Franz. Nationalbibliothek verzichtet auf WLAN (Allgemein)

Doris @, Montag, 14.04.2008, 23:46 (vor 5915 Tagen)
bearbeitet von H. Lamarr, Sonntag, 24.08.2008, 21:32

Das Thema ist nicht neu und wurde hier im Forum auch schon angesprochen, aber ich meine dieser Beitrag, erschienen bei Diagnose Funk, ist neu. Außerdem gibt es Links auf die Studie bzw. Berichte auf die, die Franz. Nationalbibliothek ihre Entscheidung stützt.

Franz. Nationalbibliothek verzichtet auf WLAN
13.04.2008

Die französische Nationalbibliothek verzichtet auf WiFi
Quelle: next-up - "France National Library gives-up WiFi"
Paris 07.04.2008
Deutsche Übersetzung: Evi Gaigg

Die France National Library BNF enthält 15 Millionen verschiedener Werke in Form von Büchern, Manuskripten, Drucken, Zeichnungen, Fotos usw. In einem Turmgebäude von 200 000 m2 , frequentiert von mehr als einer Millionen Personen/Jahr von Besuchern, mit einer Belegschaft von 2500 Assistenten und einem Budget von 254 M €/Jahr.

Die Leitung der berühmten französischen Nationalbibliothek (BNF) hat ein Moratorium über einen WLAN Hotspot verhängt. Dieser sollte durch eine private Gesellschaft auf dem gesamten Areal installiert werden und den Zugang zum Internet ermöglichen.

Die angeführten Argumente sind nicht nur das Ergebnis der Erforschung der Qualität der Dienste, sondern auch des Vorsorgeprinzips, das zur Anwendung kommen muss, um die Risiken durch die Exposition elektromagnetischer Felder von 2.45 GHz seiner Mitarbeiter und aller Besucher zu vermeiden.

Diese Entscheidung wird durch ein Argument begründet, das durch wissenschaftliche Literatur gestützt ist, welche genotoxische Wirkungen durch Wi-Fi-Wellen beweist, insbesondere das folgende:

- Eine amerikanische Studie von Professor S. Lee und al. an der Universität von Chicago über genetische Veränderungen in menschlichen Zellen, die radiofrequenten Feldern von 2,45 GH7 (WLAN-Frequenz) ausgesetzt waren. [Wissenschaftliche Studie: NBC.Gov.-PubMed]

- Der Bericht des wissenschaftlichen Konsortiums Bioinitiative mit Schlussfolgerungen für eine sofortige Revision der aktuellen Normen für die Exposition der Bevölkerung durch elektromagnetische Strahlung. [in der Folge: Internationale Petition] genauso wie die wissenschaftliche Studie der Clermont-Ferrand Pascal Universität.

Arnaud Beaufort, der Generaldirektor, bekräftigt das Moratorium mit diesen Aussagen: ".... wir warten auf die Resultate einer gegenwärtig laufenden Studie und wir geben uns die Zeit, um die am besten anwendbare Technologie zu wählen."

In einem Zeitungsartikel in "The Parisien" vom 4. April 2008, "Die BNF gibt WLAN wieder auf", hat die Leitung der BNF die Abschaffung von WLAN bestätigt und ergänzt, dass die Gründe vielfältig sind. "Die Wahl von drahtgebundenen Verbindungen war nötig, weil diese die einzigen sind, die eine Übertragung sehr hoher Datenmengen erlauben." Für die meisten Forscher, die regelmässig in die BNF gehen, ist diese Option wichtig, weil erwartet wird, dass es bis Ende 2008 eine Verbindung für ca. 50 Prozent der Sitzplätze geben wird.
Tatsache bleibt, dass BNF eine der grössten Institutionen Frankreichs ist, ebenso ein modernes Symbol im Management, mit der Konsequenz, dass die Auswirkung dieser Entscheidung über den repräsentativen Platz von Paris hinausgeht. Es ist dies eine spektakuläre und symbolische Grundsatzfrage als Vorsorgemassnahme in Sachen Installation von WLAN-Verbindungen.

Es ist ebenso eine erste grosse Neuheit, eine Premiere in diesem Rahmen, die zeigt, dass eine Drahtverbindung eine zuverlässige Alternative zu WLAN bildet. Sie ist insbesondere angebracht für alle Einrichtungen, die öffentlich und für die nationale Ausbildung zugänglich sind. Diese Entscheidung kommt gerade nach dem Moratorium einiger Bibliotheken der Stadt Paris, wo sich beim Personal bei Nachfragen infolge Wi-Fi einige unbehagliche Empfindungen zeigten.

Diese Entwicklung scheint sich unaufhaltsam fortzusetzen, da auch das Personal der Genevieve Bibliothek in einer Petition forderte, die WLAN-Terminals abzuschalten. Das Gesundheits- und Sicherheitskomitee der Censier-Sorbonne Unversität in Paris hat ebenso gerade jetzt entschieden, einen WLAN-Hotspot abzuschalten.

Nachtrag:
Dies müsste die Studie sein, auf die im Beitrag verwiesen wird: EMF Portal

Admin-Nachtrag vom 5. März 2021: Alle Bibliotheken in Paris haben WLAN.

