REFLEX / OeAWI: gruselig falsche Übersetzung (Allgemein)

Alexander Lerchl @, Dienstag, 07.10.2014, 15:54 (vor 2486 Tagen)

Die seinerzeit neu gegründete Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität hatte als eine ihrer ersten Aufgaben die Untersuchungen der Wiener REFLEX-Studien zum Ziel. Abgesehen von der Sorge der Befangenheit der damaligen Vorsitzenden, Prof. Ulrike Beisiegel, ist mir (erst) jetzt ein ziemlich dicker Schnitzer aufgefallen, und zwar in der englischen Übersetung der deutschen Stellungnahme:

"Bei allen Publikationen entspricht die Dokumentation der Originaldaten und deren Darstellung nicht den Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis und lassen somit die Sorgfalt vermissen, die notwendig ist, um die publizierten Ergebnisse nachvollziehen zu können."

"In each of the publications, the documentation of the original data and its depiction do not comply with the rules of good scientific practice, thus pointing to a lack of the diligence required to enable replication of the published results."

Der Sinn in der englischen Version ist natürlich ein völlig anderer. Richtig hätte es heissen müssen: "... to comprehend the published results." So verstehen die Leser es anders, nämlich dass die fehlende Sorgfalt verhindert, dass die Resultate repliziert werden können.

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Tags:
Fehlinterpretation, Reflex, OeAWI, Beisiegel, Uebersetzung, Stellungnahme, Fälschungsvorwurf

REFLEX / OeAWI: gruselig falsche Übersetzung

H. Lamarr @, München, Dienstag, 07.10.2014, 23:50 (vor 2486 Tagen) @ Alexander Lerchl

Die seinerzeit neu gegründete Österreichische Agentur für Wissenschaftliche Integrität hatte als eine ihrer ersten Aufgaben die Untersuchungen der Wiener REFLEX-Studien zum Ziel. Abgesehen von der Sorge der Befangenheit der damaligen Vorsitzenden, Prof. Ulrike Beisiegel, ist mir (erst) jetzt ein ziemlich dicker Schnitzer aufgefallen, und zwar in der englischen Übersetung der deutschen Stellungnahme:

"Bei allen Publikationen entspricht die Dokumentation der Originaldaten und deren Darstellung nicht den Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis und lassen somit die Sorgfalt vermissen, die notwendig ist, um die publizierten Ergebnisse nachvollziehen zu können."

"In each of the publications, the documentation of the original data and its depiction do not comply with the rules of good scientific practice, thus pointing to a lack of the diligence required to enable replication of the published results."

Der Sinn in der englischen Version ist natürlich ein völlig anderer. Richtig hätte es heissen müssen: "... to comprehend the published results." So verstehen die Leser es anders, nämlich dass die fehlende Sorgfalt verhindert, dass die Resultate repliziert werden können.

Also wenn Sie mich fragen, ist das gehupft wie gesprungen: Mal ist die Studien-Dokumentation so schlecht, dass man anhand ihrer nicht nachvollziehen kann, wie die berichteten Ergebnisse zustande gekommen sind, und mal ist die Dokumentation dran schuld, dass Replikationsversuche grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sind. Kommt mir - aus Sicht der Reflex-Forscher betrachtet - vor, wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Denn ob so oder so, gut kommen sie mit keiner Version weg. Womit ich sagen will: Der Schaden wegen der falschen Übersetzung hält sich mMn in Grenzen. Paradoxerweise belegt die real existierende Replikation der Wiener Reflex-Studie durch Layer et al. auch noch beide Versionen des obigen Textfragments als zutreffend:

Deutsche Version: Layer et al. konnten die Findungen des Wiener Reflex-Originals bei ihrer Replikation nicht bestätigen, was gemäß deutschem OeAWI-Text in keinem Widerspruch zur mangelhaften Original-Dokumentation steht. Denn diese kann ja noch nicht einmal das Zustandekommen der ursprünglichen Ergebnisse schlüssig erklären.

Englische Version: Layer et al. wurden von Franz Adlkofer heftig angegriffen, sie hätten nur mangelhaft repliziert. Doch gemäß dem englischen OeAWI-Text ist dies Layer et al. mitnichten vorzuwerfen, denn die mangelhafte Reflex-Originaldokumentation hat dieses Ergebnis schließlich programmiert, jeder muss deshalb an dieser Replikation scheitern.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
OeAWI, Pest, Cholera

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