Neue Funkmasten mobilisieren Kritiker (Allgemein)

KlaKla, Sonntag, 17.05.2009, 09:15 (vor 3861 Tagen)

WEINGARTEN (dg) Die Empörung war groß im Gemeinderat Weingarten, als Oberbürgermeister Markus Ewald bekannt gab, dass O2 auf dem Gebäude Ravensburger Straße 20 eine Mobilfunkantenne errichtet hat. "Hier sind uns jedoch die Hände gebunden", entgegnete Markus Ewald auf die Proteste.

In der Tat handelt es sich bei dem Standort um ein so genanntes Mischgebiet mit Gewerbeansiedlungen, zudem ist die Antenne knapp unter zehn Meter, also genehmigungsfrei. "Wir müssen uns an das geltende Recht halten", so Ewald. Der Vorgang ist dennoch ungewöhnlich, räumt die Verwaltung ein, denn: "Eine Abstimmung mit der Stadt über eine Suchkreisanfrage hat nicht stattgefunden." Bei dieser Suchkreisanfrage stimmen sich Verwaltung und Mobilfunkanbieter ab, um im Konsens einen geeigneten Standort zu finden. In Ravensburg gibt es entsprechend einen "Runden Tisch Mobilfunk".

"In diesem Fall hat man uns aber vor vollendete Tatsachen gestellt", sagt Stadtsprecher Rainer Beck. Dass die Firma eine Antenne installieren will, war nach einem telefonischen Kontakt im April zwar bekannt, damals hat die Stadt jedoch vorgeschlagen, die Anlage nahe der Bahnlinie zu errichten. Dort will ein anderer Anbieter einen rund 30 Meter hohen Sendemast aufbauen. Gegen dieses Vorhaben hat die Stadt Einspruch erhoben, das Verfahren liegt beim Verwaltungsgericht. "Sollte das Gericht den Mast aber erlauben, böte es sich an, dort mehrere Antennen zu konzentrieren", sagt Nicolas Werckshagen, Leiter im Planungsamt. Diesen Vorschlag hat O2 aber ignoriert. "Wir werden die Firma nun zu einer Stellungnahme auffordern", so Werckshagen.

Die hat O2 bereits gegenüber der SZ abgegeben. "Die Antenne ist ein Ersatz für eine andere 500 Meter westlich", so ein Sprecher. In der mündlichen Anfrage habe die Stadt der Firma geraten, sich einen Standort in einem Gewerbebereich zu suchen. "Das haben wir getan. Eine unzureichende Information liegt meines Erachtens nicht vor", so der Sprecher.

O2 hat jüngst immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. In Wain (Kreis Biberach) etwa hat die Firma einen Mast aufgestellt, obwohl der Gemeinderat dagegen war. Gut im Gedächtnis sind auch die massiven Bürgerproteste gegen die O2-Mobilfunkantenne, die nun in Sickenried steht.
Belastung für Gesundheit?

Aktuell formieren sich Kritiker von Sendeanlagen gegen das Tetra-Behördenfunknetz für Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte im Kreis Ravensburg. Die digitale Übertragungstechnik soll europaweit den bisherigen analogen Behördenfunk ablösen. ÖDP-Kreisvorsitzender Peter Schröder hat bereits vor den gesundheitlichen Gefahren gewarnt und den Landrat aufgefordert, die Standorte für die geplanten Sendeanlagen zu benennen.

Dem wird das Landratsamt nicht nachkommen. Das Amt bestätigt zwar den Aufbau des Netzes sowie eine Pilotphase ab kommenden Jahr, gibt aber die Standorte der Sendeanlagen nicht bekannt. Grund: Das Netz dient auch der Polizei, funktioniert es etwa in Folge von Anschlägen nicht, sei die öffentliche Sicherheit bedroht, so landesweit die Begründung.

ÖDP-ler Schröder warnt unterdessen; die gegenüber dem bekannten Mobilfunksystem niedrigere Strahlenfrequenzen beim neuen Behördenfunk "sind nach aktuellem Stand noch kritischer für den menschlichen Organismus zu bewerten".

Stimmt nicht, sagt Dr. Wolfgang Dieing, DRK-Kreisverbandsarzt. Frühere Groß-Funkmasten seien wohl schädlich gewesen, wegen ihrer hohen Reichweite und Intensität. "Bei Tetra wird jedoch ein breites Netz von Signalanlagen aufgebaut, mit jeweils geringer Strahlung."

Diese Abdeckung mit Anlagen diene dem Schutz der Einsatzkräfte. Denn je weiter eine Anlage entfernt ist, desto stärker muss das jeweilige Empfängergerät arbeiten, um ein Signal zu bekommen. Und je stärker das Empfängergerät arbeitet, desto höher die Strahlenbelastung für den Träger.

Deshalb hält es der Mediziner auch für unsinnig, keine Mobilfunkantennen in Nähe von Schulen aufzustellen. Denn je weiter die Antenne weg ist, desto höher sei die Strahlung der Handys von Schülern.

Quelle: SZON

(Erschienen: 16.05.2009)

Kommentar: Traurig, wenn Politiker Antennen in Gewerbegebiete verbannen. Auch dort leben Menschen und diese dürfen nicht behandelt werden wie Menschen zweiter Klasse damit Wohlsituiertere weniger belastet werden.

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Politik, ödp, Verwaltungsgericht, Bürgerprotest

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