Schule will Handy-Gewalt verhindern (Allgemein)

KlaKla, Sonntag, 19.03.2006, 14:06 (vor 5133 Tagen) @ Gast

03.03.2006
Hannover/Die Käthe-Kollwitz-Schule verbietet ihren jüngeren Schülern seit dieser Woche die Benutzung von Handys auf dem Schulgelände. Der Grund: Einige Kinder hatten Prügelszenen nachgestellt und mit dem Handy gefilmt.

"Sie hatten das spielerisch inszeniert. Aber ich denke, das ist der erste Schritt zur Gewalttätigkeit, und dem wollte ich vorbeugen", sagt Schulleiter Martin Kronenberg. Das Prügeln von Mitschülern vor laufender Kamera ist ein "Jugendtrend" aus Großbritannien, der sich seit zwei Jahren auch in Norddeutschland verbreitet.

Das Handyverbot gilt nur für die Außenstelle des Gymnasiums, in der die Fünft- bis Siebtklässler unterrichtet werden. Dort war es zu den Vorfällen gekommen. "Der Schulelternrat hat das Verbot einstimmig befürwortet", sagt Kronenberg. Die Schüler dürfen weiter mit dem Handy telefonieren - wenn ein Lehrer das Gespräch vorher erlaubt.

Die inszenierten Prügeleien waren nicht die ersten Vorfälle mit Handys an dem Gymnasium. Im vergangenen Schuljahr hatte ein Sechstklässler bereits pornografische Bilder und Geräusche aus dem Internet auf sein Handy geladen und Mitschülerinnen damit belästigt. "Die Mädchen fühlten sich gedemütigt, und wir haben den Jungen von der Schule verwiesen", sagt Kronenberg. Ein anderer Schüler habe eine ernsthafte Prügelei geplant, berichtet Kronenberg. Doch der von ihm ausgesuchte "Kameramann" hatte nicht mitgespielt. Der Schüler hat inzwischen selbst die Schule verlassen.

Unter den Schülern ist das Verbot umstritten. Viele stört es, dass sie nur noch sehr eingeschränkt telefonieren können. Sie sind aber erleichtert, dass nicht mehr ungefragt Fotos von ihnen gemacht werden.

Andere Schulen verzichten bisher auf ein Verbot. "Im Unterricht sind die Handys natürlich aus. Wenn es Probleme gäbe, würden wir aber auch reagieren", sagt Thomas Seidel-Becker, Leiter der Elsa-Brändström-Schule. An der Herschelschule hat Schulleiter Werner Heisterberg bisher dreimal mit Eltern Erziehungsgespräche zum Thema Handy geführt. Die Schüler hatten Prügelszenen nachgespielt und gefilmt, andere Kinder gegen ihren Willen fotografiert oder den Unterricht per Handy gefilmt. "Die Kinder hatten die Geräte zu Weihnachten bekommen und dürfen sie jetzt bis zu den Sommerferien nicht mehr mitbringen", sagt Heisterberg.

Manche Lehrer halten Handys an der Schule jedoch generell für fehl am Platz. Das Kurt-Schwitters-Gymnasium verbietet ihre Nutzung bereits seit zwei Jahren. "Die Handys klingelten im Unterricht, oder Schüler schickten SMS, statt mitzumachen", sagt Schulleiter Winfried Baßmann. Es sei auch kritisch, dass Schüler die Geräte als Prestigeobjekte ansehen, für die sie sich verschulden. An der Integrierten Gesamtschule Mühlenberg dürfen Schüler Handys und andere Abspielgeräte generell nicht mitbringen. Schulleiter Georg Willmer weiß, dass viele der Jugendlichen dennoch ihre Handys dabei haben. "Die Eltern wollen das so. Wenn Schüler ihre Geräte benutzen, nehmen wir sie ihnen aber ab."
von Bärbel Hilbig

© Hannoversche Allgemeine Zeitung


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