Schwed. Expertengruppe ignoriert Zusammenhänge (Allgemein)

Doris @, Dienstag, 20.05.2008, 12:00 (vor 4780 Tagen)

Schwedische Expertengruppe ignoriert Zusammenhänge
19.05.2008

Schwedische Expertengruppe ignoriert Zusammenhänge zwischen Mobiltelefonen und Tumoren
Microwave News vom 14.März 2008
Deutsche Übersetzung Diagnose-Funk
mit freundlicher Erlaubnis durch Mirowave News/Louis Slesin

Die Interphone-Saga wird bizarrer und bizarrer. Das letzte Kapitel kam diese Woche mit einer Meldung zum Lagebericht über EMF und Gesundheit durch die Schwedische Strahlenschutzbehörde (SSI). Die letzte Forschung über EMFGesundheitsrisiken, der fünfte Jahresbericht einer unabhängigen Expertengruppe, umfasst, was man über die verschiedenen Typen von EMs, von ELF zu RF 2007 erfahren hat. Hier beschäftigen wir uns nur damit, was er über die letzten Interphone-Resultate aussagt - oder noch genauer: was er nicht sagt. Zu den Begründungen, dass wir nicht beginnen können zu verstehen, gehört, dass die Gruppe, der Anders Ahlbom vom Karolinska-Institut in Stockholm vorsteht, niemals erwähnt, was bei den wichtigsten Mobilfunkstudien , die im letzten Jahr veröffentlicht wurden, strittig ist: die Lahkola-Studie, eine Analyse der Interphone-Daten von fünf nordeuropäischen Ländern. Sie weist auf ein Langzeit-Risiko für Hirntumore auf der Seite des Kopfes hin, wo das Telefon benutzt wurde. (siehe Nachricht vom 22. Januar 2007).

Es ist unmöglich, dass der SSI Ausschus nichts von dieser Meta-Analyse wusste. Der zweite Autor von Lahkola, Assi Auvienen von der finnischen Universität von Tampere ist ein Mitglied dieses Ausschusses und Maria Feychting, eine andere Lahkola-Co-Autorin, ist wissenschaftliche Sekretärin. In der Tat ist Ahlbom selbst mit dem Interphone-Projekt verbunden und kann schwerlich von Lahkola nichts gewusst haben.
Die Lahkola-Studie wurde am 17. Januar 2007 , also ganz am Anfang des Jahres bekannt gemacht. Einen Moment lang haben wir gedacht, sie könnte im letzten SSI-Jahresbericht eingeschlossen sein. Aber das war nicht so.

Auch war das Lahkola Dokument nicht die einzige Interphone Studie, die vom SSI-Komitee unbeachtet blieb. Die französischen und israelischen Berichte wurde auch irgendwie ausgelassen. Beide zeigten ein mögliches Langzeitrisiko für Tumore an (Wir ziehen in Betracht, dass die israelische Studie im Dezember veröffentlicht wurde, als dieser Bericht gerade vor der Vollendung stand, obwohl wir es für möglich halten, dass Auvienen und Feychting als Mitglieder des Interphone-Projektes wahrscheinlich über jene Resultate Bescheid wussten und auch darüber, dass sie bald publiziert werden würden).

Der Ausschuss hat tatsächlich zwei Interphone-Studien zitiert, eine deutsche über Akustikgeschwulst und eine norwegische über Hirntumore. Keine zeigte ein erhöhtes Risiko.

Warum gab es drei Interphone-Papiere, die Tumorrisiken durch Handys vermuteten, die beiseite gelassen wurden, während jene, die keine Risiken auswiesen, eingeschlossen wurden? Ist dies die Macht des Geldes, die den Deckel auf die Gesundheitsdebatte von Handys hält? Ist dies eine politische Beeinflussung?

Wer immer und was immer dafür verantwortlich ist, es liegt tiefer als in Schwedens SSI. Von sieben Mitgliedern des Ausschusses haben fünf davon starke Verbindungen zur ICNIRP. Drei sind Mitglieder der Commission (Ahlbom, U.K.´s Richard Saunders U.K. und Frankreichs Bernard Veyret) und zwei andere, die Mitglieder des Standing Committees (Finnlands Jukka Juutilianen und U.S. Leeka Kheifets)

Der Bericht ist ein Spiegelbild der Führung der EMF-Gemeinschaft und weist auf die Notwendigkeit einer Änderung hin. Aber als erstes brauchen wir eine Antwort auf die Frage: Wieso war es möglich, dass diese Studien ignoriert werden konnten?

Quelle: Diagnose Funk

Kommentar:
Auch in diesem Beitrag (eingestellt auf microwavenews) wird eine Verbandelung zwischen SSI und ICNIRP als mögliche Ursache dafür genannt, dass die Teilstudien bei Interphone, die eine Tumorerhöhung festgestellt haben, im Bericht der schwedischen SSI nicht erwähnt wurden.

Tags:
, Diagnose-Funk, Interphone, Jahresbericht

Da ist der Wurm drin ...