Tags:
Paris, Moratorium, WLan, Bibliothek

Wieder einmal ein Trauerspiel

H. Lamarr @, München, Dienstag, 15.04.2008, 00:56 (vor 5915 Tagen) @ Doris

- Eine amerikanische Studie von Professor S. Lee und al. an der Universität von Chicago über genetische Veränderungen in menschlichen Zellen, die radiofrequenten Feldern von 2,45 GH7 (WLAN-Frequenz) ausgesetzt waren. [Wissenschaftliche Studie: NBC.Gov.-PubMed]

Nachtrag:
Dies müsste die Studie sein, auf die im Beitrag verwiesen wird. EMF Portal

Der liebe Gott sagte: "Spatenpauli, reg' dich nicht auf, es hätte schlimmer kommen können." Und es kam schlimmer! Gesetzt dem Fall, Doris, dass Sie die Studie im EMF-Portal richtig zugeordnet haben - und daran gibt es nichts zu zweifeln - dann haben die Franzosen mMn einen Knall! Und zwar deshalb, weil diese Studie mit SAR-Werten jenseits von Gut und Böse durchgeführt wurde, nämlich mit sage und schreibe 10 W/kg (Mittelwert) und 133 W/kg (Spitzenwert). Zum Vergleich: Der zulässige SAR-Wert bei Ganzkörperexposition beträgt 0,08 W/kg. Was bitte also hat diese Studie mit der realen Situation in der Bibliothek zu tun? Nichts! Pikant finde ich, dass Next-up in der Originalmeldung zwar auf den Abstract der Studie verlinkt, dort aber keinerlei Belastungswerte genannt werden. Es ist doch immer wieder das alte Schema: mit Halb-, nein mit 1/20-Wahrheiten die Leute wild machen, damit ihnen der völlig unzutreffende Rest auch noch bequem unter die Weste gejubelt werden kann. Next-up ist da keinen Deut besser als die deutschen Paniker. Und Diagnose-Funk übersetzt diesen Quark auch noch ins deutsche, damit er auch hierzulande breit getreten werden kann. Nee, Leute, auf diese Weise wursteln wir auch in 50 Lichtjahren noch genauso herum wie heute ... :no:.

So ganz nebenbei wird in der Next-up-Originalmeldung auch die neue Online-Petition der Franzosen eingeschoben - und irgendwie habe ich das ungute Gefühl, dies ist der eigentliche Grund für die alles andere als taufrische Meldung gewesen.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Franz. Nationalbibliothek verzichtet auf WLAN

Doris @, Dienstag, 15.04.2008, 20:43 (vor 5915 Tagen) @ Doris
bearbeitet von H. Lamarr, Sonntag, 24.08.2008, 21:31

Die beziehen sich neben dieser Studie von Prof. S. Lee mit den 10 und 133 W/kg auch auf....

die Forderung der BioInitiative Group und auf...

Bioinitiative mit Schlussfolgerungen für eine sofortige Revision der aktuellen Normen für die Exposition der Bevölkerung durch elektromagnetische Strahlung.


eine Studie der Clermont Ferrand Pascal Universität, die im Februar durch die französische Presse ging.

Nouveaux soupçons sur les portables
SANTE. Pour la première fois, une étude très sérieuse réalisée à l'université de Clermont-Ferrand a mesuré l'impact des ondes émises par les téléphones portables sur les végétaux. Les conclusions en sont inquiétantes. Elles relancent les interrogations sur les risques encourus pour l'homme.

Ich weiß ja nicht, was "Le Parisien" für ein Blatt ist, aber der Text hört sich sehr ernst an und die Ergebnisse dieser Universität werden von den Franzosen zumindest als "sehr seriös" bezeichnet.

Next-up hat jede Menge Material zusammengetragen zu dieser Studie, bei der es um Tomatenpflanzen ging.

Dies hier ist die englischssprachige Studie der Franzosen, hier gibt es anschaulicheres Material.

Und damit es einfacher ist, gibt es diese Studie auch im EMF-Portal.

Arnaud Beaufort, der Generaldirektor, bekräftigt das Moratorium mit diesen Aussagen: ".... wir warten auf die Resultate einer gegenwärtig laufenden Studie und wir geben uns die Zeit, um die am besten anwendbare Technologie zu wählen."

So wie sich das anhört, halten die Franzosen sich momentan einfach aufgrund der ungeklärten Sachlage zurück und eine neuere Studie im eigenen Land, verbunden mit dementsprechenden Presseberichten trägt vielleicht eher zu vorsorglichen Gedanken bei.

Franz. Nationalbibliothek verzichtet auf WLAN

caro, Mittwoch, 16.04.2008, 11:39 (vor 5914 Tagen) @ Doris

Ich weiß ja nicht, was "Le Parisien" für ein Blatt ist, aber der Text hört sich sehr ernst an und die Ergebnisse dieser Universität werden von den Franzosen zumindest als "sehr seriös" bezeichnet.


Le Parisien ist eine große Pariser Boulevardzeitung und gilt als "Leitmedium", zusammen mit Le Monde, Le Figaro oder Libération (wobei die Auflage von Le Parisien höher ist).

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