Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 08.10.2007, 23:07 (vor 6038 Tagen)

Schon 1 Stunde Handytelefonieren pro Tag kann nach 10 Jahren Kopftumoren bewirken

Eine Forschergruppe um Lennart Hardell und Kjell Hansson Mild hat vorhandene Studien zu möglicherweise durch Langzeitgebrauch von Handys ausgelösten Kopftumoren zusammengestellt (2 Kohortenstudien + 16 Fall-Kontroll-Studien) und die Daten dahingehend untersucht, ob ab einer Nutzungsdauer von 10 Jahren oder länger das Kopftumorrisiko steigt. Tatsächlich ergaben alle in die Analyse einbezogenen Studien einen Risikoanstieg, besonders für die Kopfseite, an die das Handy beim Telefonieren gehalten wird. Das relative Risiko ([link=javascript:openpopup_7458('http://www.lrz-muenchen.de/~wlm/ilm_o2.htm')]Odds Ratio[/link]), ab dem 10. Jahr ein Akustikusneurinom zu bekommen beträgt für Handynutzer 2,4 (71:29), die Chance ein Gliom zu bekommen liegt bei 2,0 (67:33).

Quelle: Long-term use of cellular phones and brain tumours: increased risk associated with use for >=10 years

Der britische Independet bringt zu dieser neuen Studie einige zusätzliche interessante Aussagen der ausführenden Wissenschaftler. So könne schon der Gebrauch eines Handys für nur 1 Stunde am Tag dazu führen, dass nach 10 Jahren ein höheres Risiko für Kopftumoren bestehe. Die international geltenden Grenzwerte seien nicht sicher und müssten neu überdacht werden. Weiter empfehlen die Experten, beim Gebrauch von Handys vorsichtig zu sein, Kindern sollten Handys besser überhaupt nicht überlassen werden.

Nachricht von Pesché Jeannot (Luxemburg)

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Hardell, Akustikusneurinome

Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich

Gast, Dienstag, 09.10.2007, 20:27 (vor 6037 Tagen) @ H. Lamarr

Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich

Doris @, Mittwoch, 10.10.2007, 08:57 (vor 6037 Tagen) @ Gast

Wissenschaftler: Handys gehören nicht in Kinderhände

In diesem Beitrag macht Kjell Mild folgende Aussage:

Nach Angaben des Wissenschaftlers sind Tumore nicht das einzige Problem. Er fordere bereits seit einiger Zeit, dass auch die Zusammenhänge von Mobilfunk-Strahlung mit Alzheimer und Parkinson genauer untersucht werden.

Passt m.E. zu den ungeklärten Langzeitwirkungen, denn ob hier ein Zusammenhang besteht, kann erst in einigen Jahren geklärt werden.

Deshalb irritiert mich diese Aussage, angeblich aus dem MTHR Bericht

Beendet werden solle auch die Forschung über mögliche Effekte der Handystrahlung auf die Hirnfunktion oder auf die Arbeitsweise der Zellen. Hingegen seien Studien dazu nötig, wie die Strahlen auf Kinder wirken, deren Körper womöglich anders als die Erwachsener reagieren.[/i]

Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Können evtl. Langzeitschäden zu denen auch Alzheimer und Parkinson gehört erkannt werden, wenn die WIrkungen auf die Hirnfunktionen nicht mehr untersucht werden sollen. Während die Wissenschaft ja erkannt haben will, dass es sich bei Befindlichkeitsstörungen um Mobilfunkanlagen um Placebo/Nocebo Effekte handeln soll, sind Wirkungen auf Gehirnphysiologie doch unumstritten, lediglich die Frage -gesundheitsschädlich ja oder nein - ist umstritten. Warum sollen diese Untersuchungen dann eingestellt werden? Kapiere ich hier etwas nicht?

Tags:
Alzheimer, Parkinson

Hansson Mild und das MTHR

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.10.2007, 00:39 (vor 6029 Tagen) @ Doris

Deshalb irritiert mich diese Aussage, angeblich aus dem MTHR Bericht

Beendet werden solle auch die Forschung über mögliche Effekte der Handystrahlung auf die Hirnfunktion oder auf die Arbeitsweise der Zellen. Hingegen seien Studien dazu nötig, wie die Strahlen auf Kinder wirken, deren Körper womöglich anders als die Erwachsener reagieren.