H. Lamarr @, München, Dienstag, 20.05.2008, 13:06 (vor 4780 Tagen) @ Doris

Der Ausschuss hat tatsächlich zwei Interphone-Studien zitiert, eine deutsche über Akustikgeschwulst und eine norwegische über Hirntumore. Keine zeigte ein erhöhtes Risiko.

Moment mal, das stimmt so nicht. Auch die deutsche Teilstudie gab einen, wegen geringer Fallanzahl allerdings schwachen Hinweis auf ein Langzeitrisiko:

Nur wenige Studienteilnehmer benutzten ein Mobiltelefon 10 Jahre und länger. Hierunter befinden sich vor allem Nutzer analoger C-Netz Telefone. Für diese Langzeitnutzer wurde eine Verdopplung des Risikos beobachtet, an einem Gliom zu erkranken.

Quelle: Innovations Report

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Tags:
C-Netz, Gliom

Da ist der Wurm drin ... - bei wem?

Doris @, Dienstag, 20.05.2008, 14:15 (vor 4780 Tagen) @ H. Lamarr

Der Ausschuss hat tatsächlich zwei Interphone-Studien zitiert, eine deutsche über Akustikgeschwulst und eine norwegische über Hirntumore. Keine zeigte ein erhöhtes Risiko.

Moment mal, das stimmt so nicht. Auch die deutsche Teilstudie gab einen, wegen geringer Fallanzahl allerdings schwachen Hinweis auf ein Langzeitrisiko:

Nur wenige Studienteilnehmer benutzten ein Mobiltelefon 10 Jahre und länger. Hierunter befinden sich vor allem Nutzer analoger C-Netz Telefone. Für diese Langzeitnutzer wurde eine Verdopplung des Risikos beobachtet, an einem Gliom zu erkranken.

Bei der Kommmentierung durch microwavenews oder im SSI Jahresbericht?

Das steht auf Seite 39 des Berichtes zur Interphone Studie

Recent epidemiological studies
Mobile phone studies
Interphone
An analysis based on the German Interphone study with 97 cases and 194 matched controls revealed no increased risk of acoustic neuroma related to mobile phone use (OR=0.7, 95% CI 0.4-1.2) [Schlehofer, et al. 2007]. Decreasing rather than increasing trends were shown for time since first use, cumulative number of calls and cumulative duration of calls. The small number of exposed cases (N=29) limited the value of the study.
The results of the Norwegian Interphone study on mobile phone use and risk of intracranial tumours were published separately [Klaeboe, et al. 2007]. Previously, those related to acoustic neuroma and glioma have been reported in joint analyses. The Norwegian study had a higher proportion of telephone interviews compared with other centres (nearly half of case interviews). No increased risk of meningioma was found for regular mobile phone use, nor association with time since first use, cumulative number or duration of calls based on 207 cases (96 regular mobile phone users). Similar risk estimates were found for ipsilateral and contralateral use. No risk estimates were shown for mobile phone usage for more than 10 years, but the category with the longest exposure duration was only 6 or more years. The report does not substantially add to the literature

Da ist der Wurm drin ... - bei wem?

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 21.05.2008, 01:07 (vor 4779 Tagen) @ Doris

Bei der Kommmentierung durch microwavenews oder im SSI Jahresbericht?

Ja, das wüsste ich jetzt auch gerne. Mit der Kommentierung komme ich nicht klar, liest sich alles reichlich wirr und es werden viele Worte benötigt, um eine relativ schlichte Information nebulös an den Mann zu bringen. Den Dr. Slesin von Microwavenews schätze ich eigentlich schon sehr, denn er ist nicht einer dieser Schaumschläger. Die Sache mit dem SSI-Bericht halte ich jedoch für überzogen, das sieht ein bisschen danach aus, dass die 1. Garnitur an Themen nix mehr hergibt und deshalb die 2. Garnitur ausgepackt werden muss.

Wer sich nur ein bisschen mit Interphone auseinandersetzt - z.B. allein schon hier im Forum - wird schnell auf die ungünstige Langzeitprognose stoßen. Das schaffen sogar wir Laien ohne SSK oder SSI mühelos. Die Mutmaßung, da würde etwas im großen Stil verheimlicht, teile ich daher mangels Substanz nicht, zumal die Hinweise in Interphone geringer Fallzahlen wegen keine durchschlagende Wirkung haben. Bei so einem möglichen Risiko in ferner Zukunft scheiden sich dann eben die Geister, die einen zucken die Achsel, die anderen lassen die Sau raus. Nur eine Frage der Interpretation. Die Wahrheit liegt in solchen Fällen meist irgendwo dazwischen. Und das heißt für mich: Keine neuen Verschwörungstheorien stricken, sondern im Auge behalten, dass durch das geänderte Telefonierverhalten seit Einführung der Pauschaltarife heute eine völlig andere Belastungssituation herrscht als zu Zeiten der Interphone-Analyse. Interphone II in vielleicht 10 Jahren - das wird wirklich interessant, da brauchen wir dann hoffentlich nicht mehr über so einen Schmarrn diskutieren, warum wann wer was nicht ausreichend gewürdigt hat.

