Mobilfunkdebatte: inszenierte Debatte soll Gewinn bringen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 07.01.2011, 15:30 (vor 4034 Tagen)

Jeder von uns kennt sicher die Situation, dass ein in irgendeiner Sache unterlegener sich nicht fügt, sondern sich mit einer mehr oder weniger verdrillten Argumentation doch noch zum Sieger kürt. Hier im Forum finden sich etliche Beispiele für diese Form von Wahrnehmungsverzerrung. Für die tatsächlichen Sieger wirken die Argumente der vermeintlichen Sieger in aller Regel albern bis befremdlich. Ein schönes Beispiel dafür flatterte heute auf meinen Tisch. Da schrieb einer selbstbewusst:

Schluss mit der Abzocke auf den Straßen Europas

Zukunftsorientierte Sicherheit gegen alle Arten von Geschwindigkeitsüberwachung!

Diese keck anmutenden Zeilen zugunsten ungehemmter, folgenschwerer für den Fahrer aber risikofreier Raserei auf Europas Straßen entspringen nicht dem Hirn eines paranoiden Autofahrers, sie gehen vielmehr auf das Konto eines Anbieters von Radarwarnanlagen. Erst aus Sicht der Anbieters macht die dreiste und lebensgefährliche Anmache mit den obigen Zeilen Sinn, es soll - was sonst - der Absatz angekurbelt werden. Sicherheitshalber hat sich der Anbieter gleich selber in Sicherheit gebracht und gibt als Adresse ein Postfach auf den britischen Jungferninseln an.

Worauf ich hinaus will: Jahrelang habe ich versucht einen Sinn darin zu entdecken, warum der Kern der Mobilfunkgegner unermüdlich gegen (harmlose) Sendemasten Stimmung macht, die möglicherweise tatsächlich risikobehafteten Handys aber so gut wie immer aus der Schusslinie hält. Dass diese Orientierung zu Lasten der Masten widersinnig ist, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Erst als ich die rosarote Brille abnahm und den Sendemastengegnern keine edlen Motive der Lebensrettung mehr unterstellte, sondern handfeste finanzielle/gesellschaftliche Interessen, erst dann löste sich der Widersinn in Luft auf und das Vorgehen nicht weniger bekannter Sendemastengegner bekam schlagartig einen Sinn, der mit den vordergründig sichtbaren Motiven freilich nicht das geringste mehr zu tun hat.

Kurz: Fortwährendes Vortragen unplausibler, widersinniger und widerlegter Argumente muss nicht unbedingt auf Dummheit hindeuten, es lohnt sich in solchen Fällen hinter die Kulisse zu schauen, und die Motivation der jeweiligen Person einmal unter dem Gesichtspunkt finanzieller/gesellschaftlicher Vorteilnahme zu sehen. Seitdem ich das mache, hat die Mobilfunkdebatte für mich den Status einer Scheindebatte bekommen, denn unter den lauten Sendemastengegnern sind mBn vorwiegend Leute, die vom möglichst langen Andauern der Debatte profitieren. Profit machen ist im Kapitalismus nicht unbedingt eine Schande. Eine Schande ist es mMn jedoch, wenn einer morgens gratis Furcht vor Funkwellen predigt und abends kostenpflichtig Rat weiß, was man denn gegen die Funkwellen so alles unternehmen könne.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Geschäftsmodell, Wahrnehmungsverzerrung


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