UMTS-Lizenzen: Kein Rabatt für Telekom (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 04.03.2008, 11:59 (vor 5381 Tagen)

Karlsruhe (AFP) — Der Bund muss keinen Schadenersatz für die Milliardenausgaben der Deutschen Telekom für UMTS-Lizenzen leisten. Eine Haftung sei ausgeschlossen, weil der Lizenzerwerb aus damaliger Sicht der wirtschaftlichen Vernunft entsprochen habe, urteilte am Montag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. (Az: II ZR 124/06)

Bei der Versteigerung der Lizenzen für die neue Mobilfunk-Technologie hatte die Telekom im August 2000 insgesamt 8,5 Milliarden Euro für zwei Lizenzpakete ausgegeben. Die Telekom war damals mehrheitlich im Eigentum des Bundes. Ein vom späteren wirtschaftlichen Erfolg der UMTS-Technologie enttäuschter Aktionär der Telekom meinte, der Bund habe das Unternehmen dazu veranlasst, einen unangemessen hohen Preis zu bezahlen. Daher meinte er, der Telekom stehe ein anteiliger Schadenersatz von 50.000 Euro zu.

Der BGH wies die Klage ab. Die UMTS-Technologie habe damals im Mittelpunkt der erwarteten Wachstums-Chancen für die Mobilfunk-Branche gestanden. Auch ohne die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Bund hätte daher "ein ordentlicher und gewissenhafter Vorstand der Telekom" die Lizenzen erworben. Schon vorher habe die Telekom in Großbritannien 6,7 Milliarden Euro ausgegeben; der europaweite Eintritt in den UMTS-Markt sei bereits beschlossen gewesen. Zudem hätten auch andere, nicht vom Bund abhängige Mobilfunkunternehmen wie Vodafone und E-Plus, ähnliche Beträge in die UMTS-Lizenzen investiert.

Quelle: http://afp.google.com/article/ALeqM5jPvGjztmMepBpL3VnzBd-lvb8l6Q


Kommentar: 50 000 Euro Schadenersatz ist in Anbetracht der gezahlten 8,5 Mrd. Euro ein derart kleiner Betrag, dass daran voraussichtlich etwas nicht stimmen kann.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Lizenzen, Karlsruhe

UMTS-Lizenzen: Kein Rabatt für Telekom

Kuddel, Dienstag, 04.03.2008, 21:38 (vor 5380 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Dienstag, 04.03.2008, 22:04

Ein vom späteren wirtschaftlichen Erfolg der UMTS-Technologie enttäuschter Aktionär der Telekom meinte, der Bund habe das Unternehmen dazu veranlasst, einen unangemessen hohen Preis zu bezahlen.

Das ist die eine plausible Erklärung.
Eine zweite ist, daß die Telekom bewußt den Preis hochgetrieben hat, um die aufkeimende Konkurenz zu ersticken.
Die Dritte, daß die Spitzenmanager eine Spielkasino-Mentalität haben, aber nicht einmal einen Dreisatz rechnen können.

Auch ohne die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Bund hätte daher "ein ordentlicher und gewissenhafter Vorstand der Telekom" die Lizenzen erworben.

Da würde mich interessieren, wie der "ordentliche und gewissenhafte Vorstand" denn die Investitionen von...
- 8,25 Milliarden für Lizenzen (ca 100Euro pro Bundesbürger incl Greisen und Säuglingen)
- zuzüglich Kosten für Netzaufbau und Unterhalt (sagen wir nochmal 4Mrd)
- zuzüglich Marketingkosten (subventionierte Handy's)
- zuzüglich der laufenden Kapitalkosten (Zinsen) über mehrere Jahre, bis überhaupt Gewinne realisiert werden können (marktreife UMTS Handy's gab's noch gar nicht)
... jemals wieder erwirtschaften wollte ?

Mit Bildchenkram auf 4cm² ?
Man hatte ja noch nicht einmal ein Geschäftsmodell.
Stattdessen es gab Ideenwettbewerbe, wo die potentiellen Kunden selber Anwendungs-Vorschläge manchen sollten.
Mobilcom-Schmidt glaubte an die Jugend, welche für 2,40DM / Minute per UMTS Musik hören sollte.

Die wahren Hintergründe werden auf immer ein Mysterium bleiben...

UMTS-Lizenzen: Kein Rabatt für Telekom

H. Lamarr @, München, Dienstag, 04.03.2008, 23:07 (vor 5380 Tagen) @ Kuddel

Die wahren Hintergründe werden auf immer ein Mysterium bleiben...

Da werden Sie wohl recht behalten. Vielleicht das noch: Zu jener Zeit herrschte noch eine vom sagenhaften Erfolg der GSM-Netze geprägte Goldgräberstimmung. Da konnte man als Manager eigentlich gar nichts falsch machen, das enorme Wachstum bügelte alle Fehler glatt. Resultat: Selbstüberschätzung.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum