Rubik-Studie: unerwartet kritische Reviews (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 10.12.2021, 15:42 (vor 208 Tagen) @ Gustav

Aufschlussreich ist auch der Review process [...]

Stimmt, da haben Sie mMn etwas Aufschlussreiches gefunden.

Beim ersten Sichten staunte ich noch über die hohe Anzahl von elf Reviewern, tatsächlich sind es aber wohl nur neun gewesen, weil #2 und #7 ausgelassen wurden. Neun sind aber aus meiner Sicht noch immer außerordentlich viele. Noch überraschender war für mich die Intensität der Reviews im Detail, man kann den Leuten nicht vorwerfen, nur Husch-husch-Reviews abgeliefert zu haben. Diesen Verdacht hatte ich bislang bei Open-Access-Journalen.

Das einzige, woran ich jetzt noch zu knabbern habe ist der Umstand, dass die Studie nicht abgelehnt, sondern nach Überarbeitungen doch noch abgenommen wurde. Vermutlich liegt das daran, dass mir als Laie die Denkwelten von Wissenschaftlern fremd sind. Erwartet hätte ich, dass schon der krude Ansatz der Studie, Mobilfunk-(5G)-Exposition hätte etwas mit Covid-19 zu tun, den Chefredakteur des Journals in eine rigorose Abwehrhaltung versetzt, auch wenn die Autoren im Fall einer Veröffentlichung Geld in seine Kasse bringen.

Wenn ich das hin und her zwischen den Reviewern/Chefredaktion und den Autoren richtig sehe, wurde die Möglichkeit eines Zusammenhangs jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt, sondern es wurden viele Details diskutiert. In etwa so, als würden Tester eines neuen Autos sich daran stoßen, dass der Aschenbecher zu klein sei, das Handschuhfach nur umständlich zu öffnen ist und der Wagen bei Tempo 194,4 km/h ein Klappergeräusch zeigt. Dass das Auto angeblich mit Salzwasser als Treibstoff auskommt, ist hingegen für die Tester nur ein Randthema. Möglicherweise ist so ein Vorgehen die Perfektion von Kargo-Kult-Wissenschaft bis in den Review-Prozess hinein.

Mein Eindruck beruht auf nur oberflächlichem Lesen, auf der stigmatisierten Autorin Rubik, auf der unausgewogenen Literaturliste und darauf, in welchen Kreisen die Arbeit Anklang fand. Diese Beurteilungsmethode ist sehr effektiv hat aber den Nachteil, dass die Irrtumswahrscheinlichkeit gut und gerne bei 50 Prozent liegen kann. Andererseits sollen Studien gezeigt haben, dass intuitive Wertungen überzufällig häufig zutreffend sein können.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Pseudowissenschaft, Raubverlag, Kargo-Kult, Review


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