In der Pressemeldung des MTHR heißt es tatsächlich zu athermischen Effekten: The MTHR programme also investigated whether mobile phones might affect cells and tissue beyond simply heating them. The results so far show no evidence for this and the committee believes there is no need to support further work in this area.

In Bezug auf Langzeitfolgen ist aber auch dies hier zu lesen:

The situation for longer term exposure is less clear as studies have so far only included a limited number of participants who have used their phones for 10 years or more. The committee recommends more research be conducted in this area.

Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Aus meiner Sicht nicht (siehe oben), zumal von einer Aufgabe der Hirnforschung direkt nicht die Rede ist, aber dies müsste wohl besser ein Biologe beurteilen. Tatsache ist, dass auch Hansson Mild zu den Mitgliedern des MTHR zählt (ich glaube es war wuff, der sagte, das MTHR ist sozusagen die FGF des Vereinigten Königreichs) und er deshalb aller Voraussicht nach einer von denen ist, die den MTHR-Report verfasst und freigegeben haben. Deshalb ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass er dabei von ihm selbst angeregte Untersuchungen zu Alzheimer und Parkinson aufs Abstellgleis geschoben hat, dies dürfte eher eine Fehlinterpretation sein.

Das MTHR fördert eigenen Angaben zufolge finanziell 17 Studien. Woher das Geld dafür kommt, steht mit einem Satz auf der Homepage erwähnt: Funds of around £8.8 million have been allocated to the programme by industry and Government. Fragt sich jetzt nur, haben die wie bei uns Fifty-Fifty gemacht, oder vielleicht 90:10?

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Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich

Doris @, Donnerstag, 18.10.2007, 14:48 (vor 6029 Tagen) @ H. Lamarr

Für eine anstehende Aktion unserer BI bereite ich gerade was vor und stöbere deshalb durch die Forenbeiträge.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich zum einen nerve oder aber mich als "Nix-Blicker" oute, habe ich eine Frage zu den u.g. Zeilen, die ich auch im Zusammenhang mit der neuen Forderung (nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!) von Ihnen, spatenpauli sehe.

So könne schon der Gebrauch eines Handys für nur 1 Stunde am Tag dazu führen, dass nach 10 Jahren ein höheres Risiko für Kopftumoren bestehe. Die international geltenden Grenzwerte seien nicht sicher und müssten neu überdacht werden. Weiter empfehlen die Experten, beim Gebrauch von Handys vorsichtig zu sein, Kindern sollten Handys besser überhaupt nicht überlassen werden.

Was hat die Erkenntnis über eine evtl. Erhöhung der Gehirntumorrate bei Langzeitnutzern mit den Grenzwerten zu tun, die nun auch überdacht werden müssen. Die Grenzwerte regeln doch die Belastung für die Basisstationen und die evtl. Erhöhung der Gehirntumorrate hat doch mit der absorbierten Energie im Gehirn durch das Handytelefonat zu tun. Stehen also doch in absolut keinem Zusammenhang. die Forderung, die Grenzwerte neu zu überdenken, kann doch nicht von den Erkenntnissen über die Gehirntumore bei Langzeitnutzern abgeleitet werden und bringt doch auch speziell bei diesen dann auch keinen Vorteil im evtl. Zusammenhang mit Gehirntumoren.

Da ich bei der erwähnten Aktion speziell auch auf diesen Beitrag verweise, würde ich hier in Erklärungsnot kommen.

Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich

charles ⌂ @, Donnerstag, 18.10.2007, 15:18 (vor 6029 Tagen) @ Doris

Was hat die Erkenntnis über eine evtl. Erhöhung der Gehirntumorrate bei Langzeitnutzern mit den Grenzwerten zu tun, die nun auch überdacht werden müssen. Die Grenzwerte regeln doch die Belastung für die Basisstationen und die evtl. Erhöhung der Gehirntumorrate hat doch mit der absorbierten Energie im Gehirn durch das Handytelefonat zu tun. Stehen also doch in absolut keinem Zusammenhang. die Forderung, die Grenzwerte neu zu überdenken, kann doch nicht von den Erkenntnissen über die Gehirntumore bei Langzeitnutzern abgeleitet werden und bringt doch auch speziell bei diesen dann auch keinen Vorteil im evtl. Zusammenhang mit Gehirntumoren.

