Der schiefe Mast von Stuttgart (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 08.04.2008, 23:05 (vor 4583 Tagen)

Wenn Kritiker auf einem Auge blind sind, werden Stolpersteine übersehen

Die Stuttgarter Bürgerinitiative (BI) der-mast-muss-weg verbreitet gegenwärtig ein PDF (Mobilfunkindustrie an den Schalthebeln der Macht), in dem diverse Personen unterschwellig als Steigbügelhalter der Mobilfunkindustrie verdächtigt werden. Das PDF spiegelt den momentanen Zeitgeist wider, der vom Misstrauen der Bürger gegenüber politischen und institutionellen Würdenträgern geprägt ist. So gesehen spekuliert die Bürgerinitiative lediglich darauf, aus der Poltikverdrossenheit der Bevölkerung Kapital für die eigenen Ziele zu schlagen. So weit so gut - oder auch schlecht.

Wer sich so stark wie die BI aus dem Fenster lehnt und mit erhobenem Zeigefinger Lobbyismus anmahnt, in diesem Fall allerdings (sicherheitshalber) nur vage angedeuteten Lobbyismus, der gerät leicht selbst in die Schusslinie. Der Stuttgarter BI passiert dies, indem sie die Studien und Stellungnahmen des Mobilfunkkritikers Prof. Dr. Franz Prof. A. publizistisch nach Kräften ausschlachtet, um damit das Horrorszenario einer geschlossenen Beweiskette mit allen Mitteln glaubhaft zu machen: Mobilfunk macht krank.

Aber: Wenn die BI nicht auf einem Auge blind wäre, hätte sie in ihrem ominösen PDF mühelos auch Franz Prof. A. als Lobbyisten nennen können! Denn dessen Arbeit für die Zigarettenindustrie ist nun überhaupt kein Geheimnis. Auf der verlinkten Website kommt Prof. A. als Verharmloser des Passivrauchens sogar noch viel schlechter weg, als die vage verdächtigten Personen im PDF "Mobilfunkindustrie an den Schalthebeln der Macht". Dennoch findet sich auch auf der Website der-mast-muss-weg nicht ein einziges kritisches oder nachdenkliches Wort zu Franz Prof. A. - logisch, denn dieser Aspekt passt der BI um Peter Hensinger nicht ins Konzept. Dies wäre nun nicht weiter schlimm, würde die BI nicht vorgeben, sie wäre eine Speerspitze im Kampf gegen Korruption, Verfälschung und Verharmlosung. So bleibt nur der fade Nachgeschmack, dass in Stuttgart mit zweierlei Maß gemessen wird und die Verantwortlichen auf einem Auge blind sind. Mag schon sein, dass die Verdächtigungen gegen Prof. A. ebenso haltlos sind wie die Verdächtigungen bei der-mast-muss-weg, das ändert aber nichts daran, dass wieder einmal das auf der Strecke bleibt, wovon Mobilfunkkritiker kein Gramm zu verschenken haben: Glaubwürdigkeit.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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BI, Prof. A., Korruption, Doppelmoral, Tabak, Horrorszenarien, Hensinger, Passivrauchen, Glaubwürdigkeit, Lobbyismus, Misstrauen, Verfälschung, Lobbyist

Zigaretten-Lobyist Franzl Prof. A. ....?

AnKa, Mittwoch, 09.04.2008, 00:10 (vor 4583 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn die BI nicht auf einem Auge blind wäre, hätte sie in ihrem ominösen PDF mühelos auch Franz Prof. A. als Lobbyisten nennen können! Denn dessen Arbeit für die Zigarettenindustrie ist nun überhaupt kein Geheimnis.

Na so was!

"Prof. Dr. med. Franz Prof. A. war lange Jahre Sekretär des vom Verband der Cigarettenindustrie (VdC) eingerichteten und finanzierten 'Forschungsrates Rauchen und Gesundheit'."

Wenn jetzt noch einer rausfindet, daß die Frau Dr. Waldmann-Selsam lange Jahre Mitglied in einer evangelikalen Splitterguppe gewesen wäre, tät' ich glatt eine Flasche Coke Zero spendieren.

