Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 15.07.2007, 00:17 (vor 6076 Tagen)

Hier ein Auszug aus dem Gigaherz-Forum. Ein Teilnehmer dort wollte wissen, ob bei einer Verdichtung der Sendernetze die Sendeleistung der einzelnen Basisstationen von den Betreibern tatsächlich reduziert werde. Die Antwort (unten) kommt von Hans-U. Jakob:

Die Sendeleistung einer Basisstation und eines Handys sind in erster Linie davon abhängig, wie viele Betondecken und Mauern oder Blechwände von Fahrzeugen durchdrungen werden müssen und ob theoretische Sichtverbindung besteht oder nicht.
Die Distanz ist immer nur ein untergeordneter Faktor.
Wenn zusätzliche Basisstationen aufgestellt werden, wird in erster Linie der vertikale Einstellwinkel der Antennen heruntergestellt und erst wenn das immer noch zu gegenseitigen Störungen führt, denkt man vielleicht an ein Zurücknehmen der Sendeleistung.
Das Ändern der vertikalen Einstellwinkel nach unten, bringt den Anwohnern markant höhere Belastungen. In V/m gemessen bis Faktor 5.5. In W/m2 gemessen bis Faktor 30
Auch hier nichts als typische Mobilfunker-Lügenpropaganda.
Das Verstellen der Vertikalwinkel geschieht übrigens ferngesteuert von den Steuerzentralen der Mobilfunkur aus. Da muss niemand auf den Mast hinauf steigen.
Bin gespannt, wie viele Besserwisser ich da auf den Plan gerufen habe

Also, helmut, wie schaut's aus: Sie errichten doch Basisstationen für T-Mobile. Simmt das, was Jakob da schreibt oder stimmt es nicht. Selbstverständlich sind auch alle anderen Besserwisser und Experten gefragt, Auskunft zu geben, ob eine Verdichtung der Sendernetze durch Aufstellung zusätzlicher Basisstationen nun den E-Smog eher verringert oder eher anhebt.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Jakob im Recht?

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 18.07.2007, 21:48 (vor 6072 Tagen) @ H. Lamarr

Also, helmut, wie schaut's aus ...

Drei Tage später: Gehe ich recht in der Annahme, helmut, dass der Gigaherz-Jakob mit seiner Einschätzung diesmal nicht quer zur Spur fährt und Sie infolgedessen gar nicht antworten können, weil Sie sich und ihren Arbeitgeber sonst selbst belasten müssten?

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter?

Sparco, Donnerstag, 19.07.2007, 12:47 (vor 6072 Tagen) @ H. Lamarr

Hi,
unter http://www.lfu.bayern.de/strahlung/fachinformationen/emf_minimierung_schirmung/index.htm findet man eine Reihe von Dokumenten, die sich mit den
"Möglichkeiten und Grenzen der Minimierung von Mobilfunkimmissionen: Auf Messdaten und Simulationen basierende Optionen und Beispiele" befassen.

Zum Einstieg (ein "Muß") -> Aspekte der Funkversorgung

Zum Thema "Netzverdichtung" bzw. Microzellen -> http://www.lfu.bayern.de/strahlung/fachinformationen/emf_minimierung_schirmung/doc/kap_4_minimierungskonzepte.pdf Kapitel 4.1.1

bzw. http://www.lfu.bayern.de/strahlung/fachinformationen/emf_minimierung_schirmung/doc/kap_7_minimierungsmassnahmen.pdf Kapitel 7.2.6

Daraus:
"Unabhängig von einer damit verbundenen Reduzierung der ortsbezogenen Immission im direkten Umfeld der Sendeanlagen kann auch gezeigt werden [BAL 01, BOR 02], dass mit diesem Konzept die gesamte Netzsendeleistung reduziert wird. Unter Netzsendeleistung wird hier die gesamte in das konzentrierte bzw. verteilte Sendernetz eingespeiste Sendeleistung verstanden, die zur Realisierung der Mindestfeldstärke an jedem Punkt des Versorgungsgebietes notwendig ist. Da diese abgestrahlte Sendeleistung in der umliegenden Umwelt umgesetzt wird, ist die Gesamt-sendeleistung direkt proportional zur Gesamtimmission. Das bedeutet, dass mit einem verteilten Netzkonzept auch die Gesamtimmission reduziert wird. ..."
"...Bei einer noch kleinzelligeren Auslegung in der Art, dass die Anzahl der Basisstationen verdoppelt wird, reduziert sich die Gesamtimmission auf 50 %...."


