Angriff auf Kohortenstudie Dänemark (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 25.07.2012, 01:22 (vor 3848 Tagen)

Franz Adlkofer hat in die Tasten gehauen. Was dabei herausgekommen ist trägt den Titel "Die Dänische Kohortenstudie  als Beispiel für den Missbrauch der Wissenschaft  im Interesse der Mobilfunkindustrie" und ist auf der Website der Stiftung Pandora als PDF abzurufen.

Aus meiner Sicht ein irritierendes Werk, in dem ausgerechnet einer der ehemals einflussreichsten Tabaklobbyisten Deutschlands den Teufel einer institutionellen Verschwörung an die Wand malt: "Institutionelle Korruption, das Krebsgeschwür der Gesellschaft, macht es möglich", geißelt Adlkofer.

Wenn jetzt sogar schon ein sogenannter "mobilfunkkritischer" Wissenschaftler öffentlich an Verschwörungstheorien häkelt, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn Heinz und Erna dem Vorbild mit Feuer und Flamme nacheifern.

Irritierend auch, dass das Kritikertrio Fredrik Söderqvist, Michael Carlberg und Lennart Hardell jetzt schon zum zweiten male zusammen gefunden hat. Erst Anfang 2012 hatten sie ihr Debüt mit einer Kritik an der Cefalo-Studie. Hier scheint sich ein Kritikerblock zu bilden, der wichtige entwarnende Mobilfunkstudien angreift. Ob dies zu Recht oder Unrecht geschieht, dies zu beurteilen überlasse ich lieber der Wissenschaft.

Die Verbindungslinie zwischen Franz Adlkofer und Lennart Hardell ist offensichtlich. Und auch der ehrenwerte Dariusz Leszczynski, er wird in dem Adlkofer-Papier als Belastungszeuge genannt, ist dem Tabaklobbyisten i. R. nicht fremd: Adlkofer beauftragte Leszczynski vor rd. 12 Jahren im Rahmen des "Reflex"-Projekts mit einer Teilstudie.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Tabak, Hardell, Leszczynski, Transparenz, Pandora, Cefalo-Studie, Kohortenstudie

Angriff? Eher ein Schuss ins eigene Knie!

RDW ⌂ @, Mittwoch, 25.07.2012, 18:52 (vor 3847 Tagen) @ H. Lamarr

Franz Adlkofer hat in die Tasten gehauen. Was dabei herausgekommen ist trägt den Titel "Die Dänische Kohortenstudie  als Beispiel für den Missbrauch der Wissenschaft  im Interesse der Mobilfunkindustrie" und ist auf der Website der Stiftung Pandora als PDF abzurufen

Wer die letzten Werke von Prof. Adlkofer kennt, wird sich auch über dieses nicht wundern. Arglose Mobilfunkkritiker werden ihm dafür zujubeln, Fachkundige denken sich einmal mehr ihren Teil.....

Denn es ist ein Irrtum zu glauben, daß die von ihm aufgegriffenen Kritiken an der dänischen Studie die Einzigen sind oder gar etwas Neues gefunden worden wäre. Das alleine wäre noch egal, wenn er andere Kritiken nicht erwähnt, doch auf eine davon erfolgte eine Antwort von den Studienautoren mit Erklärungen zu einigen Kritikpunkten:
http://wik-emf.org/fileadmin/EMF-Brief/Frei_Poulsen_Response_to_criticism_24Oct2011.pdf
Kennt Adlkofer diese Kritik und die Antworten darauf nicht oder will er sie nicht kennen? Warum nicht, wo ein paar der darin behandelten Fragen doch auch zu den von ihm vorgebrachten passen? Sollen seine Leser wieder einmal nur selektiv informiert - sprich dumm gehalten werden?
Objektiv-faires wissenschaftliches Verhalten sieht m. M. n. ganz anders aus.

Als Zweites möchte ich aus seinem Text etwas vorstellen, das ich als Zitatfälschung ansehe, denn er schreibt:
"Dariusz Leszczynski, Professor bei der Radiation and Nuclear Safety Authority in Finnland, hat die Herausgeber des British Medical Journal öffentlich aufgefordert [7], die Publikation von Frei et al. aus ihrer Fachzeitschrift zurückzunehmen, weil die darin mitgeteilten Ergebnisse der Dänischen Kohortenstudie wissenschaftlichen Standards nicht annähernd genügten und von Politik und Mobilfunkindustrie trotzdem dazu benutzt würden, jegliches Risiko der Mobilfunkstrahlung zu verneinen."

