Primo Schär: HF-Reflex-Replikation offenbar gescheitert! (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 26.06.2009, 21:57 (vor 4226 Tagen)

[Hinweis: Nach Prüfung bzgl. Verbotsbehauptung wieder frei gegeben am 05.08.2013]

Da wartet die Forschergemeinde ebenso gespannt wie lange darauf, ob es Prof. Primo Schär in der Schweiz gelingen wird, die HF-Experimente der Wiener Reflex-Studie erfolgreich zu replizieren - und dann kommt die Nachricht so unspektakulär daher, auf so leisen Sohlen, dass man sie als Zaungast fast hätte übersehen können.

Am Donnerstag auf der BfS-Veranstaltung in München war von Dr. Monika Asmuss zu hören, dass Reflex bislang weder bei NF noch bei HF erfolgreich wiederholt werden konnte. Primo Schär wurde explizit genannt, er habe zuletzt auch das mit Spannung erwartete HF-Experiment der Wiener Arbeitsgruppe nicht bestätigen können! Eine Publikation dazu liegt noch nicht vor, dem Vernehmen nach hat Schär dieses Resultat allein mündlich bei der jüngsten BEMS-Tagung in Davos vorgetragen. Im Abstract seines Vortrags findet sich dazu nichts.

Ein negatives Ergebnis von Primo Schär wäre ein weiterer harter Schlag für die wissenschaftliche Bedeutung der Reflex-Studien, die bei Sendemastengegnern irritierenderweise hoch im Kurs stehen, obwohl diese Studien mit den Feldintensitäten von Sendemasten nichts zu tun haben, sondern Effekte bei weit stärkeren Signalen, wie sie Handys aussenden, gefunden haben.

Sollte sich die Informationslage festigen und Schär ohne Zweifel an der Replikation von Reflex (HF-Teil) gescheitert sein, verlieren Mobilfunkkritiker eine ihrer wichtigsten Argumentationsstützen, ein einstiges Kronjuwel. Denn eine nicht replizierbare Studie, die noch dazu unter dringendem Fälschungsverdacht steht, ist aus wissenschaftlicher Sicht wertlos. Sendemastengegner werden sich davon selbstverständlich nicht beirren lassen und Reflex weiter im Repertoire halten, so wie Dr. Markus Kern erst am Donnerstag noch glaubte, ausgerechnet vor Fachpublikum (BfS-Referenten) mit der methodisch mangelhaften Hennen-Studie von Dr. Eger punkten zu können.

Wir bemühen uns um weitere Informationen in dieser wichtigen Angelegenheit. Erst Michael Jackson - und jetzt auch noch der HF-Teil von Reflex - was für ein Tag.

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Reflex, Schär, Replikation, Arbeitsgruppe Wien, DNA-Strangbrüche, HF-Exposition

Primo Schär: HF-Reflex-Replikation offenbar gescheitert!

AnKa, Freitag, 26.06.2009, 22:23 (vor 4226 Tagen) @ H. Lamarr

Erst Michael Jackson - und jetzt auch noch der HF-Teil von Reflex - was für ein Tag.

Nun übertreiben Sie es mal nicht, mit den Freudensbekundungen!

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Reflex-Replikation: Details vom Schär-Vortrag in Davos

H. Lamarr @, München, Dienstag, 30.06.2009, 23:01 (vor 4222 Tagen) @ H. Lamarr

Wir bemühen uns um weitere Informationen in dieser wichtigen Angelegenheit.

Entsprechende Anfragen gingen an Prof. Franz Adlkofer und an die FGF raus. Für die FGF antwortete Dr. Frank Gollnick, dessen aufschlussreiche Antwort wir hier mit seiner Zustimmung im Wortlaut wiedergeben.


