Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 30.10.2012, 13:10 (vor 3682 Tagen)

"Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen", schreibt der Diagnose-Funk-nahe Teilnehmer "Mob.Kritiker" im hese-Forum und bewirbt damit einen neuen "Brennpunkt" des Anti-Mobilfunk-Vereins.

Wie kann der Mann so etwas nur sagen?

Ein Gericht kann niemals den von ihm gewünschten Beweis erbringen, das ist nicht seine Aufgabe und mangels Kompetenz kann es das auch nicht! Trotzdem formuliert "Mob.Kritiker" diesen irreführenden Titel. Ich sehe darin die feste Absicht, zu manipulieren. Es ist doch geradezu absurd, aus einem einzigen Urteil eine solche Botschaft abzuleiten, es sei denn, man möchte manipulieren. Für "Mob.Kritiker" scheint so etwas wie ein Fehlurteil nicht zu existieren. Jedenfalls dann nicht, wenn er sich in seinen Ansichten bestätigt sieht. Hätte das Gericht anders entschieden, wäre er wahrscheinlich sofort auf meiner Seite.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Recht, Hirntumor, Kompetenz, Italien, Brennpunkt

Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen

Christopher, Dienstag, 30.10.2012, 21:41 (vor 3681 Tagen) @ H. Lamarr

"Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen", schreibt der Diagnose-Funk-nahe Teilnehmer "Mob.Kritiker" im hese-Forum und bewirbt damit einen neuen "Brennpunkt" des Anti-Mobilfunk-Vereins.

Wie kann der Mann so etwas nur sagen?

Das frage ich mich allerdings auch. Diese Aussage ist einfach nur grob irreführend. Korrekt ist, daß ein Zusammenhang aktuell nur für den Staat Italien als bewiesen gilt, da woanders die Entscheidungen des italienischen Kassationsgerichtshofs keine Geltung haben. Und wer weiß, vielleicht gibt es bald eine Entscheidung vom Europäischen Gerichtshof oder wem auch immer, der diesen Beweis wieder über den Haufen wirft.
Und schon jetzt gilt: Macht man nur einen kleinen Schritt über die Grenze z.B. nach Österreich, ist die Rechtslage eine ganz andere und Mobilfunk erwiesenermaßen ungefährlich (wenn auch meines Wissens nur laut den unteren Instanzen der Rechtsprechung).
Abgesehen davon: Glaubt irgendjemand, daß der Kläger tatsächlich 6 Stunden am Tag telefoniert hat??? Wurden Beweise vorgebracht (Rechnungen?), oder hat man einfach irgendwelche Behauptungen geglaubt. Über ein Drittel seiner wachen Zeit - und zwar nicht nur hin und wieder, sondern praktisch täglich - am Telefon zu verbringen, erscheint mir schon grotesk viel.

Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen

Kuddel, Dienstag, 30.10.2012, 22:39 (vor 3681 Tagen) @ Christopher

Abgesehen davon: Glaubt irgendjemand, daß der Kläger tatsächlich 6 Stunden am Tag telefoniert hat??? Wurden Beweise vorgebracht (Rechnungen?), oder hat man einfach irgendwelche Behauptungen geglaubt. Über ein Drittel seiner wachen Zeit - und zwar nicht nur hin und wieder, sondern praktisch täglich - am Telefon zu verbringen, erscheint mir schon grotesk viel.

Ebenfalls ist die Begründung bemerkenswert, warum er das Mobiltelefon ausschließlich mit der linken Hand gehalten hat (Tumor war linksseitig):

Hier im Gerichtsurteil (PDF) nachzulesen.

...da er Rechtshänder sei, habe er das jeweilige Gerät immer an sein linkes Ohr gehalten, um mit der rechten Hand das auf dem Schreibtisch stehende Festnetz-Telefon abheben oder Notizen aufschreiben zu können ..