Tatsächlich steht in der Referenz [8] (nicht [7]) diesbezüglich jedoch etwas anderes und lediglich:
"Recently the Danish Cohort epidemiological study, (British Medical Journal p.2011), is receiving attention in the news media, from decision makers and from the cell phone industry. The conclusion of the study is that there is no causal link between brain cancer and cell phone radiation."
Daraus Leszczynski in den Mund zu legen, daß auch laut ihm die Studienergebnisse von der Politik und Industrie zur Verneinung jeglichen Risikos verwendet würden, ehrt Adlkofer zwar als den typischen phantasiereichen Mobilfunkkritiker, doch ob es auch seiner Glaubwürdigkeit dient? Eigentlich sollte man doch schon bei den Fakten bleiben, wenn man schon etwas zitiert oder beschreibend wiedergibt.

Wie z. B. das IZMF als Vertretung der deutschen Mobilfunknetzbetreiber tatsächlich mit dieser Studie umgeht, ist hier nachzulesen:
http://www.izmf.de/de/content/langzeitstudie-kein-nachweis-f%C3%BCr-erh%C3%B6htes-krebsrisiko-durch-mobilfunk
Absolut nichts von "...dazu benutzt würden, jegliches Risiko der Mobilfunkstrahlung zu verneinen", oder was lesen Sie heraus, Herr Professor Adlkofer?

RDW

Tags:
Leszczynski, Adlkofer

Mobilfunkdebatte: Biegen bis es passt

H. Lamarr @, München, Freitag, 27.07.2012, 15:52 (vor 3845 Tagen) @ RDW

Als Zweites möchte ich aus seinem Text etwas vorstellen, das ich als Zitatfälschung ansehe, denn er schreibt:
"Dariusz Leszczynski, Professor bei der Radiation and Nuclear Safety Authority in Finnland, hat die Herausgeber des British Medical Journal öffentlich aufgefordert [7], die Publikation von Frei et al. aus ihrer Fachzeitschrift zurückzunehmen, weil die darin mitgeteilten Ergebnisse der Dänischen Kohortenstudie wissenschaftlichen Standards nicht annähernd genügten und von Politik und Mobilfunkindustrie trotzdem dazu benutzt würden, jegliches Risiko der Mobilfunkstrahlung zu verneinen."

Tatsächlich steht in der Referenz [8] (nicht [7]) diesbezüglich jedoch etwas anderes und lediglich:
"Recently the Danish Cohort epidemiological study, (British Medical Journal p.2011), is receiving attention in the news media, from decision makers and from the cell phone industry. The conclusion of the study is that there is no causal link between brain cancer and cell phone radiation."
Daraus Leszczynski in den Mund zu legen, daß auch laut ihm die Studienergebnisse von der Politik und Industrie zur Verneinung jeglichen Risikos verwendet würden, ehrt Adlkofer zwar als den typischen phantasiereichen Mobilfunkkritiker, doch ob es auch seiner Glaubwürdigkeit dient? Eigentlich sollte man doch schon bei den Fakten bleiben, wenn man schon etwas zitiert oder beschreibend wiedergibt.

Was die Kohortenstudie in Dänemark angeht wird Leszczynski durchaus deutlich, wenn er am 16. Dezember 2011 in seinem Blog schreibt:

"The editors of the British Medical Journal need explain how the Danish Cohort passed the peer-review.

The Editors of the British Medical Journal should immediately withdraw Danish Cohort study.

The conclusions of this flawed-design study are not supportable by the obtained flawed data and the studies conclusions are misleading. They are leading the public to believe that the cell phones are safe, when no such claim can be made based on the Danish Cohort study.

In fact, no reliable scientific conclusion can be drawn from the flawed Danish Cohort study. Which lends us to ask if epidemiologists are misleading us by leading us to believe in something that is not supportable by their study?"

