Dosimetrie: Kinder kriegen tatsächlich mehr ab (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 18.04.2009, 00:23 (vor 5545 Tagen)

Neues vom DMF:

Untersuchungen zu altersabhängigen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf der Basis relevanter biophysikalischer und biologischer Parameter

Die Untersuchung bestätigt einerseits die heutigen Typenprüfungsverfahren für Mobiltelefone (am Kopf) als konservativ, so dass aus den Resultaten in dieser Hinsicht keine Notwendigkeit der Änderungen bestehender Verfahren abzuleiten ist.

Andererseits zeigen die Ergebnisse aber auch, dass v. a. bei jüngeren Kindern im Vergleich zum Erwachsenen in bestimmten Regionen des Gehirns höhere Energieabsorptionen auftreten können. Diese vergleichsweise höheren Belastungen gehen auf die unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten und die geringeren Abstände zwischen Strahlenquelle und Zielstruktur zurück und – mit Ausnahme des Knochenmarks – nicht auf altersabhängige Gewebeeigenschaften. Die Frage, ob diese Unterschiede gesundheitsrelevante Auswirkungen haben, kann diese rein dosimetrische Studie nicht beantworten. Bisherige Ergebnisse aus experimentellen und epidemiologischen Studien weisen nicht auf negative Effekte hin, allerdings wird in diesem Bereich noch Forschungsbedarf gesehen, v. a. was Langzeitwirkungen auf das bei Kindern noch in der Entwicklung befindliche Nervensystem betrifft.

Aus den Ergebnissen ergibt sich kein Handlungsbedarf im Sinne einer Absenkung der Grenzwerte oder einer Änderung der Typenprüfungsverfahrens, da diese als konservativ bestätigt werden. Allerdings unterstreichen die Ergebnisse die vom BfS gegebenen Empfehlungen zur Expositionsminimierung insbesondere für Kinder. Weitere experimentelle Untersuchungen werden als notwendig erachtet.

Zum Abschlussbericht der Studie

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Kinder, Dosimetrie, DFM

Eine Schlussfolgerung aus dem Ergebnis

KlaKla, Samstag, 18.04.2009, 09:50 (vor 5545 Tagen) @ H. Lamarr

Aus den Ergebnissen ergibt sich kein Handlungsbedarf im Sinne einer Absenkung der Grenzwerte oder einer Änderung der Typenprüfungsverfahrens, da diese als konservativ bestätigt werden. Allerdings unterstreichen die Ergebnisse die vom BfS gegebenen Empfehlungen zur Expositionsminimierung insbesondere für Kinder.

So gesehen ist es Verantwortungslos wenn Gemeindevertreter, Sendemasten an den Stadtrand drängen weil besorgte Anwohner sich aufplustern und durch Hetzparolen bekannter (geschäftlich orientiert) Mobilfunkgegner nur den Sendemasten als Strahlenquelle im Fokus haben.

Sachlich richtige Aufklärung würde mMn. darin bestehen, dass man den Anwohnern auch die Konsequenzen klar auf den Tisch legt. Wenn ein Sendemast am Stadtrand steht, muss das Handy seine Leistung hochregeln und die Belastung für die Nutzer steigt. Gerade in Hinblick darauf, dass Kindern ein Handy zur Sicherheit mitgegeben wird, tragen diese jedoch die Konsequenz und es trifft sie vermutlich härter als Erwachsene. Eltern sollten die Chance haben, darüber nachzudenken, bevor sie für/und mit ihren Kindern auf die Straße gehen um zu demonstrieren, oder leichtfertig eine Unterschriften leisten gegen den Sendemasten in ihrer Nachbarschaft.

"Anhand einer exemplarischen Untersuchung (Dr. Bornkessel, IMST/em-Institut) in den Orten Griesbach und Ruhstorf zeigte sich mehr als deutlich, dass bei einer Verbannung von Sendern in die Außenbezirke die Zeche von den Handynutzern zu tragen ist, also praktisch von allen. Oder anders gesagt: Um den faktisch nicht begründbaren Ängsten weniger Bürger vor schwacher Dauerbefeldung durch Sendemasten zu entsprechen, müssen alle Bürger bei Handytelefonaten eine deutlich höhere Funkfeldbelastung in Kauf nehmen."

Die schwerwiegenden Gründe aus Stuttgart gegen Mobilfunkmasten in Wohngebieten sind dubiose Gründe, dubioser Gruppierung die nur den verhasten Sendemast vor der eigenen Nase entfernen möchten.

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Verantwortungslos, Sendemastgegner, EM-Institut

Eine Schlussfolgerung aus dem Ergebnis

Doris @, Samstag, 18.04.2009, 22:06 (vor 5544 Tagen) @ KlaKla

So gesehen ist es Verantwortungslos wenn Gemeindevertreter, Sendemasten an den Stadtrand drängen weil besorgte Anwohner sich aufplustern und durch Hetzparolen bekannter (geschäftlich orientiert) Mobilfunkgegner nur den Sendemasten als Strahlenquelle im Fokus haben.

Aber nicht nur für Kinder, sondern wenn dann schon allgemein gesehen. Allerdings werden meiner Beobachtung nach Standorte nicht vorrangig unter dem Aspekt der möglichst geringen Belastung für den Handytelefonierer gewählt.
Wer die Broschüre "Mobilfunk in den Kommunen" gelesen hat, muss feststellen, dass Senderstandorte nicht immer mit dieser Sorgfalt ausgewählt werden.
Kürzlich wurde hier im Forum mal von einem Teilnehmer geäußert, dass die Genehmigung eines Senders über 10 m Höhe eine reine Formsache sei. Bei unserem neuen Sender hier im Ort, frage ich mich, warum dies dann nicht praktiziert wurde. Wie kürzlich geschrieben, hat ein Unternehmer eines seiner Fabrikdächer (sehr niedrig) zur Verfügung gestellt für eine Antenne mit 3 Sektoren. Direkt neben der Firma hat der Mann sein Wohnhaus, welches das Firmengebäude deutlich überragt. Die Antenne ist unter 10 m und ragt deshalb nicht über das Haus, sondern steht auf Höhe des ausgebauten Dachgeschosses des Hauses in ca. 10 - 15 m Entfernung. Die Sektoren sind so platziert, dass eine rechts und eine links recht knapp an seinem Wohnhaus vorbeigehen. Ein paar Meter höher wäre sicherlich für ihn und ein paar andere Anwohner (ist allerdings ein Industriegebiet mit ein paar Wohnhäusern) besser gewesen.


Sachlich richtige Aufklärung würde mMn. darin bestehen, dass man den Anwohnern auch die Konsequenzen klar auf den Tisch legt. Wenn ein Sendemast am Stadtrand steht, muss das Handy seine Leistung hochregeln und die Belastung für die Nutzer steigt. Gerade in Hinblick darauf, dass Kindern ein Handy zur Sicherheit mitgegeben wird, tragen diese jedoch die Konsequenz und es trifft sie vermutlich härter als Erwachsene. Eltern sollten die Chance haben, darüber nachzudenken, bevor sie für/und mit ihren Kindern auf die Straße gehen um zu demonstrieren, oder leichtfertig eine Unterschriften leisten gegen den Sendemasten in ihrer Nachbarschaft.

Hier haben Sie grundsätzlich Recht. Aber Verantwortung für Kinder sollte eigentlich nicht darin bestehen, ihnen den Sendemast vor die Nase zu setzen, denn sonst könnten wir ihnen ja eine tragbare mitzuführende Picozelle um den Hals hängen. Die allerwenigsten Handytelefonierer und Kinder schon gar nicht, prüfen das Netz, bevor sie telefonieren.

Die schwerwiegenden Gründe aus Stuttgart gegen Mobilfunkmasten in Wohngebieten sind dubiose Gründe, dubioser Gruppierung die nur den verhassten Sendemast vor der eigenen Nase entfernen möchten.

Dies halte ich in einer Stadt sowieso für einen Blödsinn. Wo gibt es denn in Städten keine Wohngebiete und bei dem hohen Telefonieraufkommen in Städten kann man man nun mal nicht die Sender, unabhängig davon, wie sich dies auf den Telefonierenden auswirkt, "raus" setzen. Von daher habe ich gerade in Stuttgart immer mehr den Eindruck, es geht Herrn Hensinger erstrangig um "seinen" Sendemast.

Tags:
Wohngebiet

Dosimetrie: Kinder kriegen tatsächlich mehr ab

Doris @, Samstag, 18.04.2009, 23:22 (vor 5544 Tagen) @ H. Lamarr

Andererseits zeigen die Ergebnisse aber auch, dass v. a. bei jüngeren Kindern im Vergleich zum Erwachsenen in bestimmten Regionen des Gehirns höhere Energieabsorptionen auftreten können. Diese vergleichsweise höheren Belastungen gehen auf die unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten und die geringeren Abstände zwischen Strahlenquelle und Zielstruktur zurück und – mit Ausnahme des Knochenmarks – nicht auf altersabhängige Gewebeeigenschaften. Die Frage, ob diese Unterschiede gesundheitsrelevante Auswirkungen haben, kann diese rein dosimetrische Studie nicht beantworten.

Das ist in der kompletten Studie übrigens so ausgeführt

Größere altersbedingte Veränderungen wurden bei der Belastung einzelner Gewebe und Hirnregionen festgestellt. Diese können sowohl tiefer im Gehirn liegende Gebiete als auch seine Oberfläche und das Knochenmark betreffen. Im einzelnen sind folgende Aussagen möglich:
• Die Belastung tief im Gehirn liegender Regionen (z. B. Hippocampus und Hypothalamus)kann bei jungen Kindern um mehr als einen Faktor zwei höher liegen als bei Erwachsenen.
Dies muß bei Studien zu nichtthermischen Effekten [5, 6, 7, 8] besonders berücksichtigt (Hervorhebung durch mich, s.u.)
werden. Liegt das Maximum der Peak Spatial Average SAR des Gehirngewebes in der Nähe des Maximums der über alle Gewebe gemittelten SAR, kann dieser in der Größenordnung der für das Telefon bestimmten SAR liegen. Ein Überschreiten des Grenzwertes ist aber sehr unwahrscheinlich.
• Auf Grund der mit dem Alter starken Abnahme der elektrischen Leitfähigkeit des Knochenmarks kann die Belastung dieses Gewebes bei Kindern um einen Faktor zehn höher liegen als bei Erwachsenen. Ein direkter Vergleich mit der Peak Spatial Average SAR erscheint auf Grund des würfelförmigen Mittelungsvolumens schwierig, wenn nur Knochenmarksgewebe berücksichtigt werden soll.
• Die Belastung des Auges ist bei Kindern ebenfalls deutlich höher als bei Erwachsenen. Da die Belastung des Auges durch Mobiltelefone allgemein sehr niedrig ist, stellt dies im Hinblick auf thermische Effkete kein Problem dar.
• Oberflächennahe Regionen des Gehirns können auf Grund ihrer unterschiedlichen relativen Lage im Verhältnis zum Ohr bei Erwachsenen und Kindern verschieden stark belastet werden. Für die Peak Spatial Average SAR im Kleinhirn wurden bei Kinderkopfmodellen mehr als doppelt so hohe Werte wie bei Erwachsenen ermittelt. Diese Unterschiede hängen jedoch stark von der Stromverteilung auf dem Telefon ab.

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Hier wird mal wieder auf Studien zu nichtthermischen Effekten hingewiesen und das obwohl die Kritiker der Bevölkerung ja immer wieder zu verstehen geben, dass der Knackpunkt der Nichtanerkennung der Schädlichkeit im Abstreiten von nichtthermischen Effekten liegt.

Auf folgende Studien wird übrigens Bezug genommen.

(5)Reto Huber, Valerie Treyer, Jürgen Schuderer, Thomas Berthold, Alexander Buck, Niels
Kuster, Hans-Peter Landolt, and Peter Achermann, “Exposure to pulse-modulated radio
frequency electromagnetic fields affects regional cerebral blood flow”, European Journal of
Neuroscience, vol. 21, no. 4, pp. 1000–1006, February 2005

(6)Sabine J. Regel, Gilberte Tinguely, Jürgen Schuderer, Martin Adam, Niels Kuster, Hans-
Peter Landolt, and Peter Achermann, “Pulsed radio-frequency electromagnetic fields: Dosedependent
effects on sleep, the sleep EEG and cognitive performance”, Journal of Sleep
Research, vol. 15, no. s1, pp. 171, September 2006.

(7)Sabine J. Regel, Julie M. Gottselig, Jürgen Schuderer, Gilberte Tinguely, Julia V. R´etey,
Niels Kuster, Hans-Peter Landolt, and Peter Achermann, “Pulsed radio frequency radiation
affects cognitive performance and the waking electroencephalogram”, Neuroreport, vol. 18,
no. 8, pp. 803–807, May 2007.

(8)Sabine J. Regel, Gilberte Tinguely, J¨urgen Schuderer, Martin Adam, Niels Kuster, Hans-
Peter Landolt, and Peter Achermann, “Pulsed radio-frequency electromagnetic fields: Dosedependent
effects on sleep, the sleep EEG and cognitive performance”, Journal of Sleep
Research, vol. 16, no. 3, pp. 253–258, September 2007.