K

Tags:
Gerichtsurteil

Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen

Doris @, Dienstag, 30.10.2012, 22:51 (vor 3681 Tagen) @ Kuddel

Ebenfalls ist die Begründung bemerkenswert, warum er das Mobiltelefon ausschließlich mit der linken Hand gehalten hat (Tumor war linksseitig):

Hier im Gerichtsurteil (PDF) nachzulesen.

...da er Rechtshänder sei, habe er das jeweilige Gerät immer an sein linkes Ohr gehalten, um mit der rechten Hand das auf dem Schreibtisch stehende Festnetz-Telefon abheben oder Notizen aufschreiben zu können ..

Was ist daran bemerkenswert? Ich telefoniere aus diesem Grund heute noch ausschließlich links, egal welches Telefon ich mir ans Ohr halte, und meine Bürozeit liegt schon etliche Jahre zurück. Deswegen würde ich mein "Telefonohr" zweifelsfrei benennen können :-)

Schauen Sie hier

Der gute Ton am Telefon: So telefonieren Sie höflich

Wo steht auf Ihrem Schreibtisch das Telefon? Mein Tipp für Rechtshänder: platzieren Sie das Telefon links von Ihnen! Warum? Sie nehmen mit der linken Hand den Hörer ab und haben dadurch die rechte Hand frei, damit Sie sich jederzeit wichtige Notizen machen können.

Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen

Kuddel, Dienstag, 30.10.2012, 23:24 (vor 3681 Tagen) @ Doris

Was ist daran bemerkenswert? Ich telefoniere aus diesem Grund heute noch ausschließlich links, egal welches Telefon ich mir ans Ohr halte, und meine Bürozeit liegt schon etliche Jahre zurück. Deswegen würde ich mein "Telefonohr" zweifelsfrei benennen können :-)

Ich welchsle bei längeren Telefonaten automatisch zwischen links und rechts, auch mit Festnetztelefon, weil mir das Ohr nach einer Weile zu warm wird oder weh tut.

Bemerkenswert finde ich, daß er ein Festnetztelefon am Schreibtisch hatte und trotzdem 6 Stunden am Tag mit dem Mobiltelefon telefonierte, was Ende der 90er im Vergleich zum Festnetz
- von den Gesprächsgebühren her wirklich unverschämt teurer war. Üblich war es, sich "mobil" sehr kurz zu fassen oder bei längeren Gesprächen den Gesprächspartner aufs Festnetz umzuleiten.
- Mobiltelefone wesentlich schlechtere Gesprächsqualität haben und schlechtere Ergonomie
- in der Regel kaum länger als 2..3 Stunden mit einem Akku funktionierte.

Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen

Doris @, Mittwoch, 31.10.2012, 00:04 (vor 3681 Tagen) @ Kuddel

Bemerkenswert finde ich, daß er ein Festnetztelefon am Schreibtisch hatte und trotzdem 6 Stunden am Tag mit dem Mobiltelefon telefonierte, was Ende der 90er im Vergleich zum Festnetz
- von den Gesprächsgebühren her wirklich unverschämt teurer war.

Laut diesem Bericht
handelte es sich bei den Telefonaten um Geschäftsabwicklungen mit China und den arabischen Ländern.

Il tumore al trigemino di Marcolini per i giudici è una malattia professionale, il neurinoma si è sviluppato come conseguenza del lavoro, almeno sei ore al giorno per una dozzina d`anni al telefonino a concludere affari con la Cina e i Paesi arabi

Das war wohl auch mit dem Festnetz zum damaligen Zeitpunkt sehr teuer.
Außerdem hat er laut Begründung zum Gerichtsurteil sowohl mit einem Schnurlostelefon als auch mit einem Mobiltelefon seine Gespräche geführt.

- Mobiltelefone wesentlich schlechtere Gesprächsqualität haben und schlechtere Ergonomie
- in der Regel kaum länger als 2..3 Stunden mit einem Akku funktionierte.