Da ich bei der erwähnten Aktion speziell auch auf diesen Beitrag verweise, würde ich hier in Erklärungsnot kommen.

Hallo Doris,

bis jetzt unbekannt ist das Verhältnis zwischen kurzzeitige Bestrahlung (z.B. 1 Stunde täglich mit z.B. 30.000 uW/m2) eines Handys über 10 Jahren, und die andauernde 24 Stunden am Tag langedauer Bestrahlung von z.B. nur 200 uW/m2 von ein Sendemast, auch über 10 Jahren.

Da Handys mit ca. 2.000-30.000 uW/m2 Strahlung abgeben, sind die Grenzwerte sicher illusorisch und unpraktikabel.

Das alles bezieht sich auf Tumoren.

Die *normale* *alltägliche* gesundheitliche Beschwerden aber brauchen keine Latenzzeit von 10 Jahren.
Die können innerhalb von wenige Monaten auftreten.
Man stirbt nicht sofort, aber das Leben ist dann doch für manche einen Qual.

--
Charles Claessens
www.milieuziektes.nl

Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich

Doris @, Donnerstag, 18.10.2007, 15:31 (vor 6029 Tagen) @ charles

Hallo Doris,

bis jetzt unbekannt ist das Verhältnis zwischen kurzzeitige Bestrahlung (z.B. 1 Stunde täglich mit z.B. 30.000 uW/m2) eines Handys über 10 Jahren, und die andauernde 24 Stunden am Tag langedauer Bestrahlung von z.B. nur 200 uW/m2 von ein Sendemast, auch über 10 Jahren.

Das sehe ich auch so, trotzdem empfinde ich spatenpaulis Forderung, zumindest unter dem Gesichtspunkt der Prioritätensetzung als richtig.

Das alles bezieht sich auf Tumoren.

Die *normale* *alltägliche* gesundheitliche Beschwerden aber brauchen keine Latenzzeit von 10 Jahren. Die können innerhalb von wenige Monaten auftreten. Man stirbt nicht sofort, aber das Leben ist dann doch für manche einen Qual.

Das ist richtig, aber das beantwortet mir meine Frage nicht. Das hat nichts mit einem evtl. gesteigerten Gehirntumorrisiko bei Langzeitnutzern zu tun. Ein Laie empfindet diese Aussage in dem Zeitungsbericht so, dass durch Senkung der Grenzwerte das evtl. Gehirntumorrisiko verringert werden kann und das ist nicht der Fall. Die absorbierte Energie, die sicherlich für ein erhöhtes Risiko verantwortlich wäre, verringert sich doch m.E. nicht, wenn die Grenzwerte gesenkt werden würden. Und da ich mir und auch hier diese Frage schon öfters gestellt habe, frage ich mich auch, ob ich da einen Denkfehler mache, denn immer wieder stoße ich auf solche Widersprüchlichkeiten.

Tumoren: Hinweise auf Spätfolgen verdichten sich

charles ⌂ @, Donnerstag, 18.10.2007, 19:08 (vor 6028 Tagen) @ Doris

Das alles bezieht sich auf Tumoren.

Die *normale* *alltägliche* gesundheitliche Beschwerden aber brauchen keine Latenzzeit von 10 Jahren. Die können innerhalb von wenige Monaten auftreten. Man stirbt nicht sofort, aber das Leben ist dann doch für manche einen Qual.

Das ist richtig, aber das beantwortet mir meine Frage nicht. Das hat nichts mit einem evtl. gesteigerten Gehirntumorrisiko bei Langzeitnutzern zu tun. Ein Laie empfindet diese Aussage in dem Zeitungsbericht so, dass durch Senkung der Grenzwerte das evtl. Gehirntumorrisiko verringert werden kann und das ist nicht der Fall. Die absorbierte Energie, die sicherlich für ein erhöhtes Risiko verantwortlich wäre, verringert sich doch m.E. nicht, wenn die Grenzwerte gesenkt werden würden. Und da ich mir und auch hier diese Frage schon öfters gestellt habe, frage ich mich auch, ob ich da einen Denkfehler mache, denn immer wieder stoße ich auf solche Widersprüchlichkeiten.

Hallo Doris,

wenn Sie es so stellen, müssen die Grenzwerte, wenn man sie auf Strahlungsmengen von Handys bezieht, und über 10 Jahren hinaus gezogen, auf etwa 100-200 uW/m2 am Handy nehmen.
Wie das dann auf Basisstationen zurückzuführen ist, kann ich nicht sagen.

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Charles Claessens
www.milieuziektes.nl

Grenzwerte, die keine sind

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.10.2007, 18:51 (vor 6028 Tagen) @ Doris

So könne schon der Gebrauch eines Handys für nur 1 Stunde am Tag dazu führen, dass nach 10 Jahren ein höheres Risiko für Kopftumoren bestehe. Die international geltenden Grenzwerte seien nicht sicher und müssten neu überdacht werden. Weiter empfehlen die Experten, beim Gebrauch von Handys vorsichtig zu sein, Kindern sollten Handys besser überhaupt nicht überlassen werden.


Was hat die Erkenntnis über eine evtl. Erhöhung der Gehirntumorrate bei Langzeitnutzern mit den Grenzwerten zu tun, die nun auch überdacht werden müssen.

Über diese "Grenzwert-Problematik" ist kürzlich auch Peter Hensinger gestolpert, als er schrieb, bei 1/40 des Grenzwerts für UMTS sei es zu DNS-Schäden gekommen. Da Franz Prof. A. in seiner neuen Studie jedoch Teilkörper-SAR-Werte nennt, ist klar, dass es sich hier um eine Untersuchung mit Handy-Funkfeldern handelt und nicht mit Basisstations-Funkfeldern. Streng genommen ist daher die Aussage "bei 1/40 des Grenzwerts" falsch, weil hierzulande Grenzwerte allein für die Funkfelder ortsfester Basisstationen definiert sind (siehe auch hier). Aber: Wenn bei uns die Bundesregierung es bislang versäumt hat, die EU-Ratsempfehlung für maximal zulässige Handy-Funkfelder in eine Neufassung der 26. BImSchV einfließen zu lassen, damit auch für Handys ein amtlich festgesetzter Grenzwert gilt, dann muss das nicht überall so sein. So kann im EU-Ausland z.B. in Großbritannen, Frankreich oder Spanien die Empfehlung der maximalen SAR = 2 W/kg durchaus den Status eines gesetzlichen Grenzwerts haben. Aufs EU-Ausland bezogen, Doris, passt sich die oben aus einer englischen Zeitung zitierte Aussage wieder harmonisch ins Logikgefüge unserer Mobilfunkdebatte ein. Ganz schön verzwickt, nicht wahr? Ich gebe allerdings freimütig zu, dass mir die von Ihnen beanstandete Diskrepanz so nicht aufgefallen ist und ich erst durch den Hensinger-Stolperer auf eine plausible Erklärung gestoßen bin.

Da ich bei der erwähnten Aktion speziell auch auf diesen Beitrag verweise, würde ich hier in Erklärungsnot kommen.

Ich hoffe, jetzt nicht mehr.

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Grenzwerte, die keine sind

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.10.2007, 19:51 (vor 6028 Tagen) @ H. Lamarr

Aber: Wenn bei uns die Bundesregierung es bislang versäumt hat, die EU-Ratsempfehlung für maximal zulässige Handy-Funkfelder in eine Neufassung der 26. BImSchV einfließen zu lassen, damit auch für Handys ein amtlich festgesetzter Grenzwert gilt, dann muss das nicht überall so sein. So kann im EU-Ausland z.B. in Großbritannen, Frankreich oder Spanien die Empfehlung der maximalen SAR = 2 W/kg durchaus den Status eines gesetzlichen Grenzwerts haben.

Habe zur Verfestigung noch ein bißchen gegoogled: In Finnland hat der SAR-Wert von 2 W/kg tatsächlich den Status eines amtlichen Grenzwerts (siehe zweiter Absatz dort), festgesetzt vom Gesundheitsministerium.

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