Auslastungsgrad von Mobilfunk-Basisstationen (Technik)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 13.12.2015, 15:13 (vor 2549 Tagen)

EMF-Immissionsprognosen führen in aller Regel zu einer erheblichen Überbewertung der zu erwartenden Immission. Dies liegt daran, dass bei der Berechnung mit den ungünstigsten Werten gearbeitet wird (worst case), damit die Prognose unter keinen Umständen später von der Realität überboten wird, ein Auftraggeber sich getäuscht sieht und Regressansprüche stellt.

So sehen EMF-Messvorschriften vor, dass bei der Immissionsmessung im Umfeld einer Mobilfunk-Basisstation die genommenen Messwerte auf die Maximalauslastung der Station hochgerechnet werden müssen, auch wenn diese Maximalauslastung vielleicht nur einmal im Jahr in der Neujahrsnacht auftreten, wenn Hinz und Kunz sich via Handy gegenseitig Glückwünsche ins Ohr sagen.

Die mittlere Auslastung (Duty Cycle) einer Mobilfunk-Basisstation erreicht in aller Regel jedoch nicht einmal 50 Prozent der Maximalauslastung. Genaue Werte sind dieser Studie (PDF, englisch, 13 Seiten) aus dem Jahr 2014 zu entnehmen. Die Kenntnis solcher Werte ist erforderlich, wenn es um möglichst genaue Expositionsabschätzungen der Bevölkerung durch Basisstationen geht.

Die Autoren der Arbeit räumen keine Interessenkonflikte ein, obwohl einer der drei Autoren Leiter der Abteilung "Mobile Access" bei Swisscom Innovation ist. Im ersten Moment fand ich das irritierend. Doch was hätte Autor Hugo Lehmann anders machen sollen, als auf seinen Arbeitgeber Swisscom hinzuweisen, was aber bereits im Kopf des Papers unübersehbar geschehen war?

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Interessenkonflikt, Immissionsprognose, EMF-Prognose


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