Sehr geehrter Herr Schall,

in der entsprechenden Sitzung zu den Ergebnissen des schweizer NFP 57 war ich mit dabei und ich kann bestätigen, dass Herr Schär im HF-Teil der REFLEX-Replikation nur in wenigen der etlichen getesteten Parameterkombinationen (verschiedene Leistungsflussdichten, CW/gepulst, verschiedene Zelllinien) "very slight" oder "slight" effects (also sehr leichte oder leichte Effekte) gesehen hat. Dagegen fand er im ELF-Bereich in 3/4 der getesteten Zelllinien Effekte. Herr Schär führte dann die unter HF-Befeldung gefundenen bzw. nicht gefundenen Effekte zur Übersicht in einer kleinen Tabelle zusammen und kam für sich zu dem klaren Schluss, dass die in seinem Labor erzielte Evidenz unter dem Strich nicht ausreicht, um insgesamt von einem eindeutigen Effekt der HF-Felder auf das getestete Zellmaterial sprechen zu können. Damit hat er den HF-Teil der Ergebnisse aus dem Wiener REFLEX-Labor in der Tat nicht replizieren können.

Er betrachte daher diesen Teil seiner HF-Forschung für abgeschlossen und wird sich in der Zukunft (mit anderen Methoden) der weiteren Erforschung und Absicherung der seiner Ansicht nach vorhandenen ELF-Effekte widmen, und dies nur noch in Fibroblasten (Bindegewebszellen, bei denen auch in Wien die stärksten Effekte beobachtet wurden). Hier hat er bereits festgestellt, dass G1-Zellzyklusphasen-synchronisierte Zellen den Effekt verlieren, der in nicht synchronisierten Zellen gefundenen wurde. Dies ist für ihn ein Hinweis darauf, dass die ELF-Effekte "etwas mit einem Problem bei der DNA-Synthese zu tun haben müssen". Er stellte sich nach seinen Untersuchungen also klar gegen die Möglichkeit einer direkten Auslösung von DNA-Strangbrüchen durch die Einwirkung schwacher HF-Felder.

Die in diesem Zusammenhang beschränkte Einsatzmöglichkeit des COMET-Assays machte Schär gleich zu Anfang seiner Präsentation in einer vorweggenommenen "provokativen Conclusion" (bezogen auf HF und ELF) klar, in dem er sinngemäß sagte: "EMF makes no DNA damage, but EMF makes some biological effect that looks like DNA damage in the COMET assay. So, COMET is not the right thing to look on EMF effects." ("EMF verursacht keine DNA-Schäden, aber EMF bewirkt irgendeinen biologischen Effekt, der im COMET-Assay wie eine DNA-Schädigung aussieht. Daher ist der COMET-Assay nicht das richtige Mittel, um nach EMF-Effekten zu suchen.") Bei den Effekten meinte er dabei wohl hauptsächlich die für ihn evidenten ELF-Effekte und weniger die vernachlässigbaren HF-Effekte.

Die Sitzung zum schweizer NFP 57 war nicht öffentlich, aber für jeden Teilnehmer der BEMS-Tagung auf einfache Anmeldung hin frei zugänglich. Bild- und Tonaufnahmen während der Sitzung waren aber strikt untersagt. Daher gibt es bislang keinerlei Reproduktionen der gezeigten Vortragspräsentationen, sondern nur persönliche Protokolle. Die Veranstalter sagten aber zu, die Präsentationen "so bald wie möglich und mit Zustimmung der Referenten" auf den Internetseiten des schweizer NFP 57 zu veröffentlichen.

Zu Ihrer Frage, warum das, was Schär mündlich vorgetragen hat, nicht im gedruckten Abstract seines Vortrags wiederzufinden ist:
Ich halte Herrn Schär aus persönlichen Gesprächen für einen äußerst ernsthaften, vorsichtigen und zudem hochkarätigen Wissenschaftler, der es gern vermeidet einen falschen oder zu frühen Schritt zu tun. Er macht lieber noch ein, zwei interne Replikationen eines Ergebnisses mehr, bevor er sich bei diesem Ergebnis wirklich sicher fühlt. So ist es vielleicht zu erklären, dass man so lange auf seine "REFLEX-Replikation" in schriftlicher Form warten muss und dass das genannte Ergebnis in seinem Abstract noch nicht zu finden ist. Womöglich war er sich Anfang Januar, als die Abstracts eingereicht werden mussten, immer noch nicht ganz sicher. Ich kenne ihn so, dass er wirklich um die Wahrheit in dem Forschungsfeld ringt, in dem er gerade untersucht, und dass er keine voreiligen Schlüsse ziehen möchte. Ich halte es daher für legitim, dass man auf die erste schriftliche Aussage von ihm bis zur entsprechenden peer-reviewed Publikation oder bis zum Abschlussbericht im entsprechenden Forschungsprogramm warten muss.