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"Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere." (Groucho Marx)

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Prof. A., VdC

Zigaretten-Lobyist Franzl Prof. A. ....?

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.04.2008, 15:57 (vor 4582 Tagen) @ AnKa

... tät' ich glatt eine Flasche Coke Zero spendieren.

Helmut! Dazu fällt mir doch glatt die noch immer ausstehende Satisfaktion zu der Olytumgeschichte ein. Sie wissen schon: Ein Schlückchen in Ehren ...

@ Anka: Die Anspielung auf die Null ist gemein ;-).

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Der schiefe Mast von Stuttgart

M. Hahn, Donnerstag, 10.04.2008, 14:32 (vor 4581 Tagen) @ H. Lamarr

Aber: Wenn die BI nicht auf einem Auge blind wäre, hätte sie in ihrem ominösen PDF mühelos auch Franz Prof. A. als Lobbyisten nennen können!

Ich kann darin kein Problem erkennen, wegen dessen die Stuttgarter ausgerechnet Prof. A. nun als Lobbyisten anprangern sollten. Schließlich liegt die unterstellte nicht unabhängige Tätigkeit Prof. A.s in Bezug auf die Untersuchung von Rauchen und Gesundheit offenbar etliche Jahre zurück. Heute agiert er zudem anders.

Ich frage mich etwas anderes:
Was kann einen Mann mit wissenschaftlichem Anspruch, der immerhin ein Vorhaben von Gewicht wie REFLEX koordiniert hat, dazu bewegen, sich an so einer Veranstaltung, ich meine hier mit solchen Referenten wie Scheiner und Zwerenz, zu solchen Themen wie
"Warum hat Deutschland mit die höchsten Grenzwerte der Welt?"
zu beteiligen? In einer "nicht-kontroversen Art" unterstelle ich mal.

Mein ganz persönliche Vermutung (unterstellt, an der Tabak-Geschichte ist was dran):
Gewissensprobleme wegen seiner früheren Tätigkeit. "Nie wieder so etwas. "Etwas "wieder gut machen" müssen. Einmal der "frühe Warner" gegen den Strom gewesen sein, einmal auf der richtigen Seite. Das Pendel schlägt gewissermaßen in die andere Richtung. Wenngleich der Vergleich hinkt: Bewegung ist des Pendels Lebensprinzip - wegen einer Sünde muss man aber nicht eine Torheit nachschieben.

Natürlich ist es unlogisch, dass Handys einst als schädlich erkannt werden müssten, nur weil das beim Tabakrauch so war. Ebenso ist es trivial, dass eine Industrie ihre Produkte immer einseitig, nämlich aus Ihren Interessen heraus, gegen der Vorwurf der Gesundheitsschädlichkeit verteidigen wird. Trivial ist aber ebenso, dass aus dieser Handlungsweise nichts über die Stichhaltigkeit der Vorwürfe zu schließen ist, sondern immer nur aus Fakten in der Sache.
Diese "Schlüsse von x auf x+1" sind, wenngleich volkstümlich, dennoch unlogisch.
Prof. Prof. A. weiß das ganz sicher. Ebenso wie er freilich weiß, dass die absolute Unschädlichkeit des Handys weder auf diese noch auf eine andere Schlussweise zu beweisen ist.
Und, noch mal meine Spekulation, er will nicht zum zweiten Mal sündigen, sondern gewissermaßen das Gegenteil tun.
Früher haben ihm andere seine Scheuklappen bezahlt, jetzt tut er es selbst.
Nur: Wer gegen den Strom wissenschaftlicher Evidenz eine Gefahr als Lobbyist tapfer ableugnet, läuft Gefahr zum Schuft erklärt zu werden.
Wer gegen den Strom wissenschaftlicher Erkenntnisse die Behauptung der Gefahr als Warner tapfer weiter verbreitet... ja, mag sein, er hat eines Tages doch recht; größer ist aber das Risiko, sich damit zum Narren zu machen. Frage ist nur, bei wem.

In meinen Augen macht er sich auch im Irrtumsfalle nicht notwendig zum Narren. Wissenschaft braucht den Irrtum, Gesellschaft braucht die vernünftige Abwägung der Möglichkeit des Irrtums.
Zum Narren macht sich einer nicht, solange sein Irrtum gewissermaßen intellektuell redlich ist. Für mich ist das nicht mehr der Fall bei Polemiken wie diesen, in denen Fragestellungen (Handys vs. Masten) unsachlich vermischt werden.
Das ist nicht mehr der Fall, wenn einer, meinetwegen in bester Absicht, die gebotene Trennungslinie zwischen sich und Scharlatanen, Scheinfachleuten (fachfremden Professoren) auf unbekanntem Terrain, single issue fanatics oder gar Geschäftemachern nicht mehr zieht.

Tags:
, Referenten, Irrtum

Neue Feindschaft zwischen Pest und Cholera

H. Lamarr @, München, Freitag, 11.04.2008, 22:47 (vor 4580 Tagen) @ M. Hahn

Aber: Wenn die BI nicht auf einem Auge blind wäre, hätte sie in ihrem ominösen PDF mühelos auch Franz Prof. A. als Lobbyisten nennen können!


Ich kann darin kein Problem erkennen, wegen dessen die Stuttgarter ausgerechnet Prof. A. nun als Lobbyisten anprangern sollten. Schließlich liegt die unterstellte nicht unabhängige Tätigkeit Prof. A.s in Bezug auf die Untersuchung von Rauchen und Gesundheit offenbar etliche Jahre zurück. Heute agiert er zudem anders.

Haben Sie sich das PDF mal angeschaut? Da werden Leute allein wegen ihrer beruflichen Karrierestationen verdächtigt, sonst nennt der Text rein gar nichts, was gegen die vorliegen könnte. Wer so gerne so schnell verdächtigt, müsste bei Prof. A. nach allen Regeln der Kunst rot sehen. Tun die Stuttgarter aber nicht. Im Gegenteil, Prof. A. ist für sie die Lichtfigur der mobilfunkkritischen Wissenschaftler und wird gebührend gebauchpinselt. Verstehen Sie, dieser völlig gegensätzliche und leichtfertige Umgang mit Verdächtigungen ist es, den ich so ätzend finde. Das riecht, nein das stinkt, aus meiner Sicht nach versuchter Manipulation.

Gewissensprobleme wegen seiner früheren Tätigkeit. "Nie wieder so etwas. "Etwas "wieder gut machen" müssen. Einmal der "frühe Warner" gegen den Strom gewesen sein, einmal auf der richtigen Seite. Das Pendel schlägt gewissermaßen in die andere Richtung. Wenngleich der Vergleich hinkt: Bewegung ist des Pendels Lebensprinzip - wegen einer Sünde muss man aber nicht eine Torheit nachschieben.

Gut, damit kann ich bestens leben, ich habe mit Prof. A. kein Problem und halte ihn, Verdächtigungen zum Trotz, für einen ehrbaren Menschen. Ich frage mich freilich auch, warum Prof. A. so sehr die Nähe der Bürger sucht und die Ergebnisse der von ihm koordinierten Studien so volksnah präsentiert. Und dazu gehört es nun mal, auch mit fragwürdigen Frontleuten der Kritiker auf dem gleichen Podium zu sitzen, Hauptsache, man ist im Gespräch. Kein anderer Wissenschaftler der Szene ist so mit knackig-kritischen Anmerkungen zu Mobilfunkgefahren präsent und so öffentlichkeitsnah wie Prof. A.. Warum? Meine Unterstellung: Wenn Mobilfunk in der Öffentlichkeit ein kräftiges Negativimage beim Gesundheitsaspekt bekommt, dann dürfte dies dem bisherigen Exklusiv-Prügelknaben Tabak eine gewisse Erleichterung verschaffen: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Der Witz daran ist: Dieses Vorgehen ist legitim, möglicherweise sogar ehrenhaft, solange die Zigarettenbarone nur tatsächliche und keine vermeintlichen Gesundheitsgefahren des Mobilfunks an die große Glocke hängen lassen.

