Nachosterüberraschung (Allgemein)

Gast, Samstag, 28.04.2007, 12:15 (vor 5295 Tagen)

Am Karfreitag hat sich ein Detail in der Website des BfS verändert:
In Sachen NF und Interpretation Grenzwerte der 26. BImSchV war bisher zu lesen: "Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand ist bei Einhaltung dieser Grenzwerte der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung auch bei Dauereinwirkung gewährleistet"

Diese Ausführung ist von der Homepage des BfS verschwunden. Stattdessen steht jetzt auf der Seite www.bfs.de/elektro/nff/vorkommen.html

"Die Betreiber von Gleichspannungs- und Niederfrequenzanlagen sind dazu aufgefordert, die Emission statischer sowie niederfrequenter elektrischer und magnetischer Felder im Rahmen des technisch Möglichen zu reduzieren."

Das sind völlig neue Töne des BfS !

Hintergrund
Es gibt inzwischen eine profunde Arbeit des renommierten Salzburger Wissenschaftlers Dr. med. Oberfeld vom 27.2.06, www.380kv-ade.at/downloads/Umweltmedizinen.pdf , in der dieser folgendes im Detail nachweist

Die deutschen Grenzwerte (hier ist erst mal nur von 50 Hz die Rede, das gilt aber allgemein) gelten nur für Kurzeitexposition, sind also für Dauereinwirkung gar nicht anwendbar !

Überzeugen Sie sich selbst, es steht da (die 26. BImSchV basiert voll auf ICNIRP = Intern. Commission on Non-Ionisizing Radiation Protection, einem privaten Verein in München, die unsere Regiegung und die WHO beriet)

"Die ICNIRP-Richtlinie (ICNIRP 1998) basiert auf kurzfristigen, unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen wie z. B. der Reizung peripherer Nerven und Muskeln, Schocks und Verbrennungen, die durch Berührung leitfähiger Objekte verursacht werden und erhöhte Gewebetemperaturen, die aus der Absorption von Energie während der Exposition durch EMF resultieren."

"Richtwertmodelle wie das der ICNIRP, die nur auf Reizwirkungen beruhen und zwischenzeitlich nachgewiesene Langzeiteffekte nicht umfassen, können den erwarteten und erforderlichen Schutz der individuellen und öffentlichen Gesundheit nicht sicherstellen.. Daher sind Beurteilungen nach dem ICNIRP Richtwert von 100µT(100.000nT) oder dem Schweizer Grenzwert von 1µT(1.000nT) nach der heute vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz für Langzeitwirkungen ohne jegliche Relevanz. Eine medizinische Beurteilung die diese Evidenz ignoriert beurteilt nicht nach dem Stand des medizinischen Wissens."

Die zumindest erst mal auf der Website nun zurückgenommene Behauptung des BfS, es bestehe (wörtlich) "Schutz auch bei Dauereinwirkung" ist also falsch, um es vorsichtig auszudrücken. Man könnte auch von bewusster Täuschung der Öffentlichkeit reden .

Die Folgen dieser Entwicklung sind klar: Die 26. gerät ins Wanken, denn die Basis ist unwissenschaftlich.

Das wird in der Perspektive
1. zu einer vollkommen neuen Rechtsposition der Bürger bei Zwangsbestrahlung führen. Natürlich, Justizia ist nicht die Schnellste, ehe die Richter das verstehen, … und BGH und BVG sich bequemen, das wird viel Trubel geben
2. letztlich marktwirtschaftlich Druck erzeugen in Richtung der Entwicklung immissionsgeminderter Technologien der Kommunikation, wie wir es schon ewig konkret vorschlagen haben. Das bringt Arbeitsplätze und mehr Kunden für die Betreiber, das Gesundheitswesen wird entlastet.