Viele Grüße
Frank Gollnick

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Dr. Frank Gollnick
Biologe, Wissenschaftlicher Berater
Forschungsgemeinschaft Funk e.V. (FGF)
Rathausgasse 11a
D-53111 Bonn

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FGF, Gollnick, Schär, Adlkofer, Comet-Assay, NFP 57, BEMS, DNA-Strangbrüche, HF-Exposition, Davos, Mikrokern

Reflex-Replikation: Artefakte statt DNA-Strangbrüche

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 06.07.2016, 15:23 (vor 1659 Tagen) @ H. Lamarr

Die in diesem Zusammenhang beschränkte Einsatzmöglichkeit des COMET-Assays machte Schär gleich zu Anfang seiner Präsentation in einer vorweggenommenen "provokativen Conclusion" (bezogen auf HF und ELF) klar, in dem er sinngemäß sagte: "EMF makes no DNA damage, but EMF makes some biological effect that looks like DNA damage in the COMET assay. So, COMET is not the right thing to look on EMF effects." ("EMF verursacht keine DNA-Schäden, aber EMF bewirkt irgendeinen biologischen Effekt, der im COMET-Assay wie eine DNA-Schädigung aussieht. Daher ist der COMET-Assay nicht das richtige Mittel, um nach EMF-Effekten zu suchen.") Bei den Effekten meinte er dabei wohl hauptsächlich die für ihn evidenten ELF-Effekte und weniger die vernachlässigbaren HF-Effekte.

In der Zusammenfassung "Final Report Summary - SEAWIND" (Sound Exposure and Risk Assessment of Wireless Network Devices) gab 2012 Primo Schär detaillierter Auskunft über die Probleme, die er bei der Replikation von DNA-Brüchen infolge EMF-Einwirkung beobachtete, und deren Ursache er im untauglichen Kometentest verortete (falsch-positive Resultate). Dies ist deshalb von Bedeutung, weil der Kometentest einer von zwei DNA-Strangbruchdetektoren war, auf die sich die Ergebnisse der Wiener "Reflex"-Studien stützen. Was immer die Forscher in Wien durch ihre Mikroskope beim Betrachten der "Kometenschweife" gesehen haben, DNA-Bruchstücke und damit alarmierende Belege für DNA-Strangbrüche waren es gemäß Schär nicht.

Genotoxicity Testing in cultured human cells (in vitro)

Evidence for a potential genotoxic effect of wEMF [weak EMF; Anm. Spatenpauli] at 0.1 to 2 W/kg was obtained mostly from the so-called "Alkaline Comet assay", a classical experimental test to evaluate and quantify the level of DNA damage, in particular DNA strand-breaks and alkaline labile sites, in cell populations. In the SEAWIND project, we made use of this assay to re-visit the potential of wEMFs to induce DNA damage in in vitro cultured human cells. In addition to the standard test, we applied a modified version of the assay that allows a specific and more sensitive detection of oxidative DNA base lesions. Moreover, to address potential wEMF effects more comprehensively, the SEAWIND project not only tested previously reported observations but extended the investigation to a wider range of wEMF signals and modulations that have become important for wireless data transfer in recent years and to the exploration of potential co-genotoxic effect.

The first series of experiments focused on the replication of previously reported observations with the alkaline Comet assay that indicated an induction of DNA damage by mobile phone-specific UMTS and GSM signal modulations in primary human fibroblast and immortalized human trophoblast cells (HTR-8/SVneo cells). Despite considerable efforts to optimize the sensitivity of our assays, however, these effects could not be confirmed in the two SEAWIND partner laboratories. Likewise, the subsequent systematic testing of potential effects of the WiFi, RFID and CW exposure signals in the Comet assays failed to produce evidence for DNA damage induction.

To validate these results and to address the hypothesis that wEMFs might alter intracellular levels of reactive oxygen species (ROS), we systematically assessed the wEMF signals for induction of oxidative DNA damage. For this purpose, we applied the enzyme-modified version of the Comet assay, designed to specifically detect a common oxidative base modification with high sensitivity. As the standard alkaline Comet analyses, however, this assay produced no evidence for increased oxidative DNA base lesions in the two cell types tested. Consistent with this lack of effect in the enzyme-modified Comet assay, we did not observe any EMF-induced change in intracellular ROS using a highly-sensitive, fluorescence microscopy-based method that traps the short-living ROS and converts it into a more persistent fluorescence signal. Notably, this assay was negative, even if it was performed under 50Hz EMF exposure that previously produced a measurable effect in the alkaline Comet assay. Thus, as both the intracellular ROS detection and the oxidative Comet assay are very sensitive methods, we conclude that ROS-mediated oxidative DNA damage is not an important contributor to potential genotoxic effects related to wEMF exposure under the experimental conditions.

The development and application of standardized experimental procedures, including the blinded exposure and evaluation as well as the independent confirmation of key findings in the two partner laboratories, was an important conceptual strength of this part of the SEAWIND project, meant to avoid eventual inconsistencies in reproducibility that often occurred in this field of research. Minor variations of experimental conditions, due to differences in the technical infrastructure between laboratories, however, are difficult to eliminate and may have contributed to the contradictory outcome of similar experiments in the past. We addressed the issue of experimental variation, focusing on the consistency of results generated by different Comet analysis pipelines. This showed, not unexpectedly, that the methods used in the two partner laboratories produced slightly different results from otherwise identical experiments or even data sets. Thus, minor technical issues like this may add up in the multistep protocol of the Comet assay and culminate in an overall experimental variation that, if the effect under investigation is small, may produce small positive results in some analyses and negative outcomes in others. This is a negligible issue if the agent assayed is clearly DNA toxic and affects homogeneously most cells in a population with a consistent dose-dependency. EMF exposure, however, has never produced strong dose-dependent responses and the data underlying positive effects (e.g. ELF-EMF exposed human cells) suggest that only a subpopulation cells in a culture may be affected. All considered, the inconsistent nature of EMF effects in the Comet assay strongly suggests that this type of exposure does not damage the chemical structure of the DNA. It may, however, affect certain aspects of cell physiology in a way that alters the steady-state level of naturally occurring DNA strand breaks in some cells. Cells undergoing DNA synthesis, for instance, have intrinsically increased levels of DNA strand breaks that are picked up by the Comet assay, and there is evidence from ELF-EMF studies that the dynamics of such processes might be influenced under exposure.

In conclusion, considering both the results reported in the literature and the observations of the biological in vitro part of the SEAWIND project, there is no evidence for a direct DNA damaging potential of wEMFs. However, wEMF exposure might impact cellular processes that, in combination with other environmental stressors, could result in molecular readouts resembling those of genotoxins. Such effects could explain the occasionally reported positive result with the Comet assay.

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Prof. Adlkofer: Replikation von Primo Schär nicht misslungen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 02.07.2009, 00:15 (vor 4221 Tagen) @ H. Lamarr

Am 27. Juni 2009 fragten wir bei Prof. Franz Adlkofer nach, wie er die jüngste Entwicklung bei der Reflex-Replikation sieht. Die Antwort geben wir nachfolgend im Wortlaut wieder, unsere sechs Fragen haben wir zur leichteren Lesbarkeit unmittelbar vor die zugehörigen Antworten eingefügt.


Sehr geehrter Herr Schall, sehr geehrter Herr Dinger,

bezüglich Ihrer ähnlich lautenden Nachfragen darf ich Sie versichern, dass es entgegen der Darstellung von Prof. Alexander Lerchl keinen Grund gibt, an der Glaubwürdigkeit der Ergebnisse der REFLEX-Studie und ihrer Nachfolgeuntersuchung zu zweifeln. Nachdem seine in der Wahl der Mittel beispiellose Kampagne, die die Rücknahme von Publikationen mit weitreichenden industriepolitischen Konsequenzen aus der wissenschaftlichen Literatur zum Ziel hatte, trotz massiver Unterstützung interessierter Kreise scheiterte, ist unschwer zu erraten, warum er nicht aufgibt, das für ihn Unmögliche doch noch möglich zu machen. Es geht um seinen Kopf als Leiter des Ausschusses Nichtionisierende Strahlen bei der Strahlenschutzkommission des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Wenn das BfS sich zu der Erkenntnis durchringen sollte, dass die Aktivitäteten dieses Mannes der ihm zugedachten Aufgabe als Schützer der Bevölkerung vor elektromagnetischen Feldern, insbesondere jedoch vor der Mobilfunkstrahlung, Hohn sprechen, wäre er als Leiter dieses Ausschusses nicht mehr zu halten. Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, den Stand der Dinge durch Beantwortung der mir von Ihnen, Herr Schall, vorgelegten Fragen dar- und richtig zu stellen:

1) IZgMF: Können Sie bestätigen, dass Prof. Schär eine erfolgreiche Replikation des HF-Teils von Reflex nicht gelungen ist und möchten Sie dieses Resultat ggf. kommentieren?

Prof Schär hat bis jetzt lediglich zwei Fibroblasten-Zelllinien nach Exposition gegenüber HF-EMF (GSM) untersucht. In der ersten Fibroblastenkultur fand er nach einer 16-stündigen Exposition bei einem SAR-Wert von 1 W/kg keinen signifikanten, aber einen trendmäßigen Anstieg der DNA-Strangbruchrate. In der zweiten Fibroblastenkultur beobachtete er unter denselben Expositionsbedingungen einen signifikanten Anstieg der DNA-Strangbruchrate, gleichgültig ob die Messung wie in Wien durch Auszählen der Strangbrüche unter dem Mikroskop oder durch eine vollautomatische Auswertung ohne jegliche persönliche Einflussnahme erfolgte. Wer bei dieser Sachlage behauptet, dass Prof. Schär die Wiener Forschungsergebnisse nicht bestätigt hat, hat keinen Grund mehr, sich als Wissenschaftler selbst noch ernst zu nehmen. Wie von mir wiederholt festgestellt, widerlegen Befunde dieser Art die Zuverlässigkeit der bestehenden Grenzwerte.

2) IZgMF: Auf der BfS-Veranstaltung wurde vorgetragen, bisher seien weder der NF- noch der HF-Teil von Reflex jemals erfolgreich repliziert worden. Ist diese Darstellung zutreffend - ich meine, Sie hätten von erfolgreichen Replikationen berichtet (wenn ja, bitte das Jahr nennen, den federführenden Wissenschaftler und die Institution).

Bei einer BfS-Veranstaltung zu erfahren, dass NF-EMF und HF-EMF über ein gentoxisches Potential verfügen, ist eine Illusion, so lange der Leiter des Ausschusses Nichtionisierende Strahlen Alexander Lerchl heißt. Prof. Schär hat die im Rahmen der REFLEX-Studie (2000-2004) erhaltenen Forschungsergebnisse zur gentoxischen Wirkung von NF-EMF (50 Hz) in einer umfangreichen Untersuchung, über die er bereits bei mehreren Gelegenheiten berichtet hat, vollinhaltlich bestätigt, was auch dem BfS längst bekannt sein müsste. Was die gentoxischen Wirkungen von HF-EMF angeht, verweise ich auf 1) und die im Rahmen der REFLEX-Studie an der Charité in Berlin durchgeführten Untersuchungen. Ein weiterer Wiederholungsversuch bei einer dritten Arbeitsgruppe steht kurz vor dem Abschluss. Eine vorläufige Auswertung der dabei erhaltenen Daten ergibt ebenfalls, dass HF-EMF die DNA-Strangbruchrate in menschlichen Fibroblasten signifikant erhöht.

3) IZgMF: Steht Reflex nicht vor dem wissenschaftlichen "Aus", wenn Prof. Schär tatsächlich an der erfolgreichen Replikation des HF-Teils gescheitert ist und zugleich die Fälschungsvorwürfe gegen ein Mitglied der Wiener Reflex-Arbeitsgruppe nicht vom Tisch sind?