Nicht unwichtig dabei:
"Berücksichtigt werden muss allerdings auch der Trend, dass bei sehr kleinzelligen Netzen die Betreiber von den üblichen Dach- oder Maststandorten mehr und mehr Abstand nehmen müssen, und häufiger niedrig montierte Antennen aufbauen, so dass zwar eine Verringerung der durchschnittlichen Immission feststellbar ist, jedoch wieder verstärkt ortsbezogenen "Immissionsspitzen" zum Beispiel in Wohnbereichen in unmittelbarer Nähe der niedrig montierten Antennen auftreten können .."

Was im Bericht nicht so richtig erwähnt wird:
Anhand der Simulation aus Kapitel 4.1.1, http://www.250kb.de/u/070719/j/4a2171a2.jpg,
die eine Erweiterung von 1 auf 3 Sendeanlagen darstellt, wird deutlich, daß

Vorher (konzentriertes Konzept): -> Einige sehr viel Strahlung abbekommen, viele eher wenig

Nachher (verteiltes Konzept): -> Mehr Leute eher mehr Strahlung abbekommen, weniger eher wenig

Es dürften sich bei letzterem die Handy-Nutzer freuen, deren Handys dann zwangsläufig weniger Sendeleistung aufbringen müssen. Nur dieser Personengruppe ist das doch eigentlich schnurz-egal, oder ?

Gruß Sparco

Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter?

Kehrmann, Samstag, 21.07.2007, 08:01 (vor 6070 Tagen) @ Sparco

@ sparco

wenn ich Ihre Links lese, die Sie auch für "Einsteiger" empfehlen, kommt mir der Gedanke Sie zu fragen, ob es Ihnen möglich wäre für's uneingeweihte Publikum mal eine Tabelle und/oder Umrechnungsfaktoren hier einzustellen, die schnell einen Überblick ermöglichen, um welche Grössenordnungen es sich handelt, wenn von soundsoviel % des Grenzwertes von GSM bzw. UMTS geschrieben wird.
1-10 % in Feldstärke und Leistungsflussdichte ? :hungry:

Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter?

Sparco, Montag, 23.07.2007, 12:32 (vor 6068 Tagen) @ Kehrmann

Bitteschön,
nachfolgend die Tabelle, die in einen Text-Editor (z.B. Notepad) eingefügt und gespeichert werden muß.
Nun mit Excel die Text-Datei öffnen und mit "Leerzeichen" als Trennparameter ins richtige "Format" bringen.

Grundlage meiner Excel-Kalkulation (leider kann hier im Forum die Tabelle nicht hochgeladen werden - deshalb die Klimmzüge), ist die 26.BImSchV
Dort stehen auch die Formeln, Hinweise zu Mittelwert (6 Min.) und Spitzenwert, etc.