Viele Grüße und "sie bewegt sich doch".
Stefan Spaarmann

Tags:
Spaarmann, Zwangsbestrahlung, NF, Langzeiteffekte

Nachosterüberraschung

Doris @, Samstag, 28.04.2007, 14:23 (vor 5295 Tagen) @ Gast

Am Karfreitag hat sich ein Detail in der Website des BfS verändert: In Sachen NF und Interpretation Grenzwerte der 26. BImSchV war bisher zu lesen: "Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand ist bei Einhaltung dieser Grenzwerte der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung auch bei Dauereinwirkung gewährleistet"

Diese Ausführung ist von der Homepage des BfS verschwunden. Stattdessen steht jetzt auf der Seite www.bfs.de/elektro/nff/vorkommen.html

"Die Betreiber von Gleichspannungs- und Niederfrequenzanlagen sind dazu aufgefordert, die Emission statischer sowie niederfrequenter elektrischer und magnetischer Felder im Rahmen des technisch Möglichen zu reduzieren."

Das sind völlig neue Töne des BfS !

So, das Ganze hört sich für mich als Mobilfunkkritikerin grundsätzlich interessant an. Da es sich aber zumindest für mich gezeigt hat, nicht mehr alles einfach zu glauben, was ich vorgesetzt bekomme, ergeben sich für mich vorab ein paar Fragen, bevor man diesen Beitrag hier überhaupt diskutieren kann.

Hintergrund
Es gibt inzwischen eine profunde Arbeit des renommierten Salzburger Wissenschaftlers Dr. med. Oberfeld vom 27.2.06, www.380kv-ade.at/downloads/Umweltmedizinen.pdf , in der dieser folgendes im Detail nachweist

Dieser Link funktioniert nicht. Aber ich habe da mal ein bisschen recherchiert und vermute, dass es sich um diese ARbeit von Dr. Oberfeld handeln muss.

Wurde hier beim BfS nachgefragt, warum der Text auf der Homepage verändert wurde, oder ist das wieder eine Spekulation, die - wenn sie so einfach weitergegeben wird - genau das ergibt, was man eine "MObilfunkkritikerlüge" bezeichnet.
Einen Grund für die Veränderung muss es geben und es wäre außerordentlich interessant diesen schwarz auf weiß zu haben.

Für diese Arbeit soll Dr. Oberfeld von der Umweltrechtsabteilung des Landes Oberösterreich heftig kritisiert worden sein. Dies wurde vor kurzem im RDW-Forum diskutiert. Ich stehe den Diskussionen im RDW-Forum sicherlich sehr kritisch gegenüber, genauso wie manchen Ausführungen in unseren Reihen. Aber man sollte sich die Argumente der GEgenseite zumindest mal anschauen, erst dann kann man sich - mit entsprechenden Fach- bzw. Hintergrundkenntnissen - mit der Sache auseinandersetzen. Und da es hier ja genügend Fachleute auch von der "nichtkritischen Seite gibt", können die uns sicherlich auch was dazu sagen. Wenn die allerdings immer nichts sagen, dann werde ich persönlich immer besonders hellhörig.

mfg
Doris

Nachosterüberraschung

H. Lamarr @, München, Samstag, 28.04.2007, 18:00 (vor 5295 Tagen) @ Doris

Seltsam, in der Betreffzeile lese ich immerzu Nahostüberraschung :no:

So, das Ganze hört sich für mich als Mobilfunkkritikerin grundsätzlich interessant an.

Auch wenn es mit Mobilfunk überhaupt nichts zu tun hat?

Da es sich aber zumindest für mich gezeigt hat, nicht mehr alles einfach zu glauben, was ich vorgesetzt bekomme ...

Kann ich gut nachvollziehen.

Es gibt inzwischen eine profunde Arbeit des renommierten Salzburger Wissenschaftlers Dr. med. Oberfeld

Profund + renommiert + Wissenschaftler: Wenn so dick wertend aufgetragen wird, habe ich immer das Gefühl, dass mir jemand etwas unterjubeln will worüber ich nicht groß nachdenken soll.

Wurde hier beim BfS nachgefragt, warum der Text auf der Homepage verändert wurde, oder ist das wieder eine Spekulation, die - wenn sie so einfach weitergegeben wird - genau das ergibt, was man eine "MObilfunkkritikerlüge" bezeichnet.

