Elektrosmog-Szene: Sickerweg einer Falschmeldung (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 08.08.2013, 11:54 (vor 2316 Tagen)

Das unangenehme an Stuss ist: Er sickert gerne in kleinste Ritzen und kommt dann irgendwo wieder zum Vorschein, wobei der Zusammenhang zwischen Eintritts- und Austrittsstelle nicht erkennbar ist. Aus 1-mal Stuss wird so leicht x-mal Stuss.

Ein Beispiel.

Ein Autorentrio der Anti-Mobilfunk-Vereine Diagnose-Funk und Gigaherz behauptet in einem Beitrag, der es locker in die Top 10 einer Fremdschämhitliste schaffen könnte, es gäbe in der Schweiz 400'000 Elektrosensible. Nachzulesen ist dieser Stuss auf dieser Seite *). Dabei muss man beachten, auch das Datum auf dieser Seite ist falsch, der Beitrag entstand nicht 1970, sondern im Januar 2006.

400'000 elektrosensible Schweizer. Wer hätte das gedacht.

Dabei müsste Gigaherz-Präsident Hans-U. Jakob es doch viel besser wissen. Denn im Vorstand seines Vereins sitzt Elisabeth B., bekennende Elektrosensible und Betreiberin der einzigen schweizerischen EHS-Selbsthilfegruppe in Thun. Eigenen Angaben zufolge treffen sich in dieser Selbsthilfegruppe regelmäßig bis zu 30 Menschen.

Bis zu 30 Elektrosensible in der einzigen schweizerischen EHS-Selbsthilfegruppe. Wer hätte das gedacht.

Jakob musste bereits 2006 gewusst haben, dass die Behauptung von den 400'000 Elektrosensiblen in der Schweiz eine glatte Lüge ist. Dass die Anzahl tatsächlich um ein Vielfaches kleiner ist, erfuhr 2011 die Bestätigung durch das Umweltmedizinische Beratungsnetz der Schweiz (UMBN), das in 30 Monaten trotz starker Werbung nur 155 Elektrosensible auffing, und wegen der geringen Resonanz seine Telefonberatung inzwischen nahezu eingestellt hat. Nur ein Bruchteil der 155 EHS, die sich beim Sorgentelefon des UMBN meldeten, konnten sich auch zum Besuch bei einem Arzt aufraffen.

Halten wir also fest: Wer behauptet, in der Schweiz gäbe es 400'000 Elektrosensible, der ist entweder ein dreister Lügner oder denkbar schlecht informiert.

Szenenwechsel.

Die schweizerische Politikerin und Medizinerin Ivonne Gilli behauptete 2007:

"In der Schweiz leidet bereits jeder 20. unter Beschwerden, die durch Elektrosmog ausgelöst werden. Daher fordere ich einerseits Konzepte zur Standortregulierung und -optimierung von Antennen und andererseits die Reduzierung der bisher geltenden Grenzwerte. Anzustreben ist der Salzburger Richtwert von 0.06 V/m."

Rechnen wir mal um: Jeder 20. Schweizer sind 5 % von etwa 8 Mio. Nach Frau Gilli müssten also "bereits" mindestens 400'000 Schweizer unter Elektrosmog leiden!

Bingo!

*) Nachtrag vom 07.11.2016: Der Link ist tot. Ersatzlink

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Verbraucherorganisation, Salzburg, Fachkompetenz

Schweiz: Deutlich weniger Einsprachen gegen Sendemasten

Peter Brill, Schweiz, Donnerstag, 08.08.2013, 18:04 (vor 2315 Tagen) @ H. Lamarr

[Admin: 8. August, 20:53 Uhr, Titel des Postings an Inhalt angepasst]

Dank Netzausbau gibt es auch weniger "sensible" und demzufolge weniger Einsprachen.
Die Leute gewöhnen sich immer mehr und glauben nicht mehr alles was geschrieben wird.

http://www.ostschweiz-am-sonntag.ch/ostschweiz/stgallen/stadtstgallen/tb-st/Kaum-Einsprachen-gegen-Antennen;art186,3490561

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