Vom Zwang der Erreichbarkeit (Allgemein)

Doris @, Donnerstag, 07.06.2007, 22:33 (vor 5023 Tagen)

Ein Stern-Interview mit dem Soziologen Günter Burkhart zur Handy-Mania.

Julia Karnahl von der Jugend Zeitschrift "Spiesser" schildert ein paar der ganz wichtigen Handy-Telefonate, wie sie vermutlich jeder in seinem Umfeld öfters erlebt.

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Erreichbarkeit

Vom "Zwang" der Erreichbarkeit

AnKa, Samstag, 09.06.2007, 18:25 (vor 5022 Tagen) @ Doris

Hm. Dieser Soziologe scheint mir doch ein Vertreter des in Deutschland grassierenden Kulturpessimismus zu sein.

(Zur Abwechslung einmal) zum Gebrauchsnutzen des Mobiltelefons findet man in diesem Büchlein (es handelt sich um eine Art Zeitgeist-Lexikon) unter dem Stichwort "Vorsorgeprinzip" diesen Eintrag:

Vorsorgeprinzip
Darling aller Fortschrittsfeinde, das praktisch jede technische Innovation killen kann. (...) Beispiel Handy: Dessen Verbreitung hat vielen Bergsteigern in Not das Leben gerettet. Doch erstaunlicherweise gibt es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele tausend Menschen Jahr für Jahr durch das Mobiltelefon gerettet werden. Bis heute wurden aber über 20 000 Studien und Fachartikel zu der Frage veröffentlicht, ob die von Mobiltelefonen ausgehende elektromagnetische Strahlung gesundheitsschädigend sei. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es derzeit keine wissenschaftlich begründeten und reproduzierbaren Beweise dafür. Trotzdem kämpfen bundesweit Hunderte Bürgerinitiativen gegen neue Mobilfunkantennen.
Eigentlich wäre eine rationale Abwägung der Auswirkungen des Mobilfunks auf die Volksgesundheit nicht allzu schwer. Auf der einen Seite stehen seine nachweisbaren und tausendfach lebensrettenden Verdienste. Auf der anderen Seite stehen lediglich nicht nachweisbare und nur vermutete Nebenwirkungen, konkret aber ein eklatantes Ausbleiben wirklicher Schäden an Menschen. Ein Grundprinzip des demokratischen Rechtsstaats lautet: in dubio pro reo. Das Vorsorgeprinzip aber besagt: Im Zweifel gegen das Neue, das seine Unschuld erst beweisen muss.

Vom "Zwang" der Erreichbarkeit

Fee, Samstag, 09.06.2007, 19:00 (vor 5022 Tagen) @ AnKa

Aha, jetzt kommt also die rührende Geschichte von der Bergrettung per Handy. Als ob man dafür UMTS, HSPDA, WiMAX uvm. benötigen würde, oder will die Bergrettung ein MMS aus der Gletscherspalte oder der Verunglückte von dort aus drahtlos ins Internet (weisst Du wo ich jetzt gerade bin, so wie die meisten Handygespräche beginnen), damit sie ihr Leben aufs Spiel setzen darf (denn dort benötigt es dann noch Einsatz und nicht nur Geplapper und Bildchenkram).

Vom "Zwang" der Erreichbarkeit

AnKa, Sonntag, 10.06.2007, 14:41 (vor 5021 Tagen) @ Fee

Ob Sie so daherreden würden, wären Sie erst selbst mal in einer vergleichbaren Lage? Ihr etwas schnoddriger Beitrag verrät eine grundlegende Aversion gegen Mobilfunkkommunikation.

Ich etwa kann mich nicht erinnern, daß ein einziges meiner Handygespräche je mit "weisst Du wo ich jetzt gerade bin" begonnen hätte (was allerdings auch nicht schlimm wäre. Es ist nur eine Frage, wie sie sich Bekannte halt so stellen). Ich sage normalerweise erst mal eine Begrüßung. Es ist aber auch nichts daran auszusetzen, daß man mitunter dem Gesprächspartner mitteilt, wo man gerade ist, wenn man ihn mobil antelefoniert. Schließlich telefoniert man mit einem Mobiltelefon. Man könnte sich zum Beispiel gerade inmitten einer Anti-Mobilfunk-Demo befinden und müsste dem Menschen am anderen Apparat dann immerhin eine Erklärung dafür geben, was all die aufgeregten Ausrufe um einen herum zu bedeuten haben. Der denkt sonst am Ende noch, man vertreibt sich die Zeit in irgendeinem Fanblock.

Und von wegen Ihres Spotts bzgl. Notrufen per Handy:

Handy-Notruf bei Verbrechen, Unfall oder Panne

Die Ortung jedes Handy-Notrufes ist möglich.

Sie befinden sich irgendwo in Deutschland, haben selbst eine Panne oder einen Unfall oder wollen einem Verbrechensopfer helfen.

Mit 0800 NOTFON D oder (0800-668 366 3) existiert ein Angebot in Deutschland, um Handys bundesweit orten zu können.

Das Problem ist, dass Sie der Rettungsstelle meist keine genauen Angaben zum Standort des Unfallortes machen können und somit für Hilfsmaßnahmen wertvolle Zeit verstreicht.

Dazu existiert die gebührenfreie Hotline für Handys - der Notruf der Autoversicherer. Somit haben Sie mit Ihrem Handy immer eine "mobile Notrufsäule" zur Hand.

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