Asbest: In Asien noch immer gang und gäbe (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 27.02.2010, 00:34 (vor 4261 Tagen)

Noch immer wird massenweise Asbest verbaut — vor allem in Asien. Als einziges westliches Land setzt Kanada die Förderung des hochgefährlichen Materials fort - schrieb der Spiegel in Ausgabe 50/2008. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich 100 000 Menschen sterben, weil sich Asbestfasem in ihren Lungenbläschen verfangen und Rippenfell- oder Lungenkrebs auslösen. Entsprechend ist das Ma­terial seit 1993 in Deutschland, seit 2005 auch EU-weit verboten. Unberührt von allen Warnungen jedoch fördern vor allem Russland, China, Kasachstan, Brasilien und Kanada weiter.

Mit Mobilfunk hat dies alles nichts zu tun. Ich stelle dies hier nur deshalb ein, weil zuweilen von Sendemastengegnern versucht wird, Russland als Hort der Humanität darzustellen, mit angeblich vorbildlich niedrigen Mobilfunk-Grenzwerten. Mag sein, dass dies so ist. Sicher ist jedoch auch, dass Russland der mit Abstand größte Asbest-Produzent der Welt ist und nach China und Indien drittgrößter Asbest-Verbraucher. Dies ist so gar nicht vorbildlich bei einem Gefahrenstoff, dessen tödliches Potenzial ganz im Gegensatz zu dem von Mobilfunkfeldern zweifelsfrei erwiesen ist. Da passt etwas überhaupt nicht zusammen. Und Schweizerische Hobby-Diagnostiker könnten einen auf die Asbest-Verbreitung in Asien zurückzuführenden deutlichen Krebsanstieg dort nur allzu leicht im geradlinigen Kurzschluss der Verbreitung des Mobilfunks anlasten.

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(Grafik: Quelle "Der Spiegel")

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Asbest

Asbest: In Asien noch immer gang und gäbe

Kuddel, Samstag, 27.02.2010, 10:27 (vor 4261 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Samstag, 27.02.2010, 10:58

Nicht nur in Asien...
Dazu gab es neulich einen Fernsehbeitrag.

Wobei diese Sendungen natürlich immer mit einer gewisser Vorsicht zu genießen sind, da nicht selten die persönliche Meinung des Journalisten- (=Nichtfachmann) und auch die Versuchung das Thema durch gewisse Kniffe "interessant zu machen"- mit im Spiel ist.

Es ist schließlich eine völlig andere Dimension, ob früher in einem Haus zig Kilogramm Asbest im verbaut wurden, oder ob heute ein paar Milligramm in einem Dichtring "importiert" werden. Ich glaube kaum, daß letzteres den Kohl noch "fett" macht.

Dennoch gibt es einem zu denken...
Hier in Deutschland gibt es Umwelt- und Arbeitsschutzggesetzte, die unsere Produkte verteuern, andererseits werden fleißig Waren aus Billiglohnländern importiert (und gekauft => geiz ist geil) wo Umwelt und Arbeitsschutz praktisch null Stellenwert haben.

Die unter Mobilfunkkritikern vielzitierte "Handyindustrie" ist praktisch schon vollends in solche Länder verlagert. Nicht unbedingt, weil die Firmen so "böse" sind, sondern weil "Otto-Normal-Verbraucher" diese Entwicklungen antreibt, durch die konsequente Gier nach Produkten mit dem günstigsten Preis-Leistungsverhältnis.

Allerdings muß man diesen Verbrauchern zugute halten, daß den wenigsten die detaillierten Begleitumstände und Konsequenzen bewußt sind.

Asbest: In Asien noch immer gang und gäbe

charles ⌂ @, Samstag, 27.02.2010, 12:49 (vor 4260 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn ich z.B. ein Bleistift breche, bekomme ich zwei Bleistifte, die nur die Halbe der ursprüngliche Länge erweisen.

Wenn ich aber ein Asbestfaser breche, kann ich Hunderte von Fasern bekommen, die alle die Original-Länge besitzen.
Das ist die Gefahr der Asbestfaser.

Man tut sich sehr schwer, und ich habe auch Personen gekannt, die in geschlossene Werkstätte mit der Schleiftolle Asbeströhre sägen mussten, und wo gesagt wurde es bestehe keine Gefahr. Leider sind sie alle tot, wegen Asbestose.

Aber ich glaube nicht das es ein Gefahr bedeutet wenn die Asbestprodukte gut eingekapselt sind, z.B. von eine gute Versiegelungslack.

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Charles Claessens
www.milieuziektes.nl

Asbest: In Asien noch immer gang und gäbe

kritiker, Donnerstag, 04.03.2010, 07:05 (vor 4256 Tagen) @ charles

mendacium est. Wenn schon der Bleistift als makroskopisches Modell herhalten muss, dann liefert nicht das Brechen, sondern ein Verdrillen die adäquaten Ergebnisse.

Asbest und Mobilfunk

Sektor3, Mittwoch, 03.03.2010, 15:42 (vor 4256 Tagen) @ H. Lamarr

Noch immer wird massenweise Asbest verbaut — vor allem in Asien. Als einziges westliches Land setzt Kanada die Förderung des hochgefährlichen Materials fort - schrieb der Spiegel in Ausgabe 50/2008. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich 100 000 Menschen sterben, weil sich Asbestfasem in ihren Lungenbläschen verfangen und Rippenfell- oder Lungenkrebs auslösen. Entsprechend ist das Ma­terial seit 1993 in Deutschland, seit 2005 auch EU-weit verboten. Unberührt von allen Warnungen jedoch fördern vor allem Russland, China, Kasachstan, Brasilien und Kanada weiter.

Mit Mobilfunk hat dies alles nichts zu tun. Ich stelle dies hier nur deshalb ein, weil zuweilen von Sendemastengegnern versucht wird, Russland als Hort der Humanität darzustellen, mit angeblich vorbildlich niedrigen Mobilfunk-Grenzwerten. Mag sein, dass dies so ist. Sicher ist jedoch auch, dass Russland der mit Abstand größte Asbest-Produzent der Welt ist und nach China und Indien drittgrößter Asbest-Verbraucher....

Mit Mobilfunk hat dies alles nichts zu tun? - von wegen!

1990 publizierte Prof. A.s Neu-Kollege M. Kundi, zusammen mit M. Neuberger eine Asbeststudie (engl. Abstrakt hier) von der ältesten Asbestfabrik der Welt (Oberösterreich). Das Ergebnis: Mit einem relativen Lungenkrebs-Risiko von 1,04 sei die Arbeit im Asbestwerk ungefährlich, ganz im Gegensatz zum Rauchen mit Faktor 8.

1999 schrieb Prof. A.s Alt-Kollege PN Lee für die Tabakindustrie einen Review über Asbest-Studien und suchte nach Asbest-Risiken. Bei Kundi und Neuberger (Studie von 1990) wurde er allerdings nicht fündig.

In "Universum Innere Medizin 2001, 3, 37-38, Rauchersituation in Österreich" schrieb Neuberger:
"Passivrauchen ist heute in Österreich für mehr Todesfälle verantwortlich als die gesamte Palette von Teer, Ruß, Diesel, Benzol, Asbest und allen Schwermetallen, die wir in unseren Städten im Freien einatmen."

In einem undatierten Artikel der österreichischen Ärzteinitiative schreibt Neuberger noch:
"Im Vergleich zu Tabakrauch sind alle anderen Karzinogene in der Umwelt (z.B. Radon) und am Arbeitsplatz (z.B. Asbest) für die Lungenkrebshäufigkeit in der Allgemeinbevölkerung praktisch bedeutungslos."

In den "International Archives of Occupational and Environmental Health" (die auch Prof. A.s Mobilfunkstudie nicht zurücknehmen will) publiziert Neuberger aber im Jahr 2007, dass früheres Rauchen nichts mache - im Gegensatz zu Asbest:
"Lung function was influenced by asbestos exposure, current (but not former) smoking, and by pathological X-ray findings."
Was mich durchaus überraschte, denn in Neubergers Artikel der Ärzteinitiative hieß es noch:
"Wenn man endgültig mit dem Rauchen Schluss macht, sinkt das Lungenkrebsrisiko und ist nach etwa 5 - 10 Jahren nur mehr halb so groß wie wenn man weiterraucht. Allerdings können Exraucher das Lungenkrebsrisiko eines Niemalsrauchers nur dann erreichen, wenn sie schon bald nach Rauchbeginn wieder aussteigen und nie mehr rückfällig werden."

Was will uns diese Werbung sagen?
Etwa dass das Rauchen in den Augen der mobilfunkkritischen wiener Forscher ungefährlich wird, während die Asbest-Gefahr seit ihrer mobilfunkkritischen Haltung wieder ansteigt?

Schade, dass Neuberger die Mobilfunkgefahren 2001 nicht in die Vergleichsliste mit Passivrauchen seiner "Rauchersituation in Österreich" mit aufnahm. Hätte mich schon interessiert.

Tags:
Interessenkonflikt, Lungenkrebs, Kundi, Asbest, Radon, Tabaklobbyist, Neuberger, Adelkofer, Schwermetall, Lee

Asbest und Mobilfunk

Doris @, Mittwoch, 03.03.2010, 16:45 (vor 4256 Tagen) @ Sektor3

"Im Vergleich zu Tabakrauch sind alle anderen Karzinogene in der Umwelt (z.B. Radon) und am Arbeitsplatz (z.B. Asbest) für die Lungenkrebshäufigkeit in der Allgemeinbevölkerung praktisch bedeutungslos."

In den "International Archives of Occupational and Environmental Health" (die auch Prof. A.s Mobilfunkstudie nicht zurücknehmen will) publiziert Neuberger aber im Jahr 2007, dass früheres Rauchen nichts mache - im Gegensatz zu Asbest
"Lung function was influenced by asbestos exposure, current (but not former) smoking, and by pathological X-ray findings."
Was mich durchaus überraschte, denn in Neubergers Artikel der Ärzteinitiative hieß es noch:
"Wenn man endgültig mit dem Rauchen Schluss macht, sinkt das Lungenkrebsrisiko und ist nach etwa 5 - 10 Jahren nur mehr halb so groß wie wenn man weiterraucht. Allerdings können Exraucher das Lungenkrebsrisiko eines Niemalsrauchers nur dann erreichen, wenn sie schon bald nach Rauchbeginn wieder aussteigen und nie mehr rückfällig werden."

Im ersten Artikel geht es um Lungenkrebs, im zweiten um Lungenfunktionstest. Und bei letzterem wirkt sich wohl aktuelles Rauchen aus und früheres nicht. Ist eigentlich nachvollziehbar.

Manfred Neuberger ist ein aktiver Rauchkritiker. Als Mobilfunkkritiker tritt er wie Kundi m.E. öffentlich eher gemäßigt auf.

Asbest und Mobilfunk

Sektor3, Mittwoch, 03.03.2010, 17:25 (vor 4256 Tagen) @ Doris

"Im Vergleich zu Tabakrauch sind alle anderen Karzinogene in der Umwelt (z.B. Radon) und am Arbeitsplatz (z.B. Asbest) für die Lungenkrebshäufigkeit in der Allgemeinbevölkerung praktisch bedeutungslos."

In den "International Archives of Occupational and Environmental Health" (die auch Prof. A.s Mobilfunkstudie nicht zurücknehmen will) publiziert Neuberger aber im Jahr 2007, dass früheres Rauchen nichts mache - im Gegensatz zu Asbest
"Lung function was influenced by asbestos exposure, current (but not former) smoking, and by pathological X-ray findings."
Was mich durchaus überraschte, denn in Neubergers Artikel der Ärzteinitiative hieß es noch:
"Wenn man endgültig mit dem Rauchen Schluss macht, sinkt das Lungenkrebsrisiko und ist nach etwa 5 - 10 Jahren nur mehr halb so groß wie wenn man weiterraucht. Allerdings können Exraucher das Lungenkrebsrisiko eines Niemalsrauchers nur dann erreichen, wenn sie schon bald nach Rauchbeginn wieder aussteigen und nie mehr rückfällig werden."


Im ersten Artikel geht es um Lungenkrebs, im zweiten um Lungenfunktionstest. Und bei letzterem wirkt sich wohl aktuelles Rauchen aus und früheres nicht. Ist eigentlich nachvollziehbar.

Manfred Neuberger ist ein aktiver Rauchkritiker. Als Mobilfunkkritiker tritt er wie Kundi m.E. öffentlich eher gemäßigt auf.

E. Wynder wird in Wikipedia als (Anti-) Rauchforscher geführt, obwohl er und seine American Heath Foundation von Prof. A. viel Geld bekamen, um das Passivrauchen zu relativieren.

Wie Neuberger tatsächlich in neuerer Zeit zum Rauchen steht, kann ich nicht beurteilen.

Zur Bewertung der Studie von 2007 noch ein Hinweis. Dort heißt es:
"Lung function proved to be the best predictor of survival apart from current smoking." Für mich ist nicht nachvollziehbar, weshalb laut früherem Artikel der Ärzteinitiative auch früheres Rauchen das Lungenkrebsrisiko erhöht, während laut Artikel von 2007 die Lungenfunktion, die angeblich der beste Indikator fürs Überleben ist (=> gute Lungenfunktion = kein Lungenkrebs), durch früheres Rauchen nicht belastet wird.

Ich sehe auch eine Diskrepanz beim Folgenden:

  • Passivrauchen soll laut frühem Neuberger viel schlimmer gewesen sein, als Asbest
    (beides bezieht sich ja wohl auf vorangegangene Exposition)
  • Alte Statistiken sagen: Passivrauchen 3,300 Tote, Aktiv Rauchen 140,000 Tote p.a. in D.
  • Laut Neuberger: Frühere Raucher haben nach 5- 10 Jahren halbes Risiko
  • Meine Schlußfolgerung: => früheres Rauchen ist viel schlimmer als Passivrauchen
  • Laut neuem Neuberger ist (frühere) Asbestexposition gefährlich, aber nicht (frühere) Rauchexposition

Tags:
Passivrauchen, Tote

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