Das Bienensterben und die Mobilfunkgegner (Allgemein)

Lilith, Montag, 27.05.2013, 08:19 (vor 3475 Tagen)

"Im April und Mai 2008 starben in der Region Oberrhein in Baden-Württemberg zehntausende Bienenvölker. Verantwortlich dafür war das Insektizid Clothianidin der Firma Bayer CropScience", und "Giftige Neonicotinoide, die neuerdings als Pflanzenschutzmittel in Saatgut-Beizen eingesetzt werden, wirken wie ein Nervengift auf Bienen und andere Insekten", so vermeldet die Homepage des BUND (Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland) berechtigte Besorgnisse zum Bienensterben.

Auch die aktuelle Mitgliederzeitung des BUND gibt dem Thema "Bienensterben" breiten Raum.

Dass der Einsatz von Pestiziden und die beobachteten Effekte auf Bienenvölker zueinander korrelieren, ist naheliegend. Die Bemühungen des BUND, das Thema des Einsatzes von Pestiziden auf die öffentliche Agenda zu bringen, sind also nachvollziehbar. Es wird darum gehen müssen, gegenüber den Herstellern von Insektiziden und Pestiziden möglichst bald Vorschriften durchzusetzen, die das Risiko für die Populationen der Bienen wie auch anderer Insekten herabsetzen.

Entscheidend für den Erfolg derartiger Bemühungen wird sein, dass die wahrscheinlichen Ursachen wissenschaftlich fundiert erkannt sind. Politik, Landwirtschaft und Verbraucherverbände können dann eindeutige Positionen formulieren.

Die Szene der organisierten Mobilfunkgegner versucht jedoch seit einiger Zeit, aus dem Thema ebenfalls ihren Nektar zu saugen. Ohne wissenschaftlich fundierte Basis, dafür aber unter Berufung auf allerlei Halbwissenschaftliches, setzt man auf das Thema Bienensterben in der gewohnt alarmistischen Weise auf.

Es ist eine aus dieser Szene bekannte Vorgehensweise. Man nutzt ein an sich ernstes gesellschaftliches Thema, um darüber das eigene Anliegen zu transportieren.

Pestizidhersteller werden sich also über die unerwartete, populistische Schützenhilfe der Mobilfunkgegnerszene ins Fäustchen lachen. Deren Wirkung ist die einer Ablenkungs- und Verwirrungsstrategie. Denn wenn es gelänge, in die publikumswirksamen Blätter und Magazine das Thema "Mobilfunk" als Ursache des Bienensterbens hineinzublödeln, dann würde sich der Druck auf die Pestizidindustrie relativieren lassen. Diese würde wertvolle Zeit gewinnen. Denn bis endlich bewiesen wäre, dass es der Mobilfunk ist, der die Bienen tötet, würde der St.-Nimmerleinstag angebrochen sein. Das Risiko, irgendwann auf Lagern und Produktionsanlagen zur Herstellung schädlicher Umweltgifte sitzenzubleiben, würde also sinken.

Es sind noch keine nachweisbaren Anzeichen zu erkennen, dass sich die Pestizidindustrie, ähnlich wie lange Jahre hindurch die Tabakindustrie, aktiv um derartige Mithilfe irrelaufender selbsternannter Mobilfunkwächter bemüht.

Es fällt aber auf, dass es wieder einmal die Szene der Mobilfunkgegner ist, aus der heraus unwissenschaftliche Thesen zu angeblichen Ursachen eines tatsächlich bedenklichen Umweltphänomens kommen, die geeignet sind, die beginnende öffentliche Diskussion in einen Zustand der Verwirrung zu überführen.

Wir haben Ähnliches bei den Einflussnahmen der Tabakindustrie erlebt. Diese versuchte bekanntlich über Jahre hinweg, von ihrer Verantwortung für den Krebstod weltweit vieler Menschen durch eine von ihr finanzierte Auftrags"forschung" abzulenken. Auf der Suche nach ablenkenden Themen fand sie den Mobilfunk - und die gesamte deutsch-schweizer-österreicher Mobilfunkgegnerszene ist ihr für die geleistete Unterstützung in Ideologie und Marketing bis heute unendlich dankbar. Die gegenseitige Bestäubung hat aus Sicht der Tabakindustrie wie auch aus Sicht der um ihre Bedeutung bemühten Mobilfunkgegnerführer hervorragende Ergebnisse gezeitigt.

Man wird es also in den kommenden Jahren mit kritischem Interesse beobachten müssen:

Wird der BUND den Pseudo-Themen seiner kleinen Mobilfunkgegner-Abteilung weiterhin mehr und mehr die Tür öffnen? Wenn ja, dann wird er damit seine eigentlichen, wichtigen, nötigen und ernstzunehmenden Kernthemen schwächen.