Also, das deckt sich noch mit dem was Adlkofer behauptet. Anders sieht es tatsächlich mit dem zweiten Teil seiner Behauptung aus ("... und von Politik und Mobilfunkindustrie trotzdem dazu benutzt würden, jegliches Risiko der Mobilfunkstrahlung zu verneinen").

Davon ist bei Leszczynski kein Wort zu finden. Erst bei den Kommentaren kommt diese Verschwörungsthese hoch, Lloyd Morgan bringt sie ein: "This study is a fraud perpetrated by industry, and that each of these first rank journals published such an obviously flawed study tells us clearly these journals and/or their editors have an agenda beyond publication of science."

Dr. Adlkofer legt demnach Prof. Leszczynski etwas in den Mund, was Lloyd Morgan sinngemäß gesagt hat. Ich meine Adlkofer musste auf diesen Trick zurück greifen, denn in seinem Artikel propagiert er ja die Verschwörungsthese von der institutionellen Korruption (im Sektor Mobilfunk). Um nun den ehrenwerten Leszczynski als Kronzeugen seiner These präsentieren zu können, und diese so aufzuwerten, musste der Hybrid "Morgzynski" entstehen. Und dazu teile ich Ihre Meinung: fair ist etwas anderes!

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Sommerloch

Christopher, Donnerstag, 26.07.2012, 07:20 (vor 3847 Tagen) @ H. Lamarr

Franz Adlkofer hat in die Tasten gehauen. (...)

Ehrlich gesagt meinte ich auf den ersten Blick, einen anderen "berühmten" "Studienkritiker" zu erkennen :wink:

Aus meiner Sicht ein irritierendes Werk, in dem ausgerechnet einer der ehemals einflussreichsten Tabaklobbyisten Deutschlands den Teufel einer institutionellen Verschwörung an die Wand malt: "Institutionelle Korruption, das Krebsgeschwür der Gesellschaft, macht es möglich", geißelt Adlkofer.

Ich frage mich ja, warum das Thema ausgerechnet jetzt herausgekramt wird. Immerhin ist die Studie doch schon fast ein Jahr alt, und sie wurde ja auch schon kurz nach dem Erscheinen kritisiert - wie sich aus dem von RDW verlinkten Dokument leicht ablesen läßt. Und sonderlich originell sind die Kritikpunkte ja nun wirklich nicht. Vielleicht sollten wir dankbar sein, daß eine dermaßen "aktuelle" Studie rausgesucht wurde - und nicht irgendwas von Ende der 90er Jahre...

Anscheinend war es den klassischen Krokodilen im Badesee in den letzten Wochen zu kalt, sodaß was anderes zum Füllen des Sommerlochs aufgewärmt werden mußte.

Kohortenstudie Dänemark - weitere Details

H. Lamarr @, München, Freitag, 27.07.2012, 17:06 (vor 3845 Tagen) @ H. Lamarr

Bei den Kritiken an der dänischen Kohortenstudie gibt es eine mMn seltsame Auffälligkeit, die bislang noch nirgendwo zur Sprache gekommen ist.

Der Volltext der Kohortenstudie Dänemark (Update 2011) ist frei verfügbar, die Arbeit trägt den Titel: Use of mobile phones and risk of brain tumours: update of Danish cohort study.

Der öffentlichen Aufforderung von Prof. Leszczynski (16. Dezember 2011), zu erklären, wie diese Studie durch die Peer-Review kommen konnte, ist das Fachjounal BMJ nicht nachgekommen. Ebenso wenig wurde seiner Forderung nach sofortiger Retraktion der Studie entsprochen. Dariusz Leszczynski wird damit zum Schicksalsgenossen von Alexander Lerchl

Bislang sind beim BMJ 12 Kommentare zu der Arbeit eingegangen, meist kritische darunter aber auch eine Erwiderung der Autoren (eine andere als die, die RDW <hier> eingestellt hat). Warum die Beantwortung kritischer Fragen vom Autorenteam ausgerechnet der jungen Patrizia Frei überlassen (oder aufgebrummt) wird, entzieht sich meiner Beurteilung.

Auch Leszczynski ist bereits am 3. Dezember 2011 mit einem Kommentar dort vertreten. Den ersten kritischen Kommentar gab es am 21. Oktober 2011, nur einen Tag nachdem die Studie bei BMJ publiziert wurde.