In umgekehrter Richtung funktioniert dies alles freilich nicht. Etwa Jiri Silny im Auftrag der Mobilfunker erfolgreich bislang unentdeckte Risiken des Rauchens erforschen zu lassen, würde nur die ohnehin schon geltende Exklusivstellung des Tabaks als Gesundheitsruinierer Nummer 1 festigen. Da müssten die Mobilfunker an den Zigarettenbaronen schon anders "Rache" üben ;-).

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Tags:
Prof. A., Doppelmoral, Tabak, Manipulation, Angriff auf Person

Schuld und Sühne ▼

AnKa, Samstag, 12.04.2008, 15:24 (vor 4579 Tagen) @ H. Lamarr

Gut, damit kann ich bestens leben, ich habe mit Prof. A. kein Problem und halte ihn, Verdächtigungen zum Trotz, für einen ehrbaren Menschen. Ich frage mich freilich auch, warum Prof. A. so sehr die Nähe der Bürger sucht und die Ergebnisse der von ihm koordinierten Studien so volksnah präsentiert. Und dazu gehört es nun mal, auch mit fragwürdigen Frontleuten der Kritiker auf dem gleichen Podium zu sitzen, Hauptsache, man ist im Gespräch. Kein anderer Wissenschaftler der Szene ist so mit knackig-kritischen Anmerkungen zu Mobilfunkgefahren präsent und so öffentlichkeitsnah wie Prof. A.. Warum? Meine Unterstellung: Wenn Mobilfunk in der Öffentlichkeit ein kräftiges Negativimage beim Gesundheitsaspekt bekommt, dann dürfte dies dem bisherigen Exklusiv-Prügelknaben Tabak eine gewisse Erleichterung verschaffen: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Es könnte Prof. A. um das Abtragen einer gewähnten Schuld gehen. Interessant. Das würde heißen, daß er sich innerlich, wahrscheinlich eher unbewusst, eines sozialen Vergehens bezichtigt. Und sein Name könnte in Zusammenhang gebracht werden mit Tausenden statistischen Rauchertoten, wenn das herauskäme.

Prof. A.s öffentlicher Feldzug gegen den Mobilfunk hätte also in diesem Fall den Charakter einer Sühneleistung.

Troll-Wiese: http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=20332

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Motive

Kuddel, Samstag, 12.04.2008, 19:22 (vor 4579 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Samstag, 12.04.2008, 19:39

Über die Motive läßt sich trefflich spekulieren:

Das ehrenhafte Motiv:
- Er ist überzeugt von der schädlichen Wirkung und warnt

Das schon weiter oben erwähnte "Sühne" Motiv:
- Siehe Postings von M.Hahn und Anka: Er möchte eine "Schuld" abtragen, indem er diesmal frühzeitg warnt

Das wirtschaftliche Motiv (Arbeitsbeschaffung):
- Die Stiftung Verum hat wenig zu tun und benötigt Aufgaben (Folgeaufträge)

Das wirtschaftliche Motiv im Sinne der Zigarettenindustrie
- Er lenkt durch seine Tätigkeit vom bisher größten Gesundheitsthema "Rauchen" ab. Die Auswirkungen des Rauchens werden dadurch relativiert (verharmlost).

- Luxusgüter (Rauchen, Handy, Musik) konkurrieren um eine begrenzte Menge Geld innerhalb der Bevölkerung. Wenn weniger telefoniert wird, ist mehr Geld für andere Dinge da..

Persönliches Motiv:
- Niemand würde sich sonst für ihn interessieren. Er möchte Aufmerksamkeit und noch nicht in Rente (gilt vermutlich auch für etliche andere prominente Kritiker).

-...

Menschliches Lernen

caro, Dienstag, 15.04.2008, 11:17 (vor 4576 Tagen) @ Kuddel

Über die Motive läßt sich trefflich spekulieren:
-...

http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/

Menschliches Lernen

Kuddel, Dienstag, 15.04.2008, 21:20 (vor 4576 Tagen) @ caro

Richtig, ein weiteres Motiv:

Er sucht weitere Erkenntnisse an der Basis um seinen Horizont zu erweitern...

(Ich gebe ja zu, daß mein Beitrag "etwas tendenziös" war)

By the way...ich wußte garnicht, daß es so viele Definitionen von "lernen" gibt. Das "erschlägt" einen ja geradezu

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