirkungen auf lebende Organismen haben. Zusätzlich zeigten diese Ergebnisse, dass bei denselben Expositions-Dauern und unter gleichen Befeldungs-Stärken die GSM 900 MHz-Exposition biologisch etwas aktiver ist als die DCS 1800 MHz-Exposition.

Weisbrot D (ein Amerikaner) 2003:
Die nichtthermische Befeldung durch ein GSM-Handy erhöhte die Anzahl der Nachkommen, den HSP70-Gehalt und die DNA-Bindung des Serum-Reaktionselements und induzierte die Phosphorylierung des nukleären Transkriptionsfaktors ELK-1.

Und nun, Monsieur Belpomme?

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Panagopoulos, Fruchtfliegen

Prof. Belpomme von anderen Wissenschaftlern kritisiert

Kuddel, Sonntag, 07.02.2016, 16:31 (vor 1380 Tagen) @ Kuddel

In >diesem< Science-Blog eines amerikanischen Neurologen (und bekennenden Skeptikers) an der Yale-Universität werden Dr. Belpommes Aktivitäten ebenfalls recht kritisch kommentiert.

Perhaps the greatest criticism of the COE report is its reliance on scientific reports concerning so-called electromagnetic sensitivity. They specifically cite the work of one Professor Belpomme as support for the concern that individuals may be especially sensitive to EMF. However, Belpomme’s work with EMF is mostly self-published, not peer-reviewed, and his conclusions are not generally accepted by the scientific community.
. . .
The COE’s conclusion seems to be more political hype than scientific reality, and is out of step with other systematic reviews of the same evidence.
. . .
Meanwhile, the premature recommendations could adversely affect the quality of education, which is moving in the direction of incorporating electronic media

K

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Belpomme, Prüfstein

Berenis vs. Belpomme: Keine Biomarker für Elektrosensibilität

H. Lamarr @, München, Montag, 04.07.2016, 18:47 (vor 1232 Tagen) @ H. Lamarr

Frau Buchs berichtet aus der Alpenfestung gegen Elektrosmog von einer neuen Studie, die zuverlässige Biomarker für EHS und MCS gefunden haben will.

Die schweizerische "Beratende Expertengruppe NIS" (Berenis) knöpft sich in ihrem jüngsten Newsletter vom Juni 2016 u.a. die Studie vor, in der Prof. Belpomme (73) angeblich zuverlässige Biomarker für "Elektrosensibilität" benennt. Und es kommt, wie es kommen muss, wenn Pseudowissenschaft und Wissenschaft aufeinander treffen: Die Expertengruppe deckt so viele methodische Mängel der Belpomme-Studie auf, dass von zuverlässigen Biomarkern für "Elektrosensibilität" gut begründet keine Rede mehr sein kann. Eine zweite EHS-Studie (Andrianome et al. 2016) kommt bei kritischer Betrachtung ebenfalls in Schieflage. Fazit: Außer Spesen, nichts gewesen.

Nachfolgend in kursiv der Text der Berenis-Studienkritiken:

Gibt es Biomarker für elektromagnetische Hypersensibilität? (Belpomme et al. 2015, Andrianome et al. 2016)

Bisher wurde kein Parameter gefunden, mit dem sich elektromagnetische Hypersensibilität (EHS) charakterisieren oder diagnostizieren lässt. Um mögliche Diagnosekriterien oder Biomarker zu evaluieren, wurden seit 2009 in einer Studie 1216 Patienten, die unter EHS und/oder multipler chemischer Sensitivität (MCS) leiden, klinisch und biologisch untersucht (Belpomme et al. 2015). Dabei wurden die Patienten systematisch nach einheitlichem Schema abgeklärt und je nach Ergebnis nach einem standardisierten Schema therapiert. Die klinische Erstuntersuchung umfasste jeweils eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung, ein MRI bzw. CT des Schädels und eine Doppleruntersuchung der Halsgefässe, die Messung eines Durchblutungsindex des Gehirns mittels zerebraler Ultraschall-Tomosphygmographie (UCTS), sowie die Erhebung einer Reihe von Biomarkern mittels kommerziell erhältlicher Tests. In die Studie eingeschlossen wurden Patienten, deren Symptomatik nicht auf andere Krankheitsursachen zurückgeführt werden konnte, und die nicht unter einer chronischen Erkrankung wie Diabetes, Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen oder psychiatrischen Erkrankungen litten. Von den bisher 839 untersuchten Personen erfüllten 727 Personen diese Einschlusskriterien. Die Biomarkermessungen wurden mit den Referenzwerten der Hersteller der Tests verglichen. Je nach Test lagen 6% und 55% ausserhalb des angegebenen Normbereichs. Die Autoren schliessen daraus, dass EHS und MCS mit einfachen Tests objektiv charakterisiert werden können. Zudem gehen Sie davon aus, dass EHS und MCS einen ähnlichen pathologischen Mechanismus aufweisen, da der Anteil der Personen mit Werten ausserhalb des Normbereichs in den beiden Gruppen ähnlich war.