Das sind überzeugende Argumente. Vielleicht griff er dann zum Schnurlostelefon ;-)

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Marcolini

Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen

Kuddel, Mittwoch, 31.10.2012, 00:18 (vor 3681 Tagen) @ Doris
bearbeitet von Kuddel, Mittwoch, 31.10.2012, 01:13

handelte es sich bei den Telefonaten um Geschäftsabwicklungen mit China und den arabischen Ländern.

Uiuiui, also dritte Welt....
Das ist selbst heute für Firmen mobil kaum bezahlbar (Roamingkosten von mehreren Euro pro Minute) und das Ende der 90er 6 Stunden am Tag ?
Da ist es ja billiger, direkt hinzufliegen (und vom Zeitaufwand vermutlich auch effektiver).

Für Schnurlostelefone ist m.M.n die Studienlage von Mobiltelefonen kaum anwendbar (SAR typisch kleiner 50mW/kg)...und wenn Vieltelefonieren mit Schnurlostlefonen das Problem wäre, mit denen ja durchaus auch "normale" Personen längere Telefonate führen, müßte sich das doch mittlerweile in der Krebsstatistik wiederfinden.

Ok, ich sehe es ein, ich habe mittlerweile die Grenze der Spekulation weit überschritten.
Es sprengt einfach meine Vorstellungskraft, daß man überhaupt am Tag 6 Stunden mit einem Mobiltelefon am Ohr telefonieren kann.
In einem Callcenter mit Festnetztelefonen könnte ich mir das vorstellen, aber die setzen auch seit je her Sprechgarnituren ein, auch um die Hände frei zu haben.

MMF sagt: Kassationsgericht in Rom bewertete formale Aspekte

H. Lamarr @, München, Dienstag, 06.11.2012, 00:26 (vor 3675 Tagen) @ H. Lamarr

"Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen", schreibt der Diagnose-Funk-nahe Teilnehmer "Mob.Kritiker" im hese-Forum und bewirbt damit einen neuen "Brennpunkt" des Anti-Mobilfunk-Vereins.

Wie kann der Mann so etwas nur sagen?

In einem aktuellen "Viewpoint" vom Oktober 2012 vertritt der Verband der Mobilfunk-Hardwarehersteller (MMF) den Standpunkt:

Contrary to recent media reports, the Italian Supreme Court has not ruled that mobile phones cause cancer.

[Im Gegensatz zu jüngsten Medienberichten hat das oberste italienische Berufungsgericht nicht entschieden, Handys würden Hirntumoren verursachen]

Weiter heißt es:

The Supreme Court denied the appeal, not because a direct link between cell phone use and the tumours had been well established, but because it determined that the 2009 tribunal correctly followed the necessary procedures required under Italian law.

[Das Gericht hat die Berufung (von Inail) abgewiesen, nicht weil ein Zusammenhang von Handystrahlung und Hirntumoren bewiesen sei, sondern weil der Vorinstanz 2009 keine Formfehler unterlaufen sind, und die Verhandlung formal den rechtlichen Anforderungen genügte]

Den ausführlichen 2-seitigen Standpunkt des MMF gibt es <hier> (PDF, momentan nur in englisch).

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Tags:
Inail, Brennpunkt

MMF sagt: Kassationsgericht in Rom bewertete formale Aspekte

Lilith, Dienstag, 06.11.2012, 08:07 (vor 3675 Tagen) @ H. Lamarr

[Im Gegensatz zu jüngsten Medienberichten hat das oberste italienische Berufungsgericht nicht entschieden, Handys würden Hirntumoren verursachen]

Kann es auch sachlich besehen gar nicht. Jedoch erscheint in Italien derzeit vieles möglich, das anderswo als Blödheit eingestuft ist. Erdbebenforscher werden dort neuerdings so behandelt, als hätten sie behauptet, sie seien unfehlbare Propheten.

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