Nicht REFLEX, sondern die von Alexander Lerchl gemeinsam mit dem SPIEGEL und dem Rektor der Medizinischen Universität Wien betriebene Schmuddelkampagne gegen die REFLEX-Studie und ihre Nachfolgeuntersuchung steht vor dem "Aus". Nicht die Forscher der REFLEX-Studie, sondern deren Verleumder werden aus dieser Auseinandersetzung beschädigt hervorgehen. Keine der kritisierten Publikationen wird je zurückgezogen werden. Diese Erkenntnis dürfte den Zorn und die Wut erklären, die Alexander Lerchls jetzige und vermutlich letzte Kampagne auszeichnet. Der Fälschungsvorwurf gegenüber einem Mitglied der Wiener Arbeitsgruppe hat sich nach dem Wechsel des Vorsitzes im Ethikrat von einem Anwalt der Telekommunikationsindustrie zu einem unabhängigen Juristen von selbst erledigt.

4) IZgMF: Gibt es wegen der Fälschungsvorwürfe gegenüber Reflex seitens der EU Regressansprüche an die Stiftung Verum, geleistete Fördermittel zurückzuerstatten?

Wenn es von Seiten der EU-Kommission Regressansprüche gegenüber der REFLEX-Studie gäbe, müsste mir dies als Koordinator der Studie bekannt sein. Dies ist jedoch nicht der Fall. Ihre diesbezügliche Anfrage zeigt jedoch, dass die Organisatoren der Verleumdungskampagne gegenüber der REFLEX-Studie und ihrer Nachfolgeunterersuchung vor keinem Mittel zurückschrecken, mag es noch so schäbig sein, um die von der Industrie als wenig nützlich empfundenen wissenschaftlichen Erkenntnisse doch noch aus der Welt zu schaffen. Es wird beim Wunschdenken bleiben.

5) IZgMF: Betrachten Sie die Fälschungsvorwürfe gegen die Wiener Reflex-Arbeitsgruppe als widerlegt und erledigt?

Ja!

6) IZgMF: Womit hat die EU ihre Absage begründet, das Reflex-Nachfolgeprojekt "Mophorad" finanziell zu fördern, spielen die Vorgänge um die Wiener-Arbeitsgruppe Ihrer Einschätzung nach hierbei eine Rolle und ist die Absage der EU das "Aus" für "Mophorad"?

Die EU-Kommission zog es offensichtlich unter dem Eindruck der zeitlich gut abgestimmten Verleumdungskampagne gegen die REFLEX-Studie vor, anstelle des MOPHORAD-Antrags, dem natürlich Ergebnisse aus dem REFLEX-Projekt zugrunde liegen, ein Forschungsvorhaben aus dem Bereich der Epidemiologie zu fördern, obwohl das MOPHORAD-Projekt ebenfalls eine hohe Wertung erhalten hatte. Gegenwärtig laufen Bemühungen, die zum Ziel haben, das MOPHORAD-Projekt unabhängig von einer Förderung durch die EU-Kommission zu verwirklichen. Um vorstellbare Risiken der Mobilfunkstrahlung möglichst bald mit ausreichender Sicherheit zu erfassen oder auszuschließen, ist Grundlagenforschung - wie in dieser Studie vorgesehen - dringend erforderlich. Die Ergebnisse epidemiologischer Forschung werden leider erst vorliegen, wenn das von vielen bereits jetzt befürchtete Unheil längst eingetreten ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. med. Franz Adlkofer
Stiftung VERUM

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Prof. Adlkofer: Nicht die Masten sind das Problem ...

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 02.07.2009, 10:09 (vor 4220 Tagen) @ H. Lamarr

In der ersten Fibroblastenkultur fand er nach einer 16-stündigen Exposition bei einem SAR-Wert von 1 W/kg keinen signifikanten, aber einen trendmäßigen Anstieg der DNA-Strangbruchrate.

Nur zur Sicherheit für alle, die mit diesem SAR-Wert nicht klar kommen: Das ist das 12,5-fache des Grenzwerts für Ganzkörperbefeldung (0,08 W/kg). Die Ergebnisse von Primo Schär haben deshalb mit den Ängsten von Sendemastengegnern nicht das geringste zu tun, sie betreffen allein eine Situation, wie sie unter ungünstigen Umständen (Sendemasten wurden z.B. wegen diffuser Ängste aus Wohngebieten an den Stadtrand verdrängt) beim Telefonieren mit Handys vorkommen können.

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