Ich spekuliere mal, es ist eine Spekulation. Also wieder das gleiche Spiel: Wer fragt beim BfS nach? Wir vermeiden unnötige Arbeit, wenn wir dies vorab klären.

Einen Grund für die Veränderung muss es geben und es wäre außerordentlich interessant diesen schwarz auf weiß zu haben.

:yes:

Für diese Arbeit soll Dr. Oberfeld von der Umweltrechtsabteilung des Landes Oberösterreich heftig kritisiert worden sein. Dies wurde vor kurzem im RDW-Forum diskutiert. Ich stehe den Diskussionen im RDW-Forum sicherlich sehr kritisch gegenüber, genauso wie manchen Ausführungen in unseren Reihen. Aber man sollte sich die Argumente der GEgenseite zumindest mal anschauen, erst dann kann man sich - mit entsprechenden Fach- bzw. Hintergrundkenntnissen - mit der Sache auseinandersetzen. Und da es hier ja genügend Fachleute auch von der "nichtkritischen Seite gibt", können die uns sicherlich auch was dazu sagen. Wenn die allerdings immer nichts sagen, dann werde ich persönlich immer besonders hellhörig.

Ich weiß nicht so recht, Doris, was wir hier überhaupt diskutieren sollen. Oberfeld will links und rechts der 380-kV-Trasse je etwa 250 m besiedelungfrei halten, den anderen Gutachtern genügen je etwa 70 m. Damit sind Konflikte programmiert, nur können wir nichts zur Lösung beitragen, denn ob 0,1 µT, wie sie Oberfeld fordert, das Gelbe vom Ei sind, das können wir nicht bewerten, und Meinungen dürften bei solchen Projekten eine eher kleine Rolle spielen. Die Sypathien der Bevölkerung hat Oberfeld mit seiner Je-kleiner-desto-besser-Forderung sicherlich auf seiner Seite. Aber rechtfertigen seine Bedenken die Ausdehnung der Schutzzone auf 500 m? Die Bewilligungsbehörde sagt nein und signalisiert, dass sie Oberfeld nun eben nicht für einen profunden, renommierten Wissenschaftler hält. Dem Oberfeld dürfte das freilich ziemlich wurscht sein, denn er hat ja nichts zu verlieren. Im Gegenteil: wenn seine Bedenken in den Wind geschlagen werden, dann festigt er damit - auf Seiten der Kritiker - seinen Ruf als Salzburger Volkstribun, der unbeirrt die Interessen der Bürger gegen schnöde Wirtschaftsinteressen verteidigt, egal ob er dabei gewinnt oder verliert. Eine Karriere im diplomatischen Korps steht für Dr. Oberfeld daher nicht unbeding in Aussicht ;-)

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Nachosterüberraschung

Doris @, Samstag, 28.04.2007, 19:31 (vor 5295 Tagen) @ H. Lamarr

Auch wenn es mit Mobilfunk überhaupt nichts zu tun hat?

Wird hier nicht irgendwie suggeriert, dass wenn bei diesem Thema die 26. BImSchV "ins Wanken geraten könnte", dann kann das automatisch auch auf die Grenzwerte bei Mobilfunk übertragen werden. ;-)
O.k. jetzt fange ich an da was reinzuinterpretieren....

Ich spekuliere mal, es ist eine Spekulation. Also wieder das gleiche Spiel: Wer fragt beim BfS nach? Wir vermeiden unnötige Arbeit, wenn wir dies vorab klären.

;-)

Ich weiß nicht so recht, Doris, was wir hier überhaupt diskutieren sollen.