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Jahresbericht in aktualisierter Ausgabe

Doris @, Donnerstag, 22.05.2008, 22:34 (vor 4777 Tagen) @ Doris

Jahresbericht 2007 der Schwedischen Strahlenschutzbehörde in aktualisierter Ausgabe

Nachdem nach der Veröffentlichung des Berichts zu Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Felder im Januar 2008 Vorwürfe laut geworden waren, es seien darin bestimmte Studien vernachlässigt worden, hat die Schwedische Strahlenschutzbehörde bereits Mitte April eine neue Ausgabe herausgegeben, in der sie (auf Seite 65) zu diesem Thema Stellung bezieht

Seite 65:
Comment on Lahkola et al. Int J Cancer 2007 (15 April,
2008)
Questions have been received why the Fifth Annual Report from SSI's Independent Expert
Group on Electromagnetic Fields does not mention the paper by Lahkola et al.
(Lahkola et al., Int. J. Cancer 2007). The Expert Group would like to comment that the
paper was discussed by the group and was part of the basis for the conclusions. However,
it was by mistake overlooked when preparing the report. The Expert Group regrets this
accidental omission.
Prof. Anders Ahlbom,
Chairman, SSI's Independent Expert Group on Electromagnetic Fields

und hier die Lahkola Studie in einer Zusammenfassung bei ELMAR

Quelle: RDW Homepage

Tags:
Jahresbericht

Jahresbericht in aktualisierter Ausgabe

H. Lamarr @, München, Freitag, 23.05.2008, 01:44 (vor 4777 Tagen) @ Doris

However, it was by mistake overlooked when preparing the report.

Danke, Doris, für diesen Nachtrag: Menschliches Versagen ist also die Erklärung für diesen Zwischenfall, eine Begründung, die auf Seiten der Kritiker nicht mit Triumph, sondern mit einer großen Portion Verständnis aufgenommen werden muss: Denn es besteht für Kritiker gegenwärtig überhaupt kein Anlass, zu glauben, ungestraft den ersten Stein schmeißen zu können.

Bedrückend ist es mMn, dass die Berichtigung der SSI bei diagnose-funk offenbar nicht zur Kenntnis genommen wurde, dort steht zum jetzigen Zeitpunkt noch immer allein die verwegene Verschwörungstheorie der gekauften SSI-Mitglieder, vom Eingeständnis des SSI-Vorsitzenden ist dort nichts zu lesen.

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Jahresbericht in aktualisierter Ausgabe

Kuddel, Freitag, 23.05.2008, 21:11 (vor 4776 Tagen) @ H. Lamarr

Irgendwie irritiert mich der folgende Satz aus der Zusammenfassung:


Keine erhöhten Tumorrisiken ergaben sich dagegen für Personen, die das Mobiltelefon überwiegend an die nicht erkrankte Seite gehalten hatten.

Das steht doch im Widerspruch zu diesem Ergebis:

Wenn nur Mobiltelefonbenutzer berücksichtigt wurden, bei denen sich der Tumor auf der zum Telefonieren bevorzugten Seite befand, ergab sich im Vergleich zu Nichtbenutzern ein Gliomrisiko von 1.13 (95%-CI: 0.97-1.31).

:confused:

Da ist der Wurm drin ...

Kuddel, Dienstag, 20.05.2008, 22:45 (vor 4779 Tagen) @ H. Lamarr

Nur wenige Studienteilnehmer benutzten ein Mobiltelefon 10 Jahre und länger. Hierunter befinden sich vor allem Nutzer analoger C-Netz Telefone. Für diese Langzeitnutzer wurde eine Verdopplung des Risikos beobachtet, an einem Gliom zu erkranken.

Merkwürdig: Gerade in Deutschland waren die alten C-Netz Telefone Koffergeräte, wo der Hörer vom Funkgerät abgesetzt war...
In den USA hingegen wurde das AMPS-Analogsystem viel länger benutzt, dort gab es daher die "typischen" (wenn auch etwas klobigen) Mobiltelefone fürs Ohr.

Vielleicht wird viel zu einseitig geforscht.
Könnte es nicht auch sein, daß der ständige Druck auf Ohr und die erhöhte Wärme, oder das Magnetfeld der Hörkapsel Tumore auslösen ?

Gibt es "Kontrollgruppen", wo die Tumorhäufigkeit bei intensiver Nutzung normaler Telefone (=Hörer mit Spiralschnur) überprüft wurde ?

Da ist der Wurm drin ...

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 21.05.2008, 01:09 (vor 4779 Tagen) @ Kuddel

Merkwürdig: Gerade in Deutschland waren die alten C-Netz Telefone Koffergeräte, wo der Hörer vom Funkgerät abgesetzt war...

Stimmt. Aber: Dafür war die Sendeleistung mit (ich glaube) maximal 15 W auch erheblich höher und der Teleskopantenne am Koffer konnte man sich mühelos mit dem Kopf bis zur Berührung nähern.

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