Aufgrund der präsentierten Daten lassen sich die Schlussfolgerungen der Autoren nicht stützen. Das grösste Problem bei den untersuchten Biomarkern besteht darin, dass es keine Vergleichsgruppe gibt und dass die Autoren Sensitivität, Spezifität, Referenzierung und Reproduzierbarkeit der verwendeten Tests nicht vertieft diskutieren. Auffällig ist zudem, dass für praktisch alle untersuchten Biomarker die Mehrheit der untersuchten Personen im ausgewiesenen Normbereich liegt. Bei aller Unsicherheit über die Aussagekraft dieses Normbereichs ist damit offensichtlich, dass diese Laboruntersuchungen nicht spezifisch genug sind, um sie als diagnostische Kriterien heranziehen zu können. Zudem sind die durchwegs verminderten Melatoninwerte mit dem Vorbehalt belastet, dass die Melatoninbestimmung sehr schwierig ist, weil sie stark auf äussere Einflüsse wie Licht, Lebensgewohnheiten, Ernährung und Medikamente reagiert. In diesem Fall wie auch bei allen anderen Biomarkern mit einer tageszeitabhängigen Sekretion ist eine einzelne Messung nicht aussagekräftig. Dazu wäre vielmehr ein 24-Stunden-Profil erforderlich, idealerweise über mehrere Tage. Das Verfahren zur Messung des Durchblutungsindex ist nicht etabliert, und in der Publikation wurde nur das Resultat eines Einzelfalles bildlich dargestellt. Daher lässt sich die Aussagekraft dieser Methode nicht beurteilen. Die Art in der die Daten in dieser Publikation präsentiert werden trägt nicht zu einem besseren Verständnis von EHS und MCS bei.

In einer anderen Studie (Andrianome et al. 2016) wurden die selbstberichtete Schlafqualität sowie die Menge des Melatonins im Speichel und im Urin von 30 EHS-Personen mit 25 Nicht-EHS Personen verglichen, die eine ähnliche Alters-, Geschlechts und Gewichtsverteilung aufwiesen. Die 30 EHS-Probanden wurden aus einer früheren Befragung zur Thematik rekrutiert. Die 24-Stunden-Melatoninkonzentration wurde aus dem gesamten für Nacht und Tag separat gesammelten Urin bestimmt, und der Tagesverlauf aus 12 Speichelproben. Die berichtete Schlafqualität war in der EHS-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Die Melatoninkonzentration im Urin und im Speichel war zwischen den Gruppen weder in der Nacht noch am Tag unterschiedlich. Eine Stärke dieser Studie ist der Einbezug einer Kontrollgruppe. Nur im Vergleich mit einer Kontrollgruppe können allfällige Unterschiede zwischen EHS- und Nicht-EHS-Personen identifiziert werden. Die Stichprobe war aber relativ klein, und die Melatoninkonzentration variierte stark zwischen den Individuen und im Tagesverlauf. Daher hätten nur recht grosse Unterschiede statistisch signifikant nachgewiesen werden können. Mögliche Störgrössen wie die Exposition gegenüber Licht, die Schlafzeiten sowie der Chronotypus wurden nicht berücksichtigt, und die Rekrutierung der Kontrollgruppe ist nicht beschrieben. Es ist zu betonen, dass sowohl in dieser als auch in der oben beschriebenen EHS-Studie (Belpomme et al. 2015) keine Angaben zur EMF-Exposition der Probanden gesammelt und ausgewertet wurden. Daher sind beide Studien nicht geeignet, um einen Einfluss von EMF im Alltag auf Biomarker zu untersuchen. Das Ziel beider Studien war vielmehr, für die selbstberichtete EHS spezifische, objektive Biomarker zu erhalten. Die Resultate der ersten Studie sind diesbezüglich nicht informativ und bei der zweiten Studie wurde für Melatonin kein Unterschied zwischen EHS-Personen und einer Vergleichsgruppe gefunden.

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Speichel, Melatonin, Elektrochonder, Urintest, Biomarker, BERENIS, Belpomme, Mängel

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