Gut, wenn ich mir Ihre Ausführungen so durchlese, dann gibt es dazu zumindest nichts mehr zu diskutieren. Höchstens wir bringen in Erfahrung ob das BfS seine Homepage wirklich wegen der Arbeit von Dr. Oberfeld verändert hat. Das wäre doch interessant

Aber grundsätzlich finde ich es trotzdem gut, dass da jemand (war es Herr Spaarmann selber?) solche Veränderungen bemerkt und diese dann auch veröffentlicht. Meine persönliche Meinung dazu ist allerdings, wenn man vorher beim BfS angefragt hätte, was der Hintergrund der Veränderung sei, dann wäre es hochwertiger. Wenn es von Anfang an so gemacht worden wären,wie Sie es hier anmerken, dann hätte man vielmehr die Spreu vom Weizen trennen können und vermutlich hätten wir dann heute mehr Weizen als Spreu. Aber keiner konnte zu Beginn der Mobilfunkkritik ahnen, wie sich das alles entwickeln würde. Ich denke mir einfach, damals ist man vielleicht davon ausgegangen, dass sich zum einen evtl. Gesundheitsrisiken schneller und häufiger zeigen und damals hat man auch nie damit gerechnet, dass sich 10 Jahre später fast die ganze Menschheit mit Funktechnik eindeckt. Und wie schrieb Dr. Kundi in seinem umfangreichen Papier "gerade weil die Funktechnik so massiv verbreitet ist, braucht es deutlich mehr und aussagekräftigere ARgumente um Vorsorgemaßnahmen zu treffen als bei manch anderen Dingen".

Nachosterüberraschung

H. Lamarr @, München, Montag, 30.04.2007, 13:32 (vor 5293 Tagen) @ Doris

Höchstens wir bringen in Erfahrung ob das BfS seine Homepage wirklich wegen der Arbeit von Dr. Oberfeld verändert hat. Das wäre doch interessant.

Überlegen Sie mal, Doris, die Oberfeld-Arbeit kann nicht Ursache der Veränderung sein, da würde sich das BfS ja auf bis auf die Knochen blamieren, wenn's so wäre. Ich frag' bei denen jetzt einfach mal nach, einverstanden?

--
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Nachosterüberraschung

Doris @, Montag, 30.04.2007, 20:50 (vor 5293 Tagen) @ H. Lamarr

Überlegen Sie mal, Doris, die Oberfeld-Arbeit kann nicht Ursache der Veränderung sein, da würde sich das BfS ja auf bis auf die Knochen blamieren, wenn's so wäre. Ich frag' bei denen jetzt einfach mal nach, einverstanden?

Was mir bei der BfS Seite aufgefallen ist, ganz unten steht "Stand 06.04.2006". Hier ist also nicht zu erkennen, ob an der Seite was aktuell geändert worden ist. Herr Wölfle z.B. schreibt auf seiner Homepage immer das Datum bei den verschiedenen Berichten drauf, wann was aktualisiert worden ist. D.h. wir wissen diese Änderung nur durch Herrn Spaarmann, der diese Seite offensichtlich beobachtet. Da bin ich mal sehr gespannt darauf, wie sich das BfS dazu äußert.

mfg
Doris

Nadannprostüberraschung

H. Lamarr @, München, Dienstag, 01.05.2007, 00:14 (vor 5292 Tagen) @ Doris

Was mir bei der BfS Seite aufgefallen ist, ganz unten steht "Stand 06.04.2006". Hier ist also nicht zu erkennen, ob an der Seite was aktuell geändert worden ist.

Das Änderungsdatum hat nicht viel zu bedeuten, wenn es nach Änderungen manuell aktualisiert werden müss. Da bin ich vor Jahren mal auf der BAuA-Website schwer ins Rutschen gekommen, weil die munter ihre Webseiten aktualisiert hatten, ohne am Publikationsdatum etwas zu ändern. In solchen Fällen ist ein Tool sehr hilfreich, mit dem Sie Webseiten ohne großes Brimborium speichern können (also nicht so, wie die Browser das selber können). Da lässt sich dann durch Vorher/Nachher-Vergleich so eine Schlamperei schnell nachweisen.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Nachosterüberraschung

Doris @, Samstag, 09.06.2007, 17:42 (vor 5253 Tagen) @ H. Lamarr

Ich frag' bei denen jetzt einfach mal nach,

einverstanden?

Das hat ein Kurt Giessmann auch getan und auch eine Antwort vom BfS bekommen. Das - nennen wir es mal - recht emotionale Anschreiben :-( des Herrn Giessmann an das BfS ist dem Antwortschreiben oben angestellt.

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