Witthöft-Studie: Das tatsächliche Nocebo-Resultat (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 12.11.2014, 23:58 (vor 2450 Tagen)

Eine Studie von James Rubin (UK) und Michael Witthöft (D) erschütterte ab Dezember 2012 für geraume Zeit die Welt der "Elektrosensiblen" und ihrer selbsternannten Schutzpatrone. Allein bei Gigaherz gibt es für das Suchwort "Witthöft" gegenwärtig 34 Treffer, hese kommt immerhin auf 25, das IZgMF auf 21 Treffer.

Großen Bahnhof gab es noch einmal 2014, als die Süddeutsche das Studienresultat nicht richtig wiedergab, und deshalb Frau W. aus O. in M. erfolgreich den Presserat einschaltete.

Wie ein roter Faden zieht sich durch viele Kommentare und Berichte, die sich mit der Witthöft-Studie beschäftigten, das Unverständnis für das, was die tatsächlichen Studienresultate ausmacht. Selbst Frau W., die sich ausgiebig mit der Arbeit beschäftigt und von Michael Witthöft persönlich Auskünfte eingeholt hat, weiß über die Fehlinterpretation der Arbeit viel zu berichten, über die richtige Interpretation jedoch nichts. Und weil es mir bis gestern nicht viel besser erging, habe ich bei Dr. Witthöft noch einmal gezielt nachgefragt. Die wichtigsten Ergebnisse des langen Gesprächs gebe ich nachfolgend komprimiert wieder:

  • Die Presse-Information der Uni Mainz gibt das Studienresultat richtig wieder, vorausgesetzt man liest den Text aufmerksam, besonders den 3. Absatz.
  • Die Auswirkungen der beiden vorgeführten Filme auf die später von den Probanden empfundene EMF-Angst war nur gering. Witthöft findet dies ganz in Ordnung, es wäre ja überraschend, gelänge es, Menschen mit einem einzigen Kurzfilm in Panik zu versetzen. Er vermutet, die Stresssituation des Tests selbst war dominanter (was kommt jetzt auf mich zu, wird es weh tun ...) und überdeckte die Wirkung der Filme. Alle Probanden wurde zu Beginn in groben Zügen über den Ablauf des Tests informiert, jeder Proband wusste vorab, er werde einer W-LAN-Befeldung unterzogen.
  • Das tatsächliche Studienresultat lautet: Werden ängstliche Menschen einem äußeren Reiz (hier: vermeintliche W-LAN-Befeldung) ausgesetzt, reagieren diese deutlich heftiger (hier: Symptomentwicklung) als gelassenere Menschen. Wer von den Probanden ängstlich war wurde vor dem W-LAN-Test mit einem Angst-Fragebogen ermittelt.
  • Für die (vermeintliche) Befeldung wurde ein Szenario aufgebaut, das den Probanden plakativ eine Expositionsapparatur vorgaukelte (Notebook, W-LAN-Router). Jeder Proband wurde einzeln "befeldet" indem ihm ein Helm aufgesetzt wurde, in dem sich angeblich eine Sendeantenne befand. Helm und Router waren mit einem Kabel verbunden, das Notebook meldete am Display betont deutlich den Beginn der Scheinbefeldung. Nach Start der vermeintlichen Befeldungsphase verließ der Versuchsleiter den Raum, der Proband blieb alleine dort zurück mit dem Auftrag, auf mögliche Symptome zu achten. Nach dem Test konnte jeder Proband die Symptome, die er an sich festgestellt hatte, in einem Formular ankreuzen, das zahlreiche Symptome anbot.
  • Zwei Probanden reagierten auf die Scheinbefeldung so stark, dass sie den Versuchsleiter riefen und um Abbruch des Tests baten. Aus dem Stand war sich Dr. Witthöft nicht ganz sicher, meinte jedoch, diese Probanden kamen aus beiden Gruppen.
  • Dr. Witthöft sagt, auch er ärgere sich über die Fehlinterpretationen seiner Arbeit.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Fehlinterpretation, Mainz, Rubin, Laien, Witthöft, WLan, EMF-Angst

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