Elektrosensibler Jakob Fischer trifft Geheimrat Oldenbourg (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 13.10.2013, 21:03 (vor 2291 Tagen)

Seit längerem schon beklagt unsere Münchener "Elektrosensible" Eva W., ein Apfelbaum der Sorte Jakob Fischer hätte in ihrem Garten ausgerechnet dann zu darben angefangen, nachdem in rund 110 Meter Entfernung ein UMTS-Sendemast errichtet wurde. Auffällige Symptome des elektrosensiblen Apfelbaums seien Schäden am Stamm, typisch wäre aufgeplatzte Rinde. Hinweise, derartige Symptome könnten viele andere und viel wahrscheinlichere Ursachen haben, ignoriert Frau W., sie glaubt fest daran, der UMTS-Sendemast füsiliere langsam aber sicher ihren Jakob Fischer.

Eine mögliche natürliche Ursache für die von W. beobachteten Schäden sind Spannungsrisse. Die entstehen an Obstbäumen, wenn im Winter die Sonne einen gefrorenen Stamm stellenweise erwärmt. Obstbauern haben deshalb früher die Stämme ihrer Bäume im Winter weiß gekalkt (Sonnenschutz).

Ein früherer Nachbar erzählte mir kürzlich, auch sein Apfelbaum der Sorte Geheimrat Dr. Oldenbourg hätte erhebliche Schäden am Stamm. Jeder der den Baum sähe würde sich wundern, dass er noch immer bis zu 30 Steigen Äpfel hergäbe. Natürlich ist mir sofort Jakob Fischer eingefallen und ich habe meinen Ex-Nachbarn gebeten, mir Fotos von seinem geschundenen Baum zu schicken. Und ja, Geheimrat Dr. Oldenbourg leidet so ziemlich an allem, was angeblich auch Jakob Fischer zusetzt: Rindenverlust, Stammrisse, Moosbefall, Flechten:

Geheimrat Dr. Oldenbourg, der Knorrige, in der Totalen
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Des Geheimrats geschundener Stamm
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Nahaufnahme der schlimmsten Verletzung
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Ich gehe davon aus, dass sich die Schadensbilder beider Apfelbäume stark ähneln. Und wahrscheinlich gibt es noch eine Gemeinsamkeit: Der Geheimrat ist ungefähr 30 Jahre alt, den Berichten von Frau W. zufolge ist auch Jakob Fischer kein Jüngling mehr, sondern wahrscheinlich sogar noch älter.

Womit Schluss ist mit den Gemeinsamkeiten. Denn der Geheimrat hat in seinem Leben noch keinen Funkmasten gesehen. Er wächst in Ampermoching, einem Weiler vor den Toren Münchens. Der Screenshot der EMF-Datenbank zeigt eindrucksvoll: weit und breit ist um den Baum herum (blauer Punkt) kein einziger Funkmast zu sehen. Der nächste ist rund 2,5 km vom Baum entfernt! Dazu muss der Kartenausschnitt weit verschoben werden (der grüne Punkt ist übrigens ein Messpunkt, der eine Grenzwertausschöpfung im Promillebereich nennt).

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Bild: EMF-Datenbank der BNetzA

Das Beispiel will zeigen: Ein Apfelbaum mit den von Eva W. geschilderten Symptomen lässt sich auch weitab von einem UMTS-Sendemast finden. Die Behauptung W., ihr Baum leide unter den Funkwellen des nahen Sendemasten, betrachte ich damit als widerlegt. Mein Ex-Nachbar konnte über den Verdacht der ehemaligen Flughafenangestellten nur grinsen und meinte, auch Bäume lebten nicht endlos, sie würden wie wir Altersbeschwerden bekommen und eines Tages müsste man eben die Axt ansetzen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baum, Baumschäden, Alarmist, Nachbarn

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