Denn Mobilfunkgegner suchen ebenso krampfhaft wie fanatisch nach allen Möglichkeiten, einzig und alleine ihre wahnhaft anmutenden Thesen von der allgemeinen Verstrahlung in die Öffentlichkeit zu transportieren. Und nicht zu vergessen: ihre Geschäftsinteressen. Wirklich ernstzunehmende Probleme, wie derzeit das Bienensterben, aber auch volksgesundheitliche und gesellschaftliche Angelegenheiten wie Depression, Demenz, Vereinsamung usw., sie dienen den extrem gestrickten Vordenkern dieser Szene letztlich nur als Botenstoffe und Vehikel.

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Meine Beiträge sind als Meinungsäußerungen aufzufassen. Die Meinungsäußerungsfreiheit ist ein in allen zivilisierten Ländern gesetzlich geschütztes Grundrecht.

"Wer die Dummbatzen gegen sich hat, verdient Vertrauen." (frei nach J.-P. Sartre)

Tags:
BUND, Verwässern, Bienensterben, Baden-Württemberg, Neonicotinoide

Dr. Daniel Favre und die Mobilfunkgegner

H. Lamarr @, München, Montag, 27.05.2013, 13:31 (vor 3475 Tagen) @ Lilith

Es fällt aber auf, dass es wieder einmal die Szene der Mobilfunkgegner ist, aus der heraus unwissenschaftliche Thesen zu angeblichen Ursachen eines tatsächlich bedenklichen Umweltphänomens kommen, die geeignet sind, die beginnende öffentliche Diskussion in einen Zustand der Verwirrung zu überführen.

Schöner Grundsatzbeitrag!

Nur, von "beginnender" öffentlichen Diskussion würde ich nicht reden, diese Diskussion ist schon seit etlichen Jahren im Gang. Hier im Forum startete die Vernebelung schon im Juni 2004 mit diesem Posting.

Das Funktionsprinzip der von Ihnen beschriebenen Vernebelung haben die Erfinder der Vernebelungsstrategie mit wenigen Worten umrissen: Zweifel säen ist unser Ziel/Geschäft.

Aktueller Bezug: Ein gewisser Dr. Daniel Favre wird jetzt in der Schweiz als "Mobilfunk-macht-Bienen-kirre"-Experte herumgereicht. Schließlich hat der Mann für den GHz-Kongress im April 2013 eigens einen Vortrag zusammengestellt, den er jetzt nur noch repetieren muss. Wir werden daher wahrscheinlich noch öfter von Dr. Favre hören. Neueste Station für ihn: Kreuzlingen (PDF, 1 Seite). Das ist deutschsprachige Schweiz.

Nun ist dieser Dr. Favre, wie alle Mobilfunkgegner die ich kenne, leider immer dann sehr scheu, wenn man ihm auf den Zahn fühlen wollte. So geschehen im Mai 2011. Später habe ich dann unter einer anderen E-Mail-Adresse noch einmal angefragt. In beiden Fällen bekam ich keine Antwort.

Ziel der Anfrage war es unter anderem, ein paar Merkwürdigkeiten des Favre-Experiments mit ihm gemeinsam zu klären. Denn bei unserem "Replikationsversuch" seiner Studie erschlug ein einziges Problem alles andere: Die Einstrahlung des Handys in das Tonaufzeichnungsgerät machte die Tonaufzeichnung praktisch zunichte. Trotzdem konnten wir noch feststellen, dass die Bienen bei unserer Replikation mit Maximalleistung weder Verhaltensauffällig waren, noch dass das von Favre behauptete Worker-Piping auftrat.

Dieses Problem mit der Einstrahlung musste auch Favre gehabt haben, bei ihm waren Handy und Recorder sogar noch näher beisammen als bei uns. Doch Favre erwähnt dazu kein Wort. Eine denkbare Erklärung: Favre hatte keinen Funkmessplatz, um die Sendeleistung des Handys zu steuern, er buchte einfach ins öffentliche Netz ein. Dies könnte bei einem nahen Sendemasten dazu geführt haben, dass sein Handy im Bienenstock mit nur schwacher Leistung sendete. Dann aber ist der angeblich beobachte Effekt wiederum noch unglaubwürdiger.

Wie gesagt, ein Dialog mit Herrn Favre kam nicht zustande, auch nicht durch Vermittlung meines damaligen schweizerischen Diskussionsgegners "Capricorn". So bleibt dieses Rätsel bis auf weiteres ungelöst, es sei denn, ein Skeptiker fragt auf der Veranstaltung in Kreuzlingen hartnäckig nach.

[Nachtrag vom 10. April 2018: Daniel Favre hat seinen Bienenversuch mit neuer technischer Ausstattung wiederholt]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Bienen, Dialogscheu, Favre, Kreuzlingen

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