Britische Studie - Ergebnisse unspektakulär (Allgemein)

Gast, Freitag, 14.09.2007, 15:24 (vor 4422 Tagen)

Beruhigung mit leichten Bedenken: Studie über Handy-Strahlung
Britische Mobilfunk-Forscher schließen umfassende Studie ab - die Ergebnisse sind unspektakulär. Nur bei Langzeitgebrauch herrscht weiter Unklarheit
Die Erforschung möglicher Gesundheitsschäden durch Handys und die zugehörigen Sendemasten habe "beruhigende Ergebnisse" erbracht, sagt Lawrie Challis, Leiter des britischen Programms Mobile Telecommunications and Health Research (MTHR). Seine Kommission hat am Mittwoch einen 60-seitigen Report über ihre sechsjährige Arbeit in 23 Projekten vorgelegt. Sie empfiehlt darin, die wissenschaftliche Untersuchung in Zukunft einzuschränken; manche Ansätze sollten nicht weiter verfolgt werden. Eine Sorge solle jedoch weiterhin sein, dass es "ziemlich wenig Information über die Risiken des Langzeitgebrauchs" von Handys gibt, so der Report.

Der Bericht fasst Studien zur Entstehung seltener Gehirntumoren zusammen, die auch vorlagen, als die SZ zuletzt über das Thema berichtete (31.1.2007). Demnach erbringen die meisten Untersuchungen keine belastbaren Ergebnisse. Erst einzelne Arbeiten haben die Schwelle zur statistischen Signifikanz überschritten. Sie zeigen, dass mit langjährigem Gebrauch von Handys die Tumorrate auf der Seite des Kopfes steigt, an die die Nutzer den Apparat gewöhnlich halten. Hier sei weitere Forschung nötig, so Challis. "Wir können nicht ausschließen, dass sich der Krebs in einigen Jahren zeigt", ergänzte er in der BBC.

Beenden sollte man jedoch die Forschung mit so genannten Elektrosensiblen.
Diese Menschen klagen über körperliche Symptome wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen und machen Handys oder Sendemasten dafür verantwortlich. "Die Realität der Symptome steht nicht im Zweifel, aber das bedeutet nicht, dass sie durch elektromagnetische Felder ausgelöst worden sind", heißt es im Report. mehr...

Autor: Christopher Schrader

Quelle: Süddeutsche Zeitung veröffentlicht am 13.09.2007

Verwandter Thread
Ein weiterer Nachtrag zum Artikel in der SZ
Funkstille über Strahlungsschäden

Sehr geehrter Herr Christopher Schrader

H. Lamarr @, München, Sonntag, 16.09.2007, 18:48 (vor 4419 Tagen) @ Gast

Nachfolgend der Text einer E-Mail, die ich soeben an SZ-Redakteur C. Schrader auf den Weg gebracht habe ...


Sehr geehrter Herr Schrader,

in Ihrem Artikel - "Beruhigende Ergebnisse und leichte Bedenken" - empfiehlt Lawrie Challis die Erforschung der Elektrosensibilität einzustellen. Eine der Studien, auf die Challis' Wertung fußt, ist eine erst Mitte 2007 von Elaine Fox vorgestelle Arbeit, die Elektrosensibilität als psychisches Problem der Betroffenen erkennt. Die kritische Betrachtung des Designs der Fox-Studie zeigte jedoch gravierende Fehler. So nannten z.B. die meisten Probanden zwar (stark strahlende) Mobiltelefone als Noxe, getestet wurden sie jedoch nur mit schwacher Basisstationsstrahlung. Diese Ungereimtheit (und noch etliche mehr) in der Fox-Studie finden Sie unter

http://www.izgmf.de/Aktionen/Meldungen/Archiv_07/W.K._IV/W.K._iv.html

aufgelistet. Hierbei handelt es sich nicht um die Studienkritik eines Hysterikers, sondern um faktengestützte ernsthafte Einwände, die man sich wegen des üppigen Umfangs des Artikels freilich erst einmal erarbeiten muss. Aber: die Mühe lohnt sich wirklich! Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Studienkritik von W.K. in den wesentlichen Punkten als substanziell einstufen und den Aspekt der irreführenden Studiendesigns in Ihrer Berichterstattung über die Mobilfunkdebatte nach eigenem Ermessen berücksichtigen.

Viele Grüße
IZgMF

Stephan Schall

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Schrader

Britische Studie - Ergebnisse unspektakulär

Doris @, Freitag, 21.09.2007, 23:48 (vor 4414 Tagen) @ Gast

Klaus Grieniger bringt eine Übersetzung der Pressemitteilung auf "Handywellen"

Forschungsprogramm Mobile Kommunikation und Gesundheit

Presseerklärung des MTHR Großbritanniens

Bericht über Forschung auf dem Gebiet des Mobilfunks veröffentlicht

In der umfangreichsten Untersuchung Großbritanniens zu möglichen Gesundheitsrisiken durch die Mobilfunktechnik konnte kein Zusammenhang von Mobiltelefonen mit irgendwelchen biologischen oder schädlichen gesundheitlichen Wirkungen gefunden werden. Als Teil seines Jahresberichts für 2007 hat das Mobilkommunikations- und Gesundheits-Forschungsprogramm (MTHR) seine Ergebnisse heute veröffentlicht.

