Fehltritt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 15.03.2008, 01:41 (vor 5441 Tagen) @ Doris

Auf Seite 2 des EMF-Monitor kritisiert Dr. Neitzke Frau Dr. Blettner mit sehr deutlichen Worten.

Ja, Worte, aber Konkretes bringt er nicht auf den Tisch. Mir gehen solche Hexenjagden im Auftrag der Volksmeinung ziemlich gegen den Strich. In Hessen gehört meine Sympathie z.B. ganz klar der Dagmar Metzger, gerade weil wegen ihr dort so viele Genossen rot sehen.

Bei der AKW-Leukämiestudie geht es, so einer vom BfS, um rd. 1 Fall von Kinderleukämie pro Jahr mehr als erwartet. Ja klar, jeder Fall ist einer zuviel und tragisch, aber wir wurden nun mal wegen Dusseligkeit aus dem Paradies geschmissen und das haben wir jetzt eben davon, neben AIDS, Pest und Cholera. Wer die Relation 1 Fall mehr pro Jahr jedoch komplett weglässt, der hat halt auch so seine Interessen ...

Auch nett, was die Ärtze-Zeitung schreibt:

So hat ein externes Expertengremium des BfS das Krebsrisiko auf einen 50-km-Radius hochgerechnet und kommt zur Erkenntnis, dass es in diesem Radius pro Jahr 121 bis 275 zusätzliche Krebserkrankungen bei Kindern gibt. Professor Maria Blettner, Direktorin des Instituts für Medizinische Biometrie an der Mainzer Uni, das die Daten maßgeblich ausgewertet hat, hält solche Rechnungen aber für wenig seriös. Ein signifikanter Zusammenhang habe es nur im 5-km-Radius gegeben, man könne die Zahlen nicht einfach auf einen größeren Radius hochrechnen, so Blettner zur "Ärzte Zeitung".

Blettner widerspricht also der Wertung des BfS-Expertengremiums. Aber ist - in Sachen Mobilfunk - nicht umgekehrt das BfS der korrupte Böse, der mit Falluntersuchungen zu gemeldeten ES-Fällen untätig ist? Und dem man überhaupt und außerdem nicht über den Weg trauen darf, weil das BfS ja von der SSK beraten wird, und die ist seit der Mitwirkung von ICNIRP-Bernhardt sowieso für alle Zeiten kontaminiert und bis zum Jüngsten Gericht erledigt.

Also das passt doch alles hinten und vorne nicht zusammen, für mich immer ein Alarmsignal, dass da der Wurm drin ist. Ich halte normalerweise viel von Neitzke, den schwach begründeten Tritt gegen Blettner halte ich jedoch für einen Fehltritt. Und zwar deswegen, weil er hier die deutsche Interphone-Studienleiterin demontiert und damit Wasser auf die Mühlen der 1G-Kritiker kippt, die es einen Teufel interessiert, dass die Kritik an Blettner doch reichlich substanzlos ist. Blettner ist eben ein Querkopf, der niemandem nach dem Maul redet, auch nicht dem Trittin, dem sie - als er noch BUM war - mal den SSK-Vorsitz vor die Füße geworfen hat.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Neitzke, Leukämie, Aerztezeitung, Blettner


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