Gruß
Sparco

~~~Ab hier markieren und kopieren (evtl. das "µ" noch in xls korrigieren)~~~

Funkdienst: GSM900(d) GSM1800(d) UMTS-FDD(d) WiMAX(d)
Mittenfrequenz(MHz): 947,5 1842,5 2140 3452
Grenzwert(V/m): 42,32 59,02 61,00 61,00
Grenzwert(W/m2): 4,74 9,21 10 10

% W/m2
0,0001 0,000005 0,000009 0,00001 0,00001
0,001 0,00005 0,000092 0,0001 0,0001
0,01 0,00047 0,000921 0,001 0,001
0,1 0,00474 0,009213 0,01 0,01
1 0,04738 0,092125 0,1 0,1
2 0,09475 0,184250 0,2 0,2
3 0,14213 0,276375 0,3 0,3
4 0,18950 0,368500 0,4 0,4
5 0,23688 0,460625 0,5 0,5
6 0,28425 0,552750 0,6 0,6
7 0,33163 0,644875 0,7 0,7
8 0,37900 0,737000 0,8 0,8
9 0,42638 0,829125 0,9 0,9
10 0,47375 0,921250 1 1

% µW/m2
0,0001 4,7 9,2 10 10
0,001 47,4 92,1 100 100
0,01 474 921 1000 1000
0,1 4738 9213 10000 10000
1 47375 92125 100000 100000
2 94750 184250 200000 200000
3 142125 276375 300000 300000
4 189500 368500 400000 400000
5 236875 460625 500000 500000
6 284250 552750 600000 600000
7 331625 644875 700000 700000
8 379000 737000 800000 800000
9 426375 829125 900000 900000
10 473750 921250 1000000 1000000

% V/m
0,0001 0,000042 0,000059 0,00006 0,00006
0,001 0,000423 0,00059 0,00061 0,00061
0,01 0,004232 0,00590 0,00610 0,00610
0,1 0,042325 0,0590 0,0610 0,0610
1 0,423245 0,590 0,610 0,610
2 0,846491 1,18 1,22 1,22
3 1,269736 1,77 1,83 1,83
4 1,692982 2,36 2,44 2,44
5 2,116227 2,95 3,05 3,05
6 2,539473 3,54 3,66 3,66
7 2,962718 4,13 4,27 4,27
8 3,385964 4,72 4,88 4,88
9 3,809209 5,31 5,49 5,49
10 4,232455 5,90 6,10 6,10

% mV/m
0,0001 0,042 0,059 0,061 0,061
0,001 0,423 0,590 0,610 0,610
0,01 4,23 5,90 6,10 6,10
0,1 42,3 59,0 61,0 61,0
1 423 590 610 610
2 846 1180 1220 1220
3 1270 1771 1830 1830
4 1693 2361 2440 2440
5 2116 2951 3050 3050
6 2539 3541 3660 3660
7 2963 4131 4270 4270
8 3386 4722 4880 4880
9 3809 5312 5490 5490
10 4232 5902 6100 6100

Tags:
Spitzenwert, Mittelwert, 26. BImSchV

Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter?

Doris @, Sonntag, 22.07.2007, 23:22 (vor 6068 Tagen) @ Sparco

Was im Bericht nicht so richtig erwähnt wird: Anhand der Simulation aus Kapitel 4.1.1, http://www.250kb.de/u/070719/j/4a2171a2.jpg, die eine Erweiterung von 1 auf 3 Sendeanlagen darstellt, wird deutlich, daß

Vorher (konzentriertes Konzept): -> Einige sehr viel Strahlung abbekommen,iele eher wenig Nachher (verteiltes Konzept): -> Mehr Leute eher mehr Strahlung abbekommen, weniger eher wenig

Warum wird dann sowas wie hier angestrebt und als positiv bewertet.

Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter?

H. Lamarr @, München, Montag, 23.07.2007, 00:03 (vor 6068 Tagen) @ Sparco

Es dürften sich bei letzterem die Handy-Nutzer freuen, deren Handys dann zwangsläufig weniger Sendeleistung aufbringen müssen. Nur dieser Personengruppe ist das doch eigentlich schnurz-egal, oder ?

Also ich weiß nicht so recht, ob den Handy-Nutzern die Emission ihrer Lieblinge tatsächlich derart wurscht ist. Immerhin hält sich ein konstant hoher Prozentsatz, der bei Umfragen mulmige Gefühle wegen möglicher Gesundheitsrisiken bekundet - da könnten ja auch ein paar Handyaner darunter sein. Spekulation hin oder her: Eine Personengruppe bei den Handy-Nutzern gibt's, der sind solche Sorgen völlig fremd und dennoch wäre sie klarer Nutznießer dessen, was Sie "verteiltes Konzept" nennen (obwohl doch zumindest das Konzept alle beisammen haben sollte ;-)): Kinder und Jugendliche, denen, kaum dass sie aus den Windeln raus gekommen sind, dusselige oder übervorsichtige Erwachsene ihre erstes Handy geradezu aufgedrängt haben.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Eltern

Netzverdichtung: E-Smog rauf oder runter?

H. Lamarr @, München, Montag, 23.07.2007, 00:18 (vor 6068 Tagen) @ Sparco

"Unabhängig von einer damit verbundenen Reduzierung der ortsbezogenen Immission im direkten Umfeld der Sendeanlagen kann auch gezeigt werden [BAL 01, BOR 02], dass mit diesem Konzept die gesamte Netzsendeleistung reduziert wird.

Bei dieser Literaturstelle habe ich den Eindruck, dass zwar interessante aber eher grundsätzliche Überlegungen zur Netzverdichtung angestellt werden. Offen bleibt, was mit BTSn passiert, wenn sie nicht mehr allein ein Revier haben, sondern ein, zwei andere BTSn hinzukommen, die als Füllsender die TCH-Kapazitäten nach oben schrauben: Wird dann bei der "alten" BTS ...

a) ... bei gleichbleibender Sendeleistung nur der Downtilt reduziert, um die Ausleuchtzone zu verkleinern? Die Teilnehmerin caro hat hier im Forum einmal von eben dieser "Problemlösung" in ihrem Fall berichtet.
b) ... bei gleibleibendem Downtilt die Sendeleistung zurückgenommen, um die Ausleuchtzone zu verkleinern?

Von der Logik her müsste b) der Favorit sein, weil sich mit der geringeren Energieaufnahme auf Dauer gut Geld einsparen lässt. Aber ist dies auch in der Praxis so?

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum