Einfluss von Antennen- und Gerätetopologien (Allgemein)

Doris @, Freitag, 08.08.2008, 00:44 (vor 4257 Tagen)

Auf der Homepage des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms wurde der Abschlussbericht zu folgender Studie aus dem Bereich Dosimetrie veröffentlicht:

* Untersuchung des Einflusses von Antennen- und Gerätetopologien von körpernah betriebenen drahtlosen Kommunikationsendgeräten auf die von diesen verursachten SAR Werte

Ziel des Vorhabens war zu untersuchen, welche Einflüsse z. B. von den Antennen- und Gerätetopologien sowie von der Wahl der Sendefrequenz auf die resultierenden SAR Werte von körpernah betriebenen Endgeräten drahtloser Kommunikationsdienste ausgehen und Hinweise zum Erreichen von technisch möglichen Minimalwerten aufzuzeigen.

Fundstelle: Elektrosmoginfo RDW

Einfluss von Antennen- und Gerätetopologien

Gast, Samstag, 09.08.2008, 10:26 (vor 4255 Tagen) @ Doris

Ziel des Vorhabens war zu untersuchen, welche Einflüsse z. B. von den Antennen- und Gerätetopologien sowie von der Wahl der Sendefrequenz auf die resultierenden SAR Werte von körpernah betriebenen Endgeräten drahtloser Kommunikationsdienste ausgehen und Hinweise zum Erreichen von technisch möglichen Minimalwerten aufzuzeigen.

Fazit
Hinsichtlich der von körpernahen Quellen hervorgerufenen Expositionen verbessern die Ergebnisse des Projekts die diesbezügliche Datenlage erheblich. Bislang wurden derartige Szenarien vorwiegend durch externe Feldstärken beschrieben und die Inhomogenität der Felder im Nah- bzw. Übergangsfeld z. T. durch Mittelung über körperäquivalente Volumina berücksichtigt. In diesem Projekt wurde in einer Vielzahl von Szenarien konsequent die SAR in hochaufgelösten anatomischen Körpermodellen bestimmt und somit direkt Bezug auf die Basiswerte genommen. Die Ergebnisse enthalten wertvolle Informationen über das Verhältnis zwischen Teilkörper- und Ganzkörper-SAR-Werten in unterschiedlichen Szenarien und bei unterschiedlichen Frequenzen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass insbesondere durch gezielte geräteseitige Optimierungsmaßnahmen eine Verminderung der Ganzkörper-SAR um mehr als 80% erreicht werden kann ohne eine Verschlechterung der Übertragungsqualität (beurteilt anhand des 'mean effective gain' MEG) in Kauf nehmen zu müssen. Dagegen wird die Möglichkeit einer Verringerung der SAR durch Aufteilung der Gesamtleistung auf mehrere Antennen aufgrund der Feldinterferenzen im Nahfeld und der engen Toleranzen für eine optimale Positionierung der körpernahen Endgeräte als wenig geeignet bewertet, es sei denn, dass durch den gleichzeitigen Einsatz von MIMO-Technologien eine Reduzierung der Gesamt-Sendeleistung erzielt werden kann. Im Zusammenhang mit MIMO sind auch die Endergebnisse aus den entsprechenden Teilprojekten der miniWatt II Studie abzuwarten.

Einfluss von Antennen- und Gerätetopologien

Doris @, Samstag, 09.08.2008, 19:00 (vor 4255 Tagen) @ Gast

Die Ergebnisse enthalten wertvolle Informationen über das Verhältnis zwischen Teilkörper- und Ganzkörper-SAR-Werten in unterschiedlichen Szenarien und bei unterschiedlichen Frequenzen.

Hier geht es speziell um die Geräte (DECT-Basis und WLAN etc.) die in "strahlender Konkurrenz" zu Mobilfunkbasisstationen stehen.

Das wäre doch wieder das Spezialgebiet von "kuddel". Sind die aufgezeigten hier genannten Werte Spitzen- oder Mittelwerte?