Mir völlig neu ist der Umstand, dass die Datensätze der dänischen Kohortenstudie auch noch anderweitig ausgewertet werden, nicht nur, um einen Zusammenhang zwischen Handy und Hirntumoren zu finden, sondern auch, um einen Zusammenhang zwischen Handy und Multiple Sclerose zu entdecken. Diese Zweitauswertung in PLOS wurde am 30. April 2012 publiziert - bis heute gibt es dazu jedoch keinen einzigen Kommentar. Ich werte diese Diskrepanz zur BMJ-Publikation so, dass unter organisierten Mobilfunkgegnern bestimmte Links zum "dagegen halten" herumgereicht werden, und so auffallend viele Reaktionen zustande kommen, die eben ausbleiben, wenn die Initialzündung nicht stattfindet.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Leszczynskis Kritik an Peer Review in "The Scientist"

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 27.02.2013, 09:25 (vor 3631 Tagen) @ H. Lamarr

Die Kritik von Prof. Leszczynski an der Qualitätssicherung (Peer Review) der Kohortenstudie Dänemark ist nicht länger seine private Meinung, sie wurde jetzt auch im Wissenschaftsmagazin "The Scientist" als Opinion veröffentlicht. Den Volltext gibt es <hier>. Zum Blog von Dariusz Leszczynski, der sich noch immer als Gastprofessor an der TU Swinburne in Australien aufhält, geht es <dort>. Inzwischen hat Virpi Launonen (Stuk) bestätigt, dass Leszczynski nicht, wie fälschlich berichtet, von Stuk "gefeuert" wurde, sondern dort weiterhin als Forscher angestellt ist.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Peer-Review

Leszczynskis Kritik an Peer Review in "The Scientist"

Doris @, Mittwoch, 27.02.2013, 10:39 (vor 3631 Tagen) @ H. Lamarr

Zum Blog von Dariusz Leszczynski, der sich noch immer als Gastprofessor an der TU Swinburne in Australien aufhält, geht es <dort>. Inzwischen hat Virpi Launonen (Stuk) bestätigt, dass Leszczynski nicht, wie fälschlich berichtet, von Stuk "gefeuert" wurde, sondern dort weiterhin als Forscher angestellt ist.

Das sagt Leszczynski zu diesem Thema:

Right now I am busy moving my household from Australia back to Finland. I am also slowly getting used to the idea that STUK will let me go because they seem to have no use for an expert who testified for US Senate or was in IARC Woeking Group. They seem to have an idea that anyone can “evaluate” science about RF effects. Experienced expert, like myself, seems to be for STUK bosses persona non grata… So, I am getting “used” to the idea that soon I might be simply “unemployed”

Leszczynskis Kritik an Peer Review in "The Scientist"

Alexander Lerchl @, Mittwoch, 27.02.2013, 11:04 (vor 3631 Tagen) @ Doris

Das sagt Leszczynski zu diesem Thema:


Right now I am busy moving my household from Australia back to Finland. I am also slowly getting used to the idea that STUK will let me go because they seem to have no use for an expert who testified for US Senate or was in IARC Woeking Group.

:crying:

They seem to have an idea that anyone can “evaluate” science about RF effects. Experienced expert, like myself, seems to be for STUK bosses persona non grata…

:crying:

--
"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Leszczynskis Kritik an Peer Review in "The Scientist"

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 27.02.2013, 11:43 (vor 3630 Tagen) @ Doris

... seems to be for STUK bosses persona non grata…

Sieht so aus, als ob Stuk ihn nicht entlassen hat, aber auf seine Demission hofft. In Deutschland ist mWn die "Nichtbeschäftigung" von unbequemen Mitarbeitern verboten.

Was mich wundert: Bei Olle Johansson hat sich die Szene noch überschlagen, seine räumliche Versetzung am Karolinska durch Protestmails ungeschehen zu machen. Für Leszczynski macht sich niemand bei Stuk stark, dabei hat Dariusz wissenschaftlich zweifellos erheblich mehr Gewicht. Vermutlich liegt diese Zurückhaltung daran, dass Leszczynski keinem nach dem Mund redet, auch nicht den sogenannten Mobilfunk-Betroffenen. Das ist bei Johansson mMn anders.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
, Karolinska-Institut

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum