Geschäftsmodell Angst (Allgemein)

helmut @, Nürnberg, Donnerstag, 04.02.2010, 07:48 (vor 5219 Tagen)

Als ich die Sendung im NDR Markt über Schimmel sah, mußte ich zwangsläufig an das Geschäftsmodell "Elektrosmog" denken

Schimmel: Wie angebliche Experten Kasse machen


Schimmel: Wie angebliche Experten Kasse machen
Schimmel in der Wohnung - "der macht in jeden Fall krank." Das ist mittlerweile landläufige Meinung. Die Angst vor Schimmel ist groß. Damit lassen sich auch gute Geschäfte machen. Schimmelgutachter und -sanierer machen sich unter deutschen Dächern breit. Und allzu oft werden sie fündig.

Dabei lässt sich die Angst vor dem Schimmel durchaus als übertrieben bezeichnen. Das Umweltbundesamt sieht keinen wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhang zwischen der Konzentration von Schimmelpilzen in Innenräumen und möglicherweise daraus entstehenden Krankheiten.

Ein gutes Geschäft: Schimmelbeseitigung
Dennoch gehört Schimmel in hohen Konzentrationen nicht in die Wohnung. Wo er auftritt, da muss gründlich saniert werden. Doch mittlerweile suchen Gutachter auch im letzten Winkel nach Schimmelsporen. Die Angst vor Schimmel ist inzwischen weit verbreitet, und die "Gefahr Schimmel" immer wieder Thema in den Medien.

"Es geht um eine Menge Geld dabei, das darf man nicht vergessen. Und diejenigen, die in den Medien am besten auftreten, die bekommen die meisten Folgeaufträge", so Dr. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt. Die Behörde gibt wegen der Unsicherheit bei Mietern, Hausbesitzern und auch Fachleuten den sogenannten "Schimmelpilzsanierungs-Leitfaden" heraus. Panik soll damit aber nicht verbreitet werden.

Doch auch die für den Leitfaden verantwortliche Innenraumlufthygienekommission kommt nur zu dem Ergebnis: "Bis heute gibt es in der Fachwelt keine schlüssige Antwort auf die schwierige Frage, wie Schimmelpilzschäden methodisch sicher und auf einheitliche Weise zu erfassen sind."

Dennoch verweist der Bundesverband Schimmelpilz-Sanierung e.V. darauf, dass sich jede Bewertung von Schimmelpilzschäden auf die Leitfäden des Umweltbundesamtes stützen müsse. Diese würden die Grenzen aufzeigen, innerhalb derer sich Fachleute bewegen müssten. Sachverständige mit Extrempositionen hätten diese gesteckten Grenzen verlassen. Daneben würden wissenschaftliche Studien belegen, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen Schimmelpilzbelastungen und gesundheitlichen Symptomen bestehe.

Unterschiedliche Methoden - unterschiedliche Ergebnisse
So nutzen Gutachter höchst unterschiedliche Untersuchungsmethoden und kommen oft zu genauso unterschiedlichen Ergebnissen. Diese Unsicherheiten machen den Weg frei für das Geschäft mit dem Schimmel. Wer lange genug sucht, der findet auch etwas. Nach diesem Motto prüfen sogenannte Schimmel-Experten die Wände und Böden deutscher Wohnungen. Sie suchen nach verstecktem Pilzbefall. Und so findet sich in so gut wie jedem Bau früher oder später eine Ecke, die mit Schimmel-Sporen verschmutzt ist. Denn kein Haus ist schimmelfrei. Die Empfehlung vieler Sanierer lautet dann: Alles Befallene rausreißen. Fußböden erneuern, Wände abtragen, alles neu machen, jeden Verdacht beseitigen.

"Es geht darum, eine Angst zu schüren die es ermöglicht, Untersuchungen und entsprechende Begutachtungen ins Feld zu führen, die teilweise so überzogen sind, dass sie nicht notwendig sind", urteilt Mikrobiologe Dr. Thomas Warscheid. Denn der Pilzbefall sei unbedenklich, solange er im Verborgenen schlummere und keinen Einfluss auf die Raumluft habe. Wichtig sei aber, dass die Ursache für den Schimmel, nämlich Feuchtigkeit, bekämpft wird.

Schadensbewertung liegt im Ermessen des Gutachters
Allgemein gültige Grenzwerte für Schimmelbefall gibt es nicht, und auch die Sanierungsmaßnahmen sind nicht festgeschrieben. Es liegt also allein im Ermessen des Gutachters, wie er einen Schaden bewertet und was er zur Lösung des Problems vorschlägt. Sollte sich die Meinung durchsetzten, in jedem Fall das gesamte verschmutzte Material zu entfernen, werden in den kommenden Jahren enorme Kosten auf Hausbesitzer, Bauunternehmer, Versicherungen und auch Kommunen zukommen.

Fazit für Verbraucher
Für den Verbraucher gilt also: Wenn es tatsächlich Hinweise auf verdeckte Schimmel-Schäden gibt, dann lieber einen Gutachter zu viel anhören, als vorschnell das ganze Haus abreißen. "Schäden sind zu vermeiden. Schäden sind zu sanieren. Aber bitte mit Augenmaß und nicht mit übertriebener Hysterie", so Warscheid.

Autorin/Autor: Mareike Burgschat/Jörg Hilbert

NDR3/Markt

MfG
Helmut

Tags:
Baubiologe, Geschäftsmodell, Analogie, Schimmel, Hysterie, Pseudo-Fachwelt

Geschäftsmodell Angst

Sektor3, Donnerstag, 04.02.2010, 11:02 (vor 5219 Tagen) @ helmut

Als ich die Sendung im NDR Markt über Schimmel sah, mußte ich zwangsläufig an das Geschäftsmodell "Elektrosmog" denken

Schimmel: Wie angebliche Experten Kasse machen


Schimmel: Wie angebliche Experten Kasse machen
Schimmel in der Wohnung - "der macht in jeden Fall krank." Das ist mittlerweile landläufige Meinung. Die Angst vor Schimmel ist groß. Damit lassen sich auch gute Geschäfte machen. Schimmelgutachter und -sanierer machen sich unter deutschen Dächern breit. Und allzu oft werden sie fündig.

Dabei lässt sich die Angst vor dem Schimmel durchaus als übertrieben bezeichnen. Das Umweltbundesamt sieht keinen wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhang zwischen der Konzentration von Schimmelpilzen in Innenräumen und möglicherweise daraus entstehenden Krankheiten....

Als ich die Sendung im NDR Markt über Schimmel sah, mußte ich zwangsläufig an das Geschäftsmodell "Elektrosmog" denken

Das gleiche Geschäftsmodell von den gleichen Geschäftemachern:
=> Tabakindustrie und Baubiologen

  • Der große Vorteil von Schimmelpilz ist, dass er für die gleichen Krankheitssymptome verantwortlich gemacht werden kann, wie das Rauchen / Passivrauchen.
  • Der große Nachteil von Schimmelpilz (gegenüber EMF) ist, dass man keine Bürgerinitiativen inszenieren kann und keine "böse Industrie" als Gegner hat. Nur Baubiologen halten das Thema am köcheln.

Die Tabakindustrie beackert das Thema Schimmelpilz schon seit langem. In diesem Dokument von 1990 führt die Tabakindustrie die angeblichen "Mitursachen" (Confounder) auf, die anstatt Passivrauchen für Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen von Kindern verantwortlich seien.

Schimmel erhöhe demnach das Risiko für Atemwegserkrankungen von Kindern um den Faktor 1,27 - 2,12.

Seitdem waren bekannte Tabakforscher wie Rylander mit dem Thema beschäftigt, aber auch Institute und Universitäten wurden von der Tabakindustrie mit Schimmelforschung beauftragt. Selbstredend befasste sich auch das Mekka der Baubiologen, das von der Tabakindustrie betriebene und mittlerweile aufgelöste "Center for Indoor Air Research" (CIAR), mit dem Schimmelpilz.

Da darf natürlich auch ein Neo-Tabakforscher wie Mersch-Sundermann nicht fehlen. Auch bei ihm kann der Schimmel den Atem nehmen.

Tags:
Klage, Baubiologe, Geschäftsmodell, Angst, Tabak, Confounder, Tobacco, Rylander, Mersch-Sundermann

Geschäftsmodell Angst

Kuddel, Donnerstag, 04.02.2010, 20:43 (vor 5218 Tagen) @ helmut

..genau die Parallelen sind mir auch aufgefallen.

Das Thema hatte nwir aber schon hier. (Der NDR Beitrag war eine Wiederholung).

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