Das sechs Jahre dauernde Forschungsprogramm hat keinen Zusammenhang zwischen der Kurzzeitnutzung mobiler Telefone und dem Auftreten von Gehirntumoren gefunden. Studien an Freiwilligen konnten ebenfalls keinen Beleg dafür liefern, dass die Gehirnfunktion durch Funkwellen von Mobiltelefonen oder TETRA-Geräten der Notdienste beeinflusst wurde. Der Lenkungsausschuss des MTHR-Programms ist der Auffassung, dass zur Förderung weiterer Arbeiten auf diesem Gebiet kein Bedarf besteht.

In das Forschungsprogramm waren außerdem die weltweit umfangreichsten und belastbarsten Studien eingeschlossen, die jemals in Bezug auf die elektromagnetische Überempfindlichkeit durchgeführt wurden. Diese Studien haben keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass die unangenehmen Symptome, wie sie von den Leidenden erfahren werden, auf die Felder von Mobiltelefonen oder Basisstationen zurückgeführt werden können.

Die Situation für Langzeitwirkungen ist weniger klar, da Studien bis jetzt nur eine begrenzte Anzahl an Probanten einbeziehen konnten, die Mobiltelefone seit mehr als 10 Jahren verwendet haben. Das Komitee empfiehlt die Durchführung weiterer Forschungen auf diesem Gebiet.

Im MTHR-Programm wurde auch untersucht, inwieweit Mobiltelefone Zellen und Gewebe jenseits einer einfachen Erwärmung beeinflussen könnten. Die bisher vorliegenden Ergebnisse zeigen dafür keinen Beleg und das Komitee ist der Auffassung, dass keine Notwendigkeit für eine Förderung weiterer Arbeiten auf diesem Gebiet besteht.

Professor Lawrie Challis, Vorsitzender des MTHR, äusserte: "Hierbei handelt es sich um einen sehr fundierten Bericht eines umfangreichen Forschungsprogramms. Die Arbeiten über die heute berichtet wurde, sind alle in renommierten, fachlich rezensierten wissenschaftlichen oder medizinischen Journalen veröffentlicht worden. Die Ergebnisse sind insoweit beruhigend. Ungeachtet dessen besteht aber noch Bedarf für weitere Forschung, insbesondere um sich zu vergewissern, dass aus einer längerfristigen Nutzung von Mobiltelefonen durch Erwachsene sowie durch Kinder keine Wirkungen hervorgehen."

Durch das Forschungsprogramm wurden auch einige grundlegende Feldstärkemessungen an Basisstationen für Mikrozellen und Pikozellen finanziert, wie sie in Flughäfen, Bahnhöfen und Einkaufszentren vorhanden sind. Dabei zeigte sich, dass deren Immissionen weit unterhalb der international gültigen Grenzwerte liegen.

Ergänzende Studien bestätigten auch, dass die Nutzung eines Mobiltelefons durch einen Fahrer, ungeachtet ob in der Hand gehalten oder mit Freisprecheinrichtung, eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit verursacht, die mit anderen Ablenkungen während des Fahrens vergleichbar ist. Es deutet sich jedoch an, dass die Inanspruchnahme der Wahrnehmungsfähigkeit durch Mobiltelefone größer sein könnte.

MTHR P/7 MORE
12th September 2007

Kommentar:

Was bedeutet "Kurzzeitnutzung"? ---> kurz gehaltenen Gespräche mit Mobiltelefonen?

Wenn ja, wie sieht es dann aus, wenn die Handytelefonate länger sind? Junge Leute nützen die Handys gerne als alleiniges Telefon um sich die Kosten für einen FEstnetzanschluss zu sparen. Dadurch werden dann auch sehr lange Telefonate auf dem Handy geführt.

Tags:
Mikrozelle, Pikozellen

Britische Studie - Ergebnisse unspektakulär

H. Lamarr @, München, Samstag, 22.09.2007, 00:35 (vor 4414 Tagen) @ Doris

Das sechs Jahre dauernde Forschungsprogramm hat keinen Zusammenhang zwischen der Kurzzeitnutzung mobiler Telefone und dem Auftreten von Gehirntumoren gefunden.

Was bedeutet "Kurzzeitnutzung"? ---> kurz gehaltenen Gespräche mit Mobiltelefonen?

Aus dem Kontext raus würde ich sagen: Nein, hier ist nicht die Dauer der Gespräche gemeint, sondern die kumulierte Dauer der Nutzung. Ihr Einwand mit der Gesprächsdauer hat aber dennoch ganz schön Tragweite. Denn in den Anfangsjahren des Mobilfunks waren die Gebühren derart saftig, dass die Leute kurz telefonierten, die Belastung also eher schwach war. Kein Vergleich zum stundenlangem Hirnperforieren, wie es seit kurzem die Pauschaltarife preisgünstig zulassen. Das heißt: Die Nutzungsgewohnheiten ändern sich deutlich, und das wird die Forscher freuen. Denn mit dieser (plausiblen) Begründung ließen sich allerlei Feldstudien wiederholen, um zu prüfen, ob mit Flatratetumoren zu rechnen ist. Wenn man sich anschaut, was frühere Studien bereits als regelmäßige Handynutzung deklarieren (z.B. 1 Gespräch pro Woche!), dann sind die jetzt aktiven Vieltefonierer eine echte Indikatorengruppe: Wenn denen die Befeldung nicht schadet, können sich alle entspannen, wenn nicht ... Und: Untersuchen müsste man's halt gezielt mit echten Vieltelefonierern.

Übrigens: C. Schrader hat längst geantwortet, einer Einstellung hier ins Forum aber nicht zugestimmt.

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