Es wurden 3 verschiedene Mobiltelefone, mit jeweils unterschiedlichen Antennen verwendet und auch die unterschiedliche Positionierung am Ohr wurde bewertet.
Dies macht auch deutlich, wieviele Faktoren zugrundegelegt werden müssen, und dass selbst Handynutzung nichts Einheitliches und Eindeutiges ist.

Wie genau "jüngere Kinder" definiert sind, ist für mich nicht klar ersichtlich, da ich die unzähligen Tabellen auch nicht richtig deuten kann.
Da die Modelle bei kleinen Kindern auf 3- und 6-jährige Kinder bezogen sind, ist es zumindest so, dass diese Altersgruppe nun mal nicht die Hauptelefonierer sind und Eltern doch hoffentlich bei Kindern dieser Altersgruppe noch "Hirn" walten lassen.
So bietet diese Arbeit zwar durchaus interessante Aussagen, aber "Gefahr im Verzug" bedeutet es auch nicht.

Dosimetrie: Kinder kriegen tatsächlich mehr ab

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.04.2009, 00:37 (vor 5544 Tagen) @ Doris

Hier wird mal wieder auf Studien zu nichtthermischen Effekten hingewiesen und das obwohl die Kritiker der Bevölkerung ja immer wieder zu verstehen geben, dass der Knackpunkt der Nichtanerkennung der Schädlichkeit im Abstreiten von nichtthermischen Effekten liegt.

Stimmt, dieses Abstreiten kenne ich von meinen Anfangstagen her. Dabei ist es gar kein Abstreiten, sondern es wird lediglich behauptet, dass nichtthermische Effekte abgestritten würden. Den Unsinn, der hier mit drinsteckt, kennen wir von den ES, wenn es heißt, die ES würden so oder so reagieren. Dann wird zu Recht eingewendet, D I E ES gäbe es nicht. Ja mei, und ebensowenig gibt es D I E Abstreiter nichthermischer Effekte. Mag ja sein, dass irgendein unerfahrener Umweltreferent eines Betreibers dies tatsächlich einmal abgestritten hat. Na und?! Das ist wurscht, maßgebend ist in aller Regel nicht, was ein einzelner für Erkenntnisse hat, sondern was von diesen Erkenntnissen den Weg in den wissenschaftlich breiten Konsens findet. Und bei den Wissenschaftlern werden nichtthermische Effekte eben nicht unisono abgestritten, sondern seit langem untersucht.

Außerdem fällt mir bei der Abstreiter-Story dasselbe auf, wie bei anderen Dauerbrennern der Kritiker. Der Ursprung so einer Behauptung geht meist auf ganz wenige vielleicht sogar einzelne Personen zurück, die schon seit zehn Jahren und länger "richtungsweisend" sind. Der Baubiologe Maes ist so eine Person oder Sigi Zwerenz. Da verselbständigt sich dann eine Einzelmeinung durch endloses Kolportieren in Drucksachen, Faxverteilern, Webseiten, Rundmails und Presseberichten - in sagen wir mal zwei drei Jahren - zum Allgemeingut, das jeder nachplappert, aber nur einer weiß, wo es eigentlich genau her kommt.

So bietet diese Arbeit zwar durchaus interessante Aussagen, aber "Gefahr im Verzug" bedeutet es auch nicht.

Sollten sich die Hinweise verdichten, dass langjähriger intensiver Gebrauch von Handys den grauen Zellen massiv schaden kann (Interphone), dann gilt diese Erkenntnis zunächst für Erwachsene, die in ihrer Kindheit kein Handy benutzten, weil es noch keine gab. Bei dem Gedanken, dass die Interphone-Signale durch weitere (bessere) Studien bestätigt werden, macht mir die Erkenntnis dann schon Sorge, dass Kinderhirne doppelt so viel abkriegen wie Erwachsenenhirne. Denn dies würde bedeuten, die Wissenschaft könnten Leuten eine kommende Tumorwelle vorhersagen, wobei die Leute nicht teilnahmslose Beobachter sind, sondern selbst Betroffene, denn häufige Handytelefonate in jungen Jahren lassen sich eben nicht rückgängig machen. Vielleicht wird es so klarer was ich sagen will: Es geht Ihnen noch prächtig, aber Sie haben als junge Frau in einem Asbestplatten-Werk an der Säge gestanden. Und dann kommt vor Ihren Augen nach und nach raus, dass Asbest Lungenkrebs auslöst. Dann fängt bei Ihnen das bange Warten an und die Besuche beim Arzt werden seltener, er könnte ja etwas finden ... Wegen der irrsinnig großen Anzahl der Handynutzer wären die Asbestkranken nur ein schwacher Schatten der Handykranken.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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