SSK sieht "erhebliche Probleme" beim Schutz der Verbraucher (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 13.02.2019, 12:39 (vor 6 Tagen)

Das Thema der SSK-Klausurtagung 2018, die am 15. und 16. März 2018 in Würzburg stattfand, war der Schutz der Verbraucher vor Risiken der ionisierenden und nichtionisierenden Strahlung. In Bezug auf den Mobilfunk und auch den 5G-Ausbau ergab die Tagung, das Problem des persönlichen Risikoverständnisses bleibe bestehen: das eigene Mobiltelefon werde in der Regel nicht als kritisch gesehen, der Sendemast hingegen schon. Aus der nach einer Podiumsdiskussion folgenden Diskussion mit allen Teilnehmern blieben insbesondere Kommentare zur Expositionsreduzierung durch Einführung von kleinen Funkzellen (small cells) haften. Mobiltelefon müssten in Kleinzellen mit weit geringerer Leistung senden als am Rand herkömmlich großer Funkzellen. Im Bericht von der Tagung heißt es abschließend zu nichtionisierender Strahlung:

Das Schlusswort zu den Themen der Tagung erfolgt durch den Vorsitzenden der SSK, Herrn Breckow. Der Schutz vor ionisierender Strahlung stützt sich auf bewährte Konzepte. Diese Konzepte bilden ein geschlossenes, über viele Jahrzehnte entwickeltes System, das auch bei der Neufassung des Strahlenschutzrechtes keiner gravierenden Anpassung bedurfte. Dieses System ist zwar in Teilen komplex und bedarf einer vertieften Befassung, steht aber auf einer so soliden Basis, dass ein substantieller Strahlenschutz gewährleistet werden kann. Im Gegensatz dazu sind die Konzepte zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei Weitem nicht so entwickelt und ausgefüllt. Auch wenn es verlockend wäre, das System der ionisierenden Strahlung zu übernehmen, hat sich gezeigt, dass dies nur bedingt möglich ist. Schwer zu übertragen sind insbesondere die Konzepte der Rechtfertigung und der Optimierung. Angesichts qualitativ häufig völlig anderer Voraussetzungen bei den vielfältigen Anwendungen nichtionisierender Strahlung und der Tatsache, dass weder die derzeitige Situation ausreichend geregelt noch die zukünftige Entwicklung in Gänze abzusehen ist, sind für den Schutz der Verbraucher vor nichtionisierender Strahlung erhebliche Probleme zu erwarten. Hinzu kommt, dass sich die gesellschaftliche Bewertung sowohl ganzer Technologiefelder als auch einzelner Anwendungen ändern kann. Soweit wie möglich sollte daher von den Erfahrungen im Bereich der ionisierenden Strahlung Kredit genommen werden.

Abschließend bedankt sich Herr Greipl im Namen des BMU für die zahlreichen Denkanstöße. Rückblickend wären vielleicht eine klare Definition des Begriffs „Verbraucher“ und eine Abgrenzung zum Gesundheitsschutz sinnvoll gewesen. Dies wird daran deutlich, dass der Schutz des Verbrauchers im Bereich der ionisierenden Strahlung eher aus dem Blickwinkel des Gesundheitsschutzes geregelt ist, während im Bereich der nichtionisierenden Strahlung der Verbraucher als solcher stärker im Fokus steht, nicht zuletzt aufgrund der vielfältigeren Anwendungsbereiche und Wirkungen auf den Menschen, die durch nichtionisierende Strahlung hervorgerufen werden können. Auch zukünftig werden der Strahlenschutz beim Mobilfunk und die Einhaltung der Grenzwerte eine Rolle spielen wird. Im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung wurde hierzu die Sicherstellung des Schutzes vor elektromagnetischen Feldern bei der Digitalisierung vereinbart, insbesondere auch beim Aufbau des zukünftigen Mobilfunkstandards.

Kommentar: Unklar ist, worauf genau die SSK die "erheblichen Probleme" beim Schutz der Verbraucher vor nichtionisierender Strahlung bezieht. Man ist versucht anzunehmen, sie meint damit elektromagnetische Felder des Mobilfunks. Der Tagungsbericht stützt diese Interpretation jedoch nicht. Denn der Bericht benennt erhebliche Probleme nicht für Mobilfunk, sondern für medizinische Anwendungen von EMF und für optische Strahlung (Laser). Andererseits sind, wenn auch nicht im Bericht explizit benannt, infolge der von Mobilfunkgegnern desinformierten Bevölkerung tatsächlich erhebliche Problem beim Aufbau der 5G-Infrastruktur (Standortakquise) zu erwarten, was mit Verbraucherschutz jedoch nur am Rande zu tun hat.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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