Für meine Begriffe je nach Platzierung der DECT Basis und der Dauer des Arbeitens mit dem Laptop auf dem Oberschenkel doch eine teilweise relativ hohe Belastung, denen anteilmäßig mehr Bürger ausgesetzt sind/sein können. Dieses Szenario ist in mehr Haushalten gegeben als eine Belastung mit Werten in der Größenordnung durch die Mobilfunkbasisstation von draußen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass insbesondere durch gezielte geräteseitige Optimierungsmaßnahmen eine Verminderung der Ganzkörper-SAR um mehr als 80% erreicht werden kann ohne eine Verschlechterung der Übertragungsqualität (beurteilt anhand des 'mean effective gain' MEG) in Kauf nehmen zu müssen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, liegt das aber nicht im eigenen Ermessen, sondern hier müssten die Gerätehersteller reagieren. Das heißt die derzeitige Situation sieht so aus, dass sich die Nutzer selber relativ hoch belasten durch die Dauersender, was deutlich besser sein könnte

Tags:
DECT, W-LAN, Spitzenwert, SAR-Wert, Mittelwert

Akademischer Tunnelblick ohne Bezug zur Praxis

Kuddel, Samstag, 09.08.2008, 21:59 (vor 4255 Tagen) @ Doris
bearbeitet von Kuddel, Samstag, 09.08.2008, 22:32

link=http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/dosimetrie/dosimetrie_abges/dosi_091.html]aufgezeigten hier genannten Werte [/link] Spitzen- oder Mittelwerte?

In diesem Fall Mittelwerte, sonst wäre die "Belastung" im Gesprächszustand und Standby gleich.

Die Studie ist aber in mancherlei Hinsicht äußerst "akademisch" (praxisfremd).

Z.B. die Simulation der "worst-case" Belastung durch ein DECT mit Datenübertragung.
Solche DECT-Basisstationen gibt sie meines Wissens überhaupt nicht als Tischgeräte, sondern nur als Wand-Version für Firmen, wo sie i.d.R unter der Decke plaziert werden, um ein möglichst großes Areal abzudecken.

=> Der hohe SAR-Wert (47mW/kg) hat also rein hypothetischen Wert und keinerlei Praxisrelevanz.

Dann frage ich mich, warum man beim DECT Telefon die SAR-Belastung durch die Basisstation im Gesprächszustand ermittelt, wo doch in dem Moment das Mobilteil bei weitem dominiert.

Der einzige praxisrelevante Punkt ist also Punkt C.

Dann die Sache mit den WLAN PCMCIA-Karten
=> Seit über 2 Jahren haben fast alle Laptops WLAN fest eingebaut, Antenne meist im Display-Rahmen => Studie überholt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass insbesondere durch gezielte geräteseitige Optimierungsmaßnahmen eine Verminderung der Ganzkörper-SAR um mehr als 80% erreicht werden kann ohne eine Verschlechterung der Übertragungsqualität (beurteilt anhand des 'mean effective gain' MEG) in Kauf nehmen zu müssen.

Das ist auch so eine akademische Aussage ohne Bezug zur Praxis.
Wenn ich in eine Richtung eine Antennen-Abschirmung zum Nutzer baue, bewirkt das automatisch einen Antennengewinn in die entgegengesetzte Richtung.
Das aber bedeutet, daß die Sendeleistung reduziert werden muß, weil die EIRP durch den Regulierer begrenzt ist (DECT,WLAN Bluetooth) => ergo ist die Abschirmung "ohne Verschlechterung der Übertragungsqualität" nicht möglich.

Und wenn der Schreibtisch vor einem Fenster steht, strahlt die noch übrige (aufgrund der Abschirmung reduzierte) Sendeleistung schön zum Fenster raus, und im Haus ist der Empfang schlecht.

Wenn ich das richtig verstanden habe, liegt das aber nicht im eigenen Ermessen, sondern hier müssten die Gerätehersteller reagieren. Das heißt die derzeitige Situation sieht so aus, dass sich die Nutzer selber relativ hoch belasten durch die Dauersender, was deutlich besser sein könnte

Nebenbei ist auch dieder Punkt auch schon überholt, da die neueren DECT-Basisstationen nur noch beim Telefonat senden, und dann ist sowieso das Mobilteil dominierend.

Und ein WLAN Access-Point muß ja nun nicht auf dem Schreibtisch stehen, es gibt keinerlei Bedienelemente daran und auch die "Statuslämpchen" sind eher von untergeordneter Wichtigkeit.

Am kritischsten für den Nutzer sind also eigene Handy- und Schnurlostelefonate sowie Laptop-Anwendungen, und die genannten Maßnahmen sind auch schon zum großen Teil umgesetzt => Bei im Laptop integrierten Funkanwendungen (WLAN, UMTS) sind die Antennen meist im Display.

Tags:
DECT, W-LAN, SAR-Wert, Mittelwert, EIRP

Akademischer Tunnelblick ohne Bezug zur Praxis

Doris @, Sonntag, 10.08.2008, 00:21 (vor 4255 Tagen) @ Kuddel

na Sie stellen ja einer Studie, die im Rahmen des DMF erstellt wurde kein gutes Zeugnis aus. ;-)

Die Studie ist aber in mancherlei Hinsicht äußerst "akademisch" (praxisfremd).

Die Studie wurde an der Bergischen Universität Wuppertal unter der Leitung von Dr. Volkert Hansen durchgeführt. Auch Dr. Streckert war daran beteiligt. Die beiden Namen sind mir u.a. bekannt durch die Publikationen von Dr. Lerchl. Er arbeitet wohl auch mit dieser Uni zusammen.

Z.B. die Simulation der "worst-case" Belastung durch ein DECT mit Datenübertragung. Solche DECT-Basisstationen gibt sie meines Wissens überhaupt nicht als Tischgeräte, sondern nur als Wand-Version für Firmen, wo sie i.d.R unter der Decke plaziert werden, um ein möglichst großes Areal abzudecken. => Der hohe SAR-Wert (47mW/kg) hat also rein hypothetischen Wert und keinerlei Praxisrelevanz.

Es wurde ein Siemens Gigaset A 160 verwendet

Dann frage ich mich, warum man beim DECT Telefon die SAR-Belastung durch die Basisstation im Gesprächszustand ermittelt, wo doch in dem Moment das Mobilteil bei weitem dominiert.

weil es nur um die körpernahen Geräte ging, nicht um die Geräte direkt am Ohr und nicht um die Mobilfunkbasisstationen. Darauf wurde in dem Bericht extra hingewiesen.

Dann die Sache mit den WLAN PCMCIA-Karten => Seit über 2 Jahren haben fast alle Laptops WLAN fest eingebaut, Antenne meist im Display-Rahmen => Studie überholt.

Die Studie wurde im Zeitraum von 1.11.2006 bis 31.10.2007 durchgeführt. Das wird wohl immer das Problem sein, die Technik ist so schnelllebig, dass es immer irgendwie überholt ist. Gut, aber zumindest zum damaligen Zeitpunkt hatten wohl die meisten Nutzer noch nicht diese "neuen" Laptops.

Das ist auch so eine akademische Aussage ohne Bezug zur Praxis. Wenn ich in eine Richtung eine Antennen-Abschirmung zum Nutzer baue, bewirkt das automatisch einen Antennengewinn in die entgegengesetzte Richtung. Das aber bedeutet, daß die Sendeleistung reduziert werden muß, weil die EIRP durch den Regulierer begrenzt ist (DECT,WLAN Bluetooth) => ergo ist die Abschirmung "ohne Verschlechterung der Übertragungsqualität" nicht möglich.

Na ja, das stärkt ja nicht gerade der Glaube an die Kompetenz der Herren :-(

Nebenbei ist auch dieder Punkt auch schon überholt, da die neueren DECT-Basisstationen nur noch beim Telefonat senden, und dann ist sowieso das Mobilteil dominierend.

Aber kein Mensch weiß, wie hoch der prozentuale Anteil der Haushalte ist, die über ein derartiges Telefon verfügen. Man ersetzt ein Telefon ja erst, wenn das alte kaputt geht oder ist und es gibt ja schon auch noch die ständig strahlende, die vermutlich auch günstiger sind als die strahlungsarmen und bei vielen ist der Preis entscheidend. Es wird vermutlich noch recht lange dauern, bis die "Dauerstrahler" komplett vom MArkt verschwunden sind und auch aus den Haushalten. Also, ist zumindest dieser Punkt schon noch Realität.

Am kritischsten für den Nutzer sind also eigene Handy- und Schnurlostelefonate

die allerdings in dieser Studie nicht das Thema waren..

sowie Laptop-Anwendungen, und die genannten Maßnahmen sind auch schon zum großen Teil umgesetzt => Bei im Laptop integrierten Funkanwendungen (WLAN, UMTS) sind die Antennen meist im Display.

In der kompletten Studie wurden in einer Liste (Seite 7) auch die Babyphone (auch DECT) aufgeführt, die eigentlich die höchsten Werte liefern. Ob die wirklich immer so weit weg von den Kinderbetten gestellt werden, wie empfohlen, weiß auch niemand. Ich denke, man neigt eher dazu, möglichst nahe, dass einem nichts entgeht. Und den Babyphonen, die nun wirklich die sensibelste Gruppe betrifft, und das im Schlafzustand, dem die größte Bedeutung beigemessen wird, wird m.E. von den Kritikern recht wenig Bedeutung beigemessen. Das stört mich z.B. ziemlich.

Tags:
Babyphone

Kleine Fehler beim Bezug zur Praxis

Kuddel, Sonntag, 10.08.2008, 15:41 (vor 4254 Tagen) @ Doris
bearbeitet von Kuddel, Sonntag, 10.08.2008, 16:18

Nachdem ich nun die eigentliche Studie gelesen habe, muß ich zurückrudern, da der stark reduzierte Abstract den eigentlichen, wertvollen Kern der Arbeit recht oberflächlich wiedergibt.

Na ja, das stärkt ja nicht gerade der Glaube an die Kompetenz der Herren :-(

Nein, die Kompetenz der Studien-Macher und den Wert der Arbeit will ich nicht in Zweifel stellen, es gibt nur ein paar kleine Fehler bei der Übertragung der Ergebnisse auf die Praxis.

Die umfangreichen Feld-Simulationen, welche mehr als 95% der Arbeit ausmachen und deren Qualität ich nicht anzweifle, sind zweifelsohne eine wertvolle Bereicherung für die Frage, wie Sendequellen im Nahbereich auf den Körper einwirken.

Auch die Schlußfolgerung/Vorschlag, daß Antennen am Notebook am besten am Display aufgehoben sind (was mittlerweile schon so gemacht wird), ist ja ein korrektes Ergebnis der Studie.

Einzig bei einigen Annahmen (z.B. DECT-Basis mit 100% Sende-Auslastung, welche es zwar laut Standard "theoretisch", aber in der Praxis nicht gibt) und Schlußfolgerungen (z.B. daß der SAR durch Abschirmmaßnahmen am Gerät ohne Einbußen bez Reichweite und Funktionalität reduziert werden kann, dabei aber die regulatorischen Randbedingungen => Limitierung des EIRP außer Acht läßt) ist eine gewisse Praxisferne festzustellen.

Das hat aber nur Einfluß auf ein paar Zahlenwerte, die ohnehin zunächst wertfrei im Raum stehen, und kann mit wenig Rechen-Aufwand repariert werden, ohne die Simulationen und Messungen (also den aufwändigen, bzw wertvollen Teil der Studie) neu durchführen zu müssen.

Für mich stellt sich hier aber auch die Frage, wie nun solche (deutschen) "Miniwatt"-Studienergebnisse in die (deutsche) Praxis umgesetzt werden sollen, da gerade Produkte wie Laptops, WLAN und auch das meiste DECT-Zeugs aus dem asiatischen Bereich (China, Japan, Taiwan, Korea) kommen und die Bedeutung des deutschen Marktes (bezogen auf die Summe der für den globalen Markt hergestellten Produkte) immer geringer wird.

Selbst die Funknormen werden international mehr und mehr harmonisiert, zunächst auf europäischer Ebene, aber auch global, so daß ein deutscher Alleingang zur Minimierung der Exposition der (deutschen) Bevölkerung bei solchen Import-Waren meiner Meinung nach kaum noch denkbar ist.

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