Hardell --> echte/unechte ES ▼ (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 29.06.2008, 18:55 (vor 5326 Tagen) @ Doris

Ich persönlich finde eine derartige Herangehensweise an das Problem besser. Während diese Wahrnehmungstests lediglich dazu dienen, zu der Feststellung zu kommen, dass es gar keine Elektrosensiblen gibt, scheint Hardell und Co in die Richtung forschen zu wollen, was unterscheidet einen sich selbst bezeichnenden ES von einem Nicht ES und m.E. könnte so auch geklärt werden, warum es Menschen gibt, die reagieren und andere wiederum, denen das alles nichts ausmacht. Ich frage mich, warum die Mobilfunkkritiker, die sich für die ES einsetzen, nicht in diese Richtung aktiv werden.

Meiner Meinung nach fischt Hardell da im Trüben. Sie wissen schon warum, Doris. Die Probandenselektion auf die Selbsterklärung von ES zu stützen ist doch alles andere als ein zuverlässiges Selektionskriterium. Hardell wird es also zwangsläufig mit echten (so es diese gibt) und unechten ES zu tun haben - nur, er kann sie nicht auseinander halten, keiner kann sie auseinander halten. Hardell untersucht also eine Gruppe, deren tatsächlichen Eigenschaften unklar sind. Das ist in etwa so, als ob eine Studie klären will, ob Schwarze besser singen können als Weiße, in der Probandengruppe jedoch ungeprüft schwarz geschminkte Weiße und weiß geschminkte Schwarze neben echten Weißen und Schwarzen untersucht werden. Klar, dass das Resultat so einer Studie mehr Lotterie, denn Forschung ist.

Dennoch wird die Hardell-Studie wohl gemacht werden. Die Frage lautet für mich dann jedoch, wer wird da überhaupt getestet. Echte ES können es wegen der unzuverlässigen Selektion nicht sein, bleiben unechte ES übrig, die Hardell ja auch ordnungsgemäß als selbsterklärende ES umschreibt. Unecht meine ich jetzt nicht mal negativ im Sinne von Spinner, sondern wertneutral als Personengruppe, die glaubt, ES zu sein. Und das wissen wir ja inzwischen alle. Auch diese unechten ES können aus der Einbildung heraus durchaus biologisch messbare Reaktionen zeigen, sofern sie glauben, unter Feldeinwirkung zu stehen. Nur, welchen Nutzen soll dann ein Ergebnis haben, das z.B. besagt, selbsterklärte ES hätten mehr Schadstoffe im Körper als andere? Dies wäre ja nun nicht gerade neu und bringt uns auch keinen Schritt weiter in der entscheidenden Frage: Löst so eine Schadstoffbelastung echte ES aus oder sind derart betroffene Personen nur anfälliger dafür, zu behaupten, sie seien ES. Ein plausibles Motiv dafür könnte beispielsweise sein, dass es angenehmer ist ein Fremdverschulden (externe Strahlungsquelle) als Ursache zu sehen denn Eigenverschulden (z.B. sorgloser Umgang mit irgendwelchen Schadstoffen). ES-Frontmann Dr. Schmidt (Wolfratshausen) zum Beispiel ist meines Wissens Chemiker und könnte sich so leicht etwas eingefangen haben ebenso wie Suzanne Sohmer, die ebenfalls beruflich mit Chemikalien zu tun hatte.
Was ich sagen will: Hat Hardell nichts besseres mehr zu tun?

Troll-Wiese: http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=22455

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– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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