Fabrizieren von Weichmachern als Methode (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 18.09.2006, 00:58 (vor 6428 Tagen) @ Doris

Dieser umfangreiche ARtikel wird im Befürworterforum bereits umfangreich diskutiert.
Gibt es von den Teilnehmer hier in diesem Forum auch was dazu zu sagen?

Die Abhandlung dort erinnert stark an den polemischen Stil von handywellen.de. Ich könnte mir vorstellen, dass da nur mal einer Dampf ablassen wollte, um seinen Ärger über die Plapper-Fraktion der Mobilfunkkritiker Luft zu machen. Neue Erkenntnisse sind mir keine aufgefallen, die Kritikpunkte sind allesamt altbekannt und aus meiner Sicht teilweise sogar berechtigt was die Panikmache anbelangt.

Dass der Autor des Beitrags genauso manipulieren möchte, wie er es den Mobilfunkgegnern vorwirft, merkt man deutlich an der unzulässigen Pauschalisierung, die er vornimmt: Bei Moribund Burgmeister gibt es nur die Mobilfunkgegner alter Prägung, über die wir hier im Forum ja nun schon ausgiebig genug diskutiert haben. Gegen die ist ja auch nur allzuleicht Front zu machen. Das sehe ich dagegen nicht bei den "neuen" Mobilfunkkritikern, die weniger Zeter und Mordio schreien, sondern auf ehrliche Aufklärung und Vorsorgeaspekte setzen. Diese Realo-Fraktion der Mobilfunkgegner hat dem wackeren Moribund aber partout nicht in den Kram gepasst - und deshalb hat er sie einfach weggelassen. Wenn er jetzt danach gefragt wird, wird er wohl behaupten, es seien ja nur so wenige. Damit hätte er zwar nicht unrecht, besser wird sein Beitrag dadurch freilich auch nicht.

Auch der Absatz zu Reflex zeigt, wo der Autor hin will. Wird hier doch so getan, als ob das Ergebnis von Reflex mit ein paar Handy-Gebrauchsregeln beantwortet werden könnte. Ja, Reflex hat mit Basisstationen tatsächlich herzlich wenig zu tun, wie das zuweilen von der Plapper-Fraktion verbreitet wird, aber das ist ja auch kalter Kaffee. Was bei Moribund unerwähnt bleibt ist die Hypothese, mit der Reflex in Angriff genommen wurde: Man wollte beweisen, dass die Energie von Mobilfunkwellen - wie bis dahin unisono gepredigt wurde - bei weitem nicht ausreicht, um DNA-Schäden auszulösen, denn dazu müsste man schon mit ionisierenden Strahlen auf die Zellen losgehen. Nun, inzwischen wissen wir ja, dass genau diese Hypothese falsch war. Das heißt, ein wesentlicher Aspekt von Reflex ist, dass damit ein jahrzentelang unwidersprochener Irrglaube aufgedeckt wurde. Und warum sollte dieser in Sachen Funkfeldern der einzige bleiben?

Nein danke, der Artikel von Moribund gehört für mich in die Kategorie der gebündelten Weichmacherei, mit der das Gleichgewicht des Schreckens in der Frage über die Schädlichkeit von Funkfeldern zugunsten der Befürworter verändert werden soll. Auf der IZgMF-Leitseite halten wir mit der neuesten Fassung von W.K.'s Kritik an der ETH-Studie dagegen (Hinweis an charles: diese Fassung ist jünger als die in het bitje). Und das, lieber Moribund, ist mit Verlaub gesagt ein schwereres Kaliber - zugunsten der Kritiker.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Pauschalisierung


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum