Fremdschämen: Wenn das Publikum zum Mob wird (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 17.01.2012, 12:35 (vor 3971 Tagen)

Zwar anderer Schauplatz (Republikaner-Debatte in South Carolina), doch gleiches Ambiente wie auf diversen "Informationsveranstaltungen", in denen Sendemastengegner das Publikum mehrheitlich hinter sich wissen und im Saal verteilte Aufpeitscher die aggressive Stimmung anheizen. So muss ich es nicht mutmaßen, so habe ich es mehr als einmal erlebt. Andere auch. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weigerte sich z.B. einmal, auf der jährlichen Elektrosmog-Anhörung der "Grünen" im Bayerischen Landtag auf Einladung einen Vortrag zu halten. Zuvor war es an gleicher Stelle zu indiskutablen Beschimpfungen und Verdächtigungen gegenüber einer Referentin des BfS gekommen.

Seiner Polemik wegen wurde Sigi Zwerenz von den Mobilfunkbetreibern vor Jahren zum Anlass genommen, "Informationsveranstaltungen" fern zu bleiben. "Wenn Zwerenz kommt, kommen wir nicht", hieß es von Seiten der Betreiber. Ob es noch heute so ist, weiß ich nicht, die Strategie hatte jedenfalls Wirkung. Veranstaltungen mit sich gegenseitig beipflichtenden Referenten der Mobilfunkgegner gerieten bald in den Ruf, langweilig zu sein, einseitig informierende kontroversenfreie Märchenstunden, bei denen das wichtigste die ausgelegten Kärtchen von Baubiologen/Anti-Mobilfunk-Vereinen waren, die sich vom Publikum Kundschaft/Mitglieder erhofften.

Wer nicht weiß wovon ich rede kann sich hier und dort an Kostproben laben, die den Umgangston von Eiferern in der Mobilfunkdebatte gegenüber Widerspenstigen widerspiegeln.

So, und jetzt Schluss mit der langen Vorrede, die von dem taufrischen Spiegel-Artikel ausgelöst wurde: Wenn das Publikum zum Mob wird. Nachfolgend zwei Auszüge daraus:

South Carolina ist seinem reaktionären Ruf gerecht geworden: Kurz vor der entscheidenden US-Vorwahl trafen sich dort die Republikaner-Kandidaten zur Debatte. Die geriet zum Feuerwerk der Vorurteile, Lügen und Hasstiraden - vor allem wegen des Saalpublikums.

Grölen, brüllen, johlen

Sonst gilt da ja höfliche Zurückhaltung. Doch diesmal lässt Fox News die Zuschauer von der Leine, offenbar um der Live-Show einen ganz besonderen Kick zu geben. Die Strategie geht nach hinten los: Das Publikum wird zum TV-Mob - und offenbart seine hässliche Seite.

Sie grölen, brüllen, johlen. Sie lassen keine Gelegenheit aus, ihren Zu- oder Widerspruch kundzutun, gerne zu den umstrittensten Vorschlägen (Ausländer raus, Kinder zur Arbeit zwingen, alle Staatsfeinde töten). Sie pfeifen die Kandidaten aus, wenn sie nicht rechtslastig genug poltern. Sie jubeln, wenn sie parieren. Sie machen die Moderatoren zur Schnecke. Und Newt Gingrich, der ihrer Sezessions- und Kriegslust am eifrigsten nach dem Munde redet, ehren sie mit Standing Ovations.

"Das war die heftigste Debatte von allen", seufzt der Fox-News-Analyst Juan Williams anschließend. Als einziger Schwarzer unter den Moderatoren - und, den TV-Kameraschwenks nach zu urteilen, in der ganzen Halle - muss der sich am allerlautesten ausbuhen lassen.

"Ich weiß nicht richtig, was ich über diesen Abend sagen soll, außer, dass ich mich jetzt duschen will", kommentiert selbst der konservative Kolumnist Andrew Sullivan, ein alter Debattenveteran. "Selten hat mich die Atmosphäre einer Debatte derart abgestoßen."

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Zwerenz, Mob, Landtag, Polemik, Fremdschämen, Hasstiraden, Kontroverse

Fremdschämen: Wenn das Publikum zum Mob wird

Kuddel, Dienstag, 17.01.2012, 20:04 (vor 3971 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Dienstag, 17.01.2012, 20:33

Im Prinzip geht es bei diesen Veranstaltungen um Sektenführer (Baubiologen und Rutengänger), die neue Sektenmitglieder und Prediger suchen und dies durch Initiieren von Gründungsveranstaltungen für Bürgerinitiativen erreichen.

Wikipedia über den Begriff "Sekte":
"Sekte" ist ...eine ursprünglich wertneutrale Bezeichnung für eine philosophische, religiöse oder politische Gruppierung, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von herrschenden Überzeugungen unterscheidet und oft im Konflikt mit ihnen steht.

..Sekte kommt von lateinisch sequi, folgen, und ist die Übersetzung von griechisch hairesis, Wahl, Gefolgschaft. Mit ihm wurden in der Antike zunächst diejenigen bezeichnet, die einem bestimmten Philosophen in seinen Anschauungen folgten.

Die neuen Mitglieder werden mit dem Versprechen gelockt, daß man nur helfen wolle, drohendes Unheil (Apokalypse) abzuwenden und etwas zur Förderung von Gesundheit und ein langes Leben zu tun (Heilsversprechen).

Grundlage der Baubiologen/Rutengänger-Philosophie ist, daß die in Mobilfunk- und Erd- Strahlung enthaltene "Information" in den Körper eindringt und damit die Gesundheitliche Balance schädlich beeinflussen kann.

Der Ritus der baubiologischen Messung und die Anschließende Reinigung (=Abschirmung) soll helfen, in den neuen Glauben hineinzufinden. Zur Grundausstattung eines Sektenmitglieds gehört die "Maes'sche Bibel" ,welche mit zahlreichen Fallbeispielen aus dem Alltag den neuen Glauben näher bringen soll, sowie für Fortgeschrittene das "Meßgerät", welches dem Nachweis teuflischer Auren dient.

Besonders interessant werden solche Veranstaltunen natürlich durch theologische Streitgespräche mit anschließender (verbaler) "Steinigung" des extra zu disem Zweck eingeladenen "Ungläubigen" vom BfS oder gar eines "Sünders" von der Mobilfunkindustrie.
Thema des theologischen Streitgesprächs dieser Sekte ist nicht, wie bei Religionen, die Existenz/Nichtexistenz Gottes, sondern die Existenz/Nichtexistenz des Teufels in Form "krankmachender Strahlung".

Leider haben die eigens eingeladenen "Ungläubigen" und "Sünder" mit der Zeit gelernt, daß die Steinigung und nicht das Streitgespräch der eigentliche Zweck der Einladung war, so daß es immer schwieriger wird, ein präsentables Steinigungsopfer zu finden.

Unter den Sektenführern gibt es natürlich etliche, die von ihrer Mission so in Anspruch genommen sind, daß sie nur durch den Verkauf von Dienstleistungen und Glaubensutensilien ihre bescheidenen, weltlichen Bedürfnisse stillen können.
Im Schlepptau natürlich die Hersteller und Vertreiber der Zeremonien-Utensilien, (Maes'sche Bibeln, Meßgeräte,Abschirmmaterialien,) und Inquisitoren, welche gegen ein Honorar teuflische Strahlung aufspüren und beseitigen.

K

Tags:
Filz, Geschäftsmodell, Glaubenskrieg, Fallbeispiel, Einladung

Fremdschämen: Wenn das Publikum zum Mob wird

AnKa, Dienstag, 17.01.2012, 20:34 (vor 3971 Tagen) @ Kuddel


Im Prinzip geht es bei diesen Veranstaltungen um Sektenführer (Baubiologen und Rutengänger), die neue Sektenmitglieder und Prediger suchen und dies durch Initiieren von Gründungsveranstaltungen für Bürgerinitiativen erreichen.

Wikipedia über den Begriff "Sekte":
"Sekte" ist ...eine ursprünglich wertneutrale Bezeichnung für eine philosophische, religiöse oder politische Gruppierung, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von herrschenden Überzeugungen unterscheidet und oft im Konflikt mit ihnen steht.

..Sekte kommt von lateinisch sequi, folgen, und ist die Übersetzung von griechisch hairesis, Wahl, Gefolgschaft. Mit ihm wurden in der Antike zunächst diejenigen bezeichnet, die einem bestimmten Philosophen in seinen Anschauungen folgten.

Die neuen Mitglieder werden mit dem Versprechen gelockt, daß man nur helfen wolle, drohendes Unheil (Apokalypse) abzuwenden und etwas zur Förderung von Gesundheit und ein langes Leben zu tun.

Grundlage der Baubiologen/Rutengänger-Philosophie ist, daß die in Mobilfunk- und Erd- Strahlung enthaltene "Information" in den Körper eindringt und damit die Gesundheitliche Balance schädlich beeinflussen kann.

Der Ritus der baubiologischen Messung und die Anschließende Reinigung (=Abschirmung) soll helfen, in den neuen Glauben hineinzufinden. Zur Grundausstattung eines Sektenmitglieds gehört die "Maes'sche Bibel" ,welche mit zahlreichen Fallbeispielen aus dem Alltag den neuen Glauben näher bringen soll, sowie für Fortgeschrittene das "Meßgerät", welches dem Nachweis teuflischer Auren dient.

Besonders interessant werden solche Veranstaltunen natürlich durch theologische Streitgespräche mit anschließender (verbaler) "Steinigung" des extra zu disem Zweck eingeladenen "ungläubigen" vom BfS oder gar eines "Sünders" von der Mobilfunkindustrie.
Thema des theologischen Streitgesprächs dieser Sekte ist nicht, wie bei Religionen, die Existenz/Nichtexistenz Gottes, sondern die Existenz/Nichtexistenz des Teufels in Form "krankmachender Strahlung".

Leider haben die eigens eingeladenen "Ungläubigen" und "Sünder" mit der Zeit gelernt, daß die Steinigung und nicht das Streitgespräch der eigentliche Zweck der Einladung war, so daß es immer schwieriger wird, ein präsentables Steinigungsopfer zu finden.

Unter den Sektenführern gibt es natürlich etliche, die von ihrer Mission so in Anspruch genommen sind, daß sie nur durch den Verkauf von Dienstleistungen und Glaubensutensilien ihre bescheidenen, weltlichen Bedürfnisse stillen können.
Im Schlepptau natürlich die Hersteller und Vertreiber der Zeremonien-Utensilien, (Maes'sche Bibeln, Meßgeräte, Abschirmmaterialien,) und Inquisitoren, welche gegen ein Honorar teuflische Strahlung aufspüren und beseitigen.

* amüsier *

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

Tags:
Sekte, Ideologie

Oggersdorf gemeinsam gegen TETRA

AnKa, Dienstag, 17.01.2012, 21:00 (vor 3971 Tagen) @ Kuddel

Besonders interessant werden solche Veranstaltunen natürlich durch theologische Streitgespräche mit anschließender (verbaler) "Steinigung" des extra zu disem Zweck eingeladenen "Ungläubigen" vom BfS oder gar eines "Sünders" von der Mobilfunkindustrie.

Hier eine Aufnahme aus Oggersdorf.

[image]Bild: Quelle

Die dokumentierte Situation ist typisch für den Verlauf mobilfunkkritischer Veranstaltungen.

Der Vorgang: Im Publikum war ein Teilnehmer ausfindig gemacht worden, der im Begriff schien, eine kritische Frage an einen der anwesenden baubiologischen Referenten stellen zu wollen. Der Sicherheitsdienst der anwesenden Bürgerinitiativen "Strahlenmörder raus aus Oggersdorf e.V." und "KEIN MOBILFUNSENDER UND KEIN TETRA UND KEIN HANDY IN OGGERSDORF" nahm den Abweichler sofort mit mehreren Mann in den Clinch. Man zerrte ihn aufs Podium und schlug ihn unter anfeuerndem Beifall der vollzählig anwesenden Oggersdorfer Bevölkerung halbtot.

Später wurde der Verdächtige auf den Marktplatz gezerrt, dort mit Kettenöl beschmiert und in Rindenmulch gewälzt, ehe man ihn schließlich an einem Pranger befestigte und dort noch einmal gehörig durchsteinigte, den durchreisenden Mobilfunkbetreibern zur Warnung.

[image]

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

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