Adlkofer: Mobilfunk verursacht Hirntumoren (Forschung)

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.11.2013, 21:28 (vor 3289 Tagen)

Die Arbeitsgruppe von Professor Lennart Hardell an der Örebro-Universität in Schweden hat ihr mit privaten Mitteln (u.a. Stiftung Pandora und Anti-Mobilfunk-Verein Gigaherz) finanziertes Forschungsvorhaben inzwischen abgeschlossen und vor kurzem die Ergebnisse publiziert. Diese bestätigen aus Sicht der Stiftung Pandora den Verdacht, dass das Hirntumorrisiko aufgrund der Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen signifikant ansteigt. Damit, so Pandora weiter, sei "weitgehend gesichert, dass die Mobilfunkstrahlung Hirntumore verursacht". Die Stiftung drückt sich mit der zitierten Passage verschwommen aus: Mit Mobilfunkstrahlung meint sie natürlich keine Funkfelder von Sendemasten, sondern allein die Funkfelder von Handys und Schnurlostelefonen, da dies gerne verwechselt wird, kann man gar nicht häufig genug darauf hinweisen. Andere Forschergruppen (z.B. Little et al.) konnten die Beobachtungen Hardells bislang nicht bestätigen.

Zusammenfassung von Franz Adlkofer

Neuer Spendenaufruf (PDF) zugunsten von Lennart Hardell

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Adlkofer: Mobilfunk verursacht Hirntumoren - Einwände

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.12.2013, 13:47 (vor 3289 Tagen) @ H. Lamarr

Zusammenfassung von Franz Adlkofer

Dr. Adlkofer schreibt am Beginn seiner Zusammenfassung:

Mit diesem Forschungsvorhaben wurde eine frühere Arbeit fortgesetzt, in der Hinweise erhalten worden waren, dass das Hirntumorrisiko bei Langzeitnutzern von Mobil- und Schnurlostelefonen - letztere werden in Schweden seit 1988 verwendet - erhöht sein könnte. Die Strahlung von Schnurlostelefonen ist in Zusammensetzung und Wirkung mit der von Mobiltelefonen vergleichbar. Dies verdoppelt die Dauer der Strahlenexposition im Vergleich zu den bisher publizierten Studien auf mehr als 20 Jahre. Die Latenzzeit von Beginn bis Ausbruch eines Tumors beträgt bei Erwachsenen in der Regel zwei bis vier Jahrzehnte. Da die Zuverlässigkeit der Risikoabschätzung mit der Dauer der Strahlenbelastung zunimmt, ist die vorliegende Studie allen bisherigen an Aussagekraft überlegen.

Ich kann diese Überlegenheit der Hardell-Studie gegenüber anderen vergleichbaren Studien nicht nachvollziehen. Denn Schnurlostelefone wurden vor Beginn des GSM-Mobilfunks nicht nur in Schweden verwendet, sondern weltweit. Die "Strahlenbelastung" durch Schnurlostelefone ist in Schweden daher nicht anders gewesen als in anderen Ländern.

Adlkofers Behauptung, die Strahlung von Schnurlostelefonen sei in "Zusammensetzung und Wirkung" mit der von Mobiltelefonen vergleichbar, halte ich, insbesondere wegen der unterschiedlichen Sendeleistungen für unzutreffend. GSM-Handys haben maximal 2 W Ausgangsleistung (Mittelwert 250 mW), die entsprechenden Werte für DECT-Schnurlostelefone lauten 250 mW und 10 mW.

Hier ein paar Zahlen zu Funktelefonen, die sich mit Adlkofers Darstellung nicht gut vertragen:

Mobilfunk
- Der reguläre GSM-Betrieb begann in Schweden im September 1992 (Quelle).
- Vor GSM gab es weltweit bereits Mobilfunknetze mit zellularer Struktur, jedoch noch mit Analogtechnik realisiert. In Schweden wurde 1981 das System NMT450 eingeführt (450 MHz), 1986 folgte zusätzlich das System NMT900 (900 MHz - Quelle). Beide NMT-Systeme wurden von GSM überrollt, das letzte NMT-Netz in Schweden wurde 2007 abgeschaltet.
- Zur Sendeleistung von NMT-Mobiltelefonen heißt es hier: There are three power levels (high, medium, and low) for NMT mobile phones and two power levels (high and low) for portables. NMT 450 mobile telephone power levels are: High 15W, Medium 1.5W, and Low 0.15W. NMT 450 portable telephones; High 1.0W, Low 0.1W. NMT 900 mobile telephones: High 6.0W, Medium 1.0W, Low 0.1W and NMT 900 portable telephones: High 1.0W, Low 0.1W. An anderer Stelle werden die "High"-Sendeleistungen (15 W bzw. 6 W) nicht auf Handgeräte bezogen, sondern auf Autotelefone.
- Ob NMT-Mobiltelefone eine Sendeleistungsregelung hatten konnte ich nicht herausfinden, vermutlich hatten sie eine, nicht wegen Gesundheitsvorsorge, sondern wegen längerer Akku-Laufzeit.

Schnurlostelefone
- DECT kam 1993 auf den Markt (Quelle).
- Vorgänger von DECT waren analoge Schnurlostelefone nach dem CT-Standard (Cordless Telephone): CT1 gab es frühestens 1984, CT2 ab 1985 (Quelle).
- Die CT-Anlagen hatten 10 mW Sendeleistung (ungepulst), DECT hat ebenfalls 10 mW Sendeleistung (Mittelwert), infolge Zeitmultiplex kommt es zu Spitzenwerten von 250 mW.
- Angaben zu einer Sendeleistungsregelung bei CT-Handteilen konnte ich nicht finden, bei DECT-Handteilen soll Siemens laut Teilnehmer "Kuddel" schon früh (Ende der 90-er Jahre) eine grobe zweistufige Regelung in seinen Gigaset-Modellen genutzt haben. Moderne DECT-Handteile sollen alle eine solche grobe Regelung bieten, konkrete Angaben der Hersteller/Anbieter gibt es dazu jedoch (so gut wie) nicht.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Exposition, Sendeleistung, NMT, NMT450, NMT 450, NMT900, NMT